Brückensperrung verärgert Familien

In Kändler will die Stadt eine Querung des Pleißenbaches abreißen, die nicht nur von Schulkindern genutzt wird. Die Resonanz auf eine Protestaktion von Betroffenen ist groß.

Kändler.

Den Schulweg von Nils Glaßmann könnte man fast als idyllisch bezeichnen. Der Siebenjährige, der an der Kirchstraße in Kändler wohnt, muss nur zweimal um die Ecke biegen, dann befindet er sich in einer Kleingartenanlage. Nach wenigen Minuten erreicht er das grüne Tal des Pleißenbachs, läuft über eine Holzbrücke und gelangt so zum Hortgelände. Dann überquert der Erstklässler an der Ampel die Hauptstraße - und steht vor der Schule.

Doch als Nils vor wenigen Wochen denselben Weg nach Hause gehen wollte, kam er nicht weit. An der Holzbrücke war Schluss, weil diese mit einem Metallgitter abgesperrt war. "Ich bin zurück zum Hort gelaufen und wurde von meinem Papa abgeholt", erzählt der Junge. Seitdem muss er einen nicht nur weniger idyllischeren, sondern auch gefährlicheren Weg nehmen. Dieser führt über die Bachgasse und die Hauptstraße. Gegenüber der Grundschule ist der Fußweg an der Ortsdurchfahrt teilweise nur knapp einen Meter breit. "Wenn Mülltonnen dort stehen, ist es noch weniger", sagt Nils' Mutter Alice Glaßmann.

Sie hat deshalb entschieden, dass Nils vorerst nur noch nachmittags zu Fuß nach Hause geht. Morgens wird er nun von seinen Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. "Um halb acht ist es derzeit ja noch dunkel", erklärt die Mutter. Falls Nils mit Freunden auf dem engen Fußweg Faxen mache, könne es schnell gefährlich werden. Denn im Berufsverkehr sei die Hauptstraße stark befahren, sagt Alice Glaßmann. Sie weist auch darauf hin, dass vor der Grundschule Kändler Tempo 50 gilt. Die zulässige Geschwindigkeit dort ist bislang nicht auf 30 Kilometer pro Stunde herabgesetzt worden, wie es vor anderen Kitas und Schulen in der Stadt geschehen ist.

Alice Glaßmann hat einiges unternommen, um gegen die Sperrung der Brücke zu protestieren. Sie hat gemeinsam mit Bianca Wegener, deren Sohn Moritz ebenfalls betroffen ist, und Ines Kreßner vom Copy-Shop Kändler eine Unterschriftenaktion gestartet und in zahlreichen Geschäften im Ortsteil Listen ausgelegt. "Alle, mit denen ich gesprochen habe, haben sofort mitgemacht", berichtet die 37-Jährige. Die Resonanz auf die Aktion sei groß, heißt es aus dem Copy-Shop. Nach den Angaben der Initiatoren sind insgesamt mehrere Hundert Unterschriften zusammengekommen. Glaßmann führt das darauf zurück, dass die Brücke nicht nur für Schulkinder eine beliebte Abkürzung darstelle, sondern auch für Hundehalter bei Spaziergängen und für die Beschäftigten des Hortes - sie müssen mit den Kindern nun einen Umweg in Kauf nehmen, wenn sie zum Rodelhang wollen.

In den nächsten Tagen will Glaßmann die Unterschriften ans Rathaus schicken. Schon zuvor hat die Mutter das Thema bei der Bürgerversammlung in Kändler angesprochen und gefragt, warum die Brücke gesperrt wurde. Der stellvertretende Ortsvorsteher Werner Brodhagen erinnerte daran, dass die einfache Holzkonstruktion in den 1990er-Jahren errichtet worden sei. "Das Geländer ist kaputt." Wer sich vor Ort ein Bild verschafft, stellt fest, dass einige Pfähle des Geländers morsch sind, während die Brücke selbst noch einen soliden Eindruck macht. Trotzdem muss sie nach Angaben von Oberbürgermeister Jesko Vogel voraussichtlich abgerissen werden. "Sie hat keine wasserrechtliche Genehmigung", erläutert er. Das bedeutet, dass die zuständige Behörde im Landratsamt nicht geprüft hat, ob von der Brücke beispielsweise im Fall von Hochwasser eine Gefahr ausgeht. Ein Neubau sei derzeit nicht geplant, weil laut dem OB wegen der gesetzlichen Vorgaben Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. Das letzte Wort sei aber nicht gesprochen. "Ich schaue mir die Brücke selbst an", kündigt Vogel an. Dann werde er über das weitere Vorgehen entscheiden.

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