Borkenkäfer zwingt Waldbesitzer zu ungeplanten Baumfällungen

Vor allem Fichtenbestände sind infolge der langen Trockenheit von den Insekten befallen. Das hat auch Auswirkungen auf Spaziergänger.

Besucher der Wälder in und um Chemnitz müssen in nächster Zeit mit kurzfristig angeordneten Sperrungen von Wegen rechnen. Der Grund dafür sind dringende Fällarbeiten wegen des Befalls von Bäumen durch Borkenkäfer, teilte der Staatsbetrieb Sachsenforst mit. Betroffen seien vor allem Fichtenbestände in sämtlichen Wäldern der Region, darunter Staats- ebenso wie Kommunal-, Kirchen- und Privatwälder.

"Konkret gibt es Befall im Zeisigwald, Harthwald, Neukirchner Wald, Rabensteiner Wald, Stegenwald, Biensdorfer Wald und Oberwald", weiß Ulrich Göthel, Leiter des Staatsforstreviers Grüna. Ebenso könnten die Käfer, speziell Vertreter der Art namens Buchdrucker, auch unter der Rinde von Bäumen in kleineren Waldgebieten ihre Gänge fressen. "Der Buchdrucker befällt bevorzugt Fichten, aber auch Lärchen, Douglasien, Wald-, Weymouth- und Schwarz-Kiefern sowie Weiß-Tannen", erklärt der Revierförster. Das Ausmaß des Befalls hänge einerseits von der Lebenskraft der Bäume - je geschwächter umso gefährdeter - sowie davon ab, ob das von den Winterstürmen Herwart und Friedericke gefällte sogenannte Sturmholz rechtzeitig aus den Wäldern geräumt wurde, so Göthel. Der Käferbefall sei in der Regel dort am stärksten, wo es die größten Monokulturen an gefährdeten Baumarten gibt.

Geschwächt worden seien besonders viele Fichten durch die Trockenheit der vergangenen Wochen. Als Flachwurzler könnten sie nicht genügend Wasser aus dem völlig ausgetrockneten Waldboden ziehen und verdursteten, erläutert der Experte. Die Fichten verlören dadurch ihre Fähigkeit, Käfer, die sich eingebohrt haben, durch Harzbildung schnell zu verkleben und dadurch unschädlich zu machen. Zudem begünstige das Bruchholz von den Winterstürmen, mit dem ein Großteil der Waldfläche noch übersät sei, die schnelle Ausbreitung der Käfer. Diese besiedelten vor allem Bäume, die älter als 50 Jahre sind.

Zu erkennen sei der Borkenkäferbefall für Waldbesitzer und -besucher durch herabrieselnde Nadeln von den Bäumen. Außerdem lagere sich mit der Zeit braunes Bohrmehl auf allen Rindenschuppen und Ästchen sowie den Wurzelanläufen am unteren Baumstamm ab. Ein weiteres Anzeichen für den Käferbefall seien Spechte, die die Bäume aufgeregt von der Krone bis zur Wurzel beklopfen, veranschaulicht Göthel.

Befalle der Buchdrucker eine geschwächte Fichte, bohre sich zunächst ein Männchen in die Rinde und fresse eine Kammer, in der die Paarung mit zwei bis vier Weibchen erfolgt. Anschließend fressen diese je einen Muttergang senkrecht nach oben oder unten in die Rinde, beschreibt der Revierförster. Kurze Zeit später beginnen aus den gelegten Eiern Larven zu schlüpfen, die dann waagerechte Gänge in die Rinde fressen. Dabei werde die Rindenschicht, die der Baum zum Wasser- und Nährstofftransport nutzt, völlig zerfressen und zerstört. "Im Ergebnis wird die Fichte sterben", sagt Göthel. Aus einem Weibchen würden nach acht bis zwölf Wochen etwa 900 Käfer. Das bedeute, dass aus 5000 Käfern, die allein in einer Fichte ausschlüpfen, 4,5 Millionen werden. Und befallen seien Hunderte Bäume in den Chemnitzer Wäldern.

Damit sich die Borkenkäfer nicht immer weiter ausbreiten, müssen alle befallenen Bäume daher unverzüglich gefällt und abtransportiert oder entrindet und die Rinde vernichtet oder mit einem Insektizid behandelt werden, um ein Ausschlüpfen der Käfer zu verhindern. Die zu fällenden Bäume werden von den Förstern farbig markiert, bevor Waldarbeiter mit Kettensägen und schweren Maschinen anrücken und die Wälder für Besucher gesperrt werden müssen. Das Holz der durch Käfer geschädigten Bäume sei zwar nach wie vor verwendbar, erklärt Göthel. Durch die großen anfallenden Mengen erzielten die Waldbesitzer aber schlechtere Verkaufspreise.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst spricht insgesamt von den größten Schäden durch Borkenkäfer seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Schwerpunkte des Befalls lägen im Hügelland im Vorfeld der Mittelgebirge und im Leipziger Land. Im Forstbezirk Chemnitz seien etwa 50.000 Kubikmeter Holz betroffen, etwa die Hälfte davon im Landeswald. Gerechnet werde mit Mindererlösen durch entwertetes Holz sowie erhöhte Aufarbeitungskosten, die zusammen etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte der sonst üblichen Preise ausmachen. Zudem werde der planmäßige Umbau zu struktur- und artenreichen Mischwäldern um Jahre verzögert. (mit hfn)

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