Bürokratie verärgert Helfer bedrohter Frauen

Elf Unterkünfte stehen im Landkreis für Frauen zum Schutz vor Gewalt bereit, und die sind fast ununterbrochen belegt. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.

Zwickau.

Etwa 50 Frauen im Jahr sind es im SOS-Mütterzentrum in Zwickau, die Schutz suchen, weil sie vor Gewalt fliehen und nicht mehr wissen, wohin sie sich wenden können. Frauen, die oft auch Kinder in Sicherheit bringen müssen.

SOS und der Verein Wildwasser Zwickau sind die beiden einzigen Einrichtungen im Landkreis, die Schutzwohnungen für solche Fälle anbieten. Zimmer, in denen Menschen, die vor häuslicher Gewalt fliehen, einen Unterschlupf finden. Zimmer, die nahezu jeden Tag im Jahr belegt sind. Während SOS für das Stadtgebiet Zwickau zuständig ist, nimmt sich Wildwasser der Frauen aus dem Umland an. Bis vor kurzem hat der 1994 gegründete Verein auch Frauen aus dem Erzgebirge betreut. Zudem ist er Ansprechpartner, wenn die Polizei bei einem Einsatz eine Frau von häuslicher Gewalt bedroht sieht.

Wo sich die Wohnungen befinden, ist geheim. Nur so können Frauen und Kinder vor übergriffigen Menschen geschützt werden. Denn verlassene Männer, davon berichten die Sozialpädagoginnen von SOS, geben in der Regel nicht sofort klein bei. Dies ist auch der Grund, warum sie selbst ihren Namen nicht nennen möchten. Zu viel haben sie schon erlebt. Dabei ist einiges in den 20 Jahren, die sie ihre Arbeit bei SOS schon machen, gleich geblieben: der ungebrochene Bedarf an jeder einzelnen Wohnung etwa, die Ahnung, dass die Dunkelziffer viel höher liegt, aber auch die Tatsache, dass Frauen allen Alters Hilfe suchen - von 18 Jahren bis zum Rentenalter.

Was sich jedoch drastisch geändert hat, das ist der Aufwand, den die Helferinnen betreiben müssen. "Ich habe diese Woche für einen Fall wieder zwei Stunden im Jobcenter herumgesessen", berichtet eine Sozialpädagogin. "Das ist teuer bezahlte, aber vertane Arbeitszeit." Der Gang zu Behörden mache einen Großteil der Ersthilfe aus: Bedarfsgemeinschaften müssen getrennt werden, eine neue Wohnung gefunden - es gibt sehr viel zu regeln. Das Problem: "Die Behörden sind untereinander schlecht vernetzt." Schlimmer noch: Eine Helferin berichtet, dass sie beispielsweise im Jobcenter immer wieder anderen Bearbeitern gegenübersitze. Dann müsse sie jedes Mal aufs Neue die Besonderheiten des Frauenschutzes schildern und erlebe dann, dass Angestellte einer Behörde keinen Zugriff auf alle Teilbereiche haben. "Das liegt nicht an den Menschen, die dort arbeiten. Das ist ein Fehler im System." Der sorge dafür, dass die vom Freistaat vorgegebenen drei Monate, die Frauen in Schutzwohnungen verbringen sollten, in der Regel überschritten werden. "Mehr Wohnungen oder mehr Angestellte würden uns nicht helfen. Die Vorgänge müssen vereinfacht werden", sind sich die Sozialarbeiterinnen einig.

Der Ansatz, den Start in ein selbstständiges Leben zu ermöglichen, funktioniert kaum, wenn Frauen aus arabischen Staaten Schutz suchen. "Sie sind anders sozialisiert. Während bei uns die Erziehung auf Selbstständigkeit ausgerichtet ist, steht dort die Gemeinschaft im Vordergrund." Die Entlassung in ein Leben, das Frau und Kinder allein führen, sei kaum denkbar. "Dafür müssen die Frauenhäuser neue Wege gehen. Für solche Fälle haben wir nicht das richtige Handwerkszeug."


Opfer von Beziehungstaten

Häufiger als jeden dritten Tag wird

in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)erklärt. Für 2018 hat die Zeitung "Die Zeit" zu derartigen Fällen recherchiert. Dazu gehört auch ein Fall, der sich in Culitzsch bei Wilkau-Haßlau zugetragen hat. Dort starb eine Frau bei einem Brand an einer Rauchgasvergiftung. Das Feuer hatte ihr Mann gelegt, der sich daraufhin selbst das Leben nahm.

Das gewaltsame Ende einer schwierigen Liebesbeziehung wurde in diesem Jahr am Zwickauer Landgericht verhandelt. Das Gericht verurteilte einen Mann zu acht Jahren Haft. Es sah es als erwiesen an, dass er in einem

Sozialwohnhaus in Zwickau seine

Lebenspartnerin erwürgt hat. Zeugen hatten das Paar während des

Prozesses als äußerst streitsüchtig beschrieben. (sth)

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