Bürgermeister will Saal im Gasthof sperren lassen

Weil Brandschutzauflagen seit Jahren nicht erfüllt werden, droht der "Linde" die Schließung. Wegen der Coronakrise steht der Umbau infrage.

Mühlau.

Ab Donnerstag soll das obere Geschoss des Landgasthofes "Linde" in Mühlau für den Personenverkehr gesperrt werden. Bürgermeister Frank Petermann (Alternative für Mühlau) begründet den Schritt mit Brandschutzmängeln. "Bei einem Brand können wir die Sicherheit in den oberen Stockwerken nicht gewährleisten", fügt er hinzu. Auf der Etage befinden sich der Saal und Räume, die von Vereinen genutzt werden.

Laut Petermann liegt seit 2014 ein Brandschutzkonzept mit über 70 Auflagen vor. Doch wegen fehlender finanzieller Mittel seien die Mängel noch nicht beseitigt worden. Im Oktober 2018 sei die Gemeinde nochmals durch das Bauordnungsamt des Landkreises aufgefordert worden, die Auflagen umzusetzen. Die Gemeinde habe sich danach um Fördermittel bemüht, aber eine Absage erhalten, weil keine Baugenehmigung vorgelegen habe, erläutert Petermann. Nachdem dies nachgeholt wurde, sei 2019 eine Förderung von 75 Prozent der Kosten bewilligt worden. Doch dann kam die Coronakrise. Zwar beschlossen die Gemeinderäte im April einen Haushalt für 2020 - allerdings wurde die Investition für den Gasthof zurückgestellt. Die Mehrzahl der Gemeinderäte begründete dies mit der Ungewissheit über die Auswirkungen der Pandemie. In der jüngsten Ausschusssitzung war der Auftrag zur Planung der Umbauarbeiten von der Tagesordnung genommen worden - auf lange Sicht. "Ich bin im Zwiespalt", sagt Petermann. Es könne gebaut werden, es gebe Fördermittel. Aber der Gemeinderat stimme dem nicht zu.

In einem Brief an die Mühlauer Vereine hatte er darüber informiert, wie trotz der Finanzknappheit gebaut werden kann. So sei das Bauamt im Burgstädter Rathaus beauftragt worden, ein Konzept zu erarbeiten, wie die Gaststätte weiterbetrieben und der Zugang zum Obergeschoss gewährleistet werden könne. Petermann schätzt die Kosten auf 20.000 Euro. Für die Sitzung des Technischen Ausschusses am 24. Juni und des Gemeinderates am 8. Juli sollen dafür Beschlüsse vorbereitet werden. Damit solle der Weiterbetrieb der Gaststätte und der Zugang zum Obergeschoss mit einer begrenzten Personenzahl gesichert werden. Das Bauamt in Burgstädt bestätigt auf Nachfrage, dass es dazu eine Prüfung gibt. Details könnten noch nicht genannt werden. Außerdem befürchtet Petermann, dass aufgrund fehlender Standsicherheit auch bald die Kegelbahn gesperrt wird.

Petermanns Ankündigung hat sich im sozialen Netzwerk Facebook schnell verbreitet. In knapp 90 Kommentaren wird über die Sinnhaftigkeit gestritten und darüber, wie die Sperrung verhindert werden kann. In der Facebook-Diskussion wird gefragt, wo bei einer Sperrung die Singgemeinschaft proben soll, die traditionelle Mineralienbörse und auch die Schulanfangsfeier stattfinden sollen. So kritisiert Mario Windrich, Gemeinderat der Mühlauer Vereine, die Vorgehensweise des Bürgermeisters. "Die Schließung ist keine Lösung", sagt er. Aber trotz drohender Steuerausfälle sei es notwendig, dass die wichtigsten Brandschutzauflagen erfüllt werden; der Einbau eines Fahrstuhls und die Sanierung der Kegelbahn könnten später erfolgen, fügt er hinzu. Über einen derartigen Beschlussvorschlag wolle der Gemeinderat zur Sitzung am Mittwoch diskutieren.

Der Gemeinderat tagt am Mittwoch ab 19 Uhr im Landgasthof "Linde" in Mühlau, Untere Hauptstraße 13. Wegen der Coronakrise gibt es Abstands- und Hygieneregeln.

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