Bunte Holzfiguren sollen Raser in Claußnitz ausbremsen

Vor den meisten Kindereinrichtungen muss die Geschwindigkeit gedrosselt werden. Doch halten sich nicht alle ans Tempolimit. Das soll sich ändern.

Claußnitz.

Informatiker Sebastian Hendygk ist auf eine ungewöhnliche Aktion im Internet aufmerksam geworden: Holzkinder sollen Autofahrer an das Tempolimit erinnern. "Vor unserer Haustür gilt zwar Tempo 30, aber es wird gerast", sagt der Familienvater. Deshalb kaufte er zwei Holzkinder zum Preis von je 20 Euro, seine beiden Jungs malten die Figuren bunt an. Dann stellte er sie an der Ortsdurchfahrt von Röllingshain auf.

Doch in Claußnitz gibt es noch viel mehr Straßen, wo die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde gilt - oftmals auch über mehrere Kilometer. "Vor allem bei Kindereinrichtungen ist es wichtig, dass das Tempolimit eingehalten wird", sagt Mario Lorenz vom Förderverein der Grundschule. Seit Jahren setze er sich für einen sicheren Schulweg ein. Auch im Gemeinderat sei das Thema mehrfach angesprochen worden, sagt der SPD-Gemeinderat. Er sei begeistert gewesen, als er von der Initiative des Röllingshainers erfahren habe. Und Sebastian Hendygk stieß auch in der Grundschule und im Hort auf offene Ohren. "Wir fanden die Idee klasse", sagt Hortleiterin Ina Müller. Deshalb haben Kinder der Einrichtung zwei Figuren erhalten, die sie angemalt haben. Seit einigen Tagen steht Holzfigur Claußine am Hohlweg. Eine zweite Figur soll an der Chemnitzer Straße aufgestellt werden. Ina Müller und ihre Kollegen beobachten regelmäßig, wie Autos an der Schule "vorbeibrettern". Besonders im Berufsverkehr gegen 7 Uhr sei zu sehen, wie sich Autofahrer nicht ans vorgeschriebene Tempo halten. Viele Claußnitzer würden den Hohlweg entlang zur Chemnitzer Straße in Richtung Chemnitz zur Arbeit fahren, so Müller. Auch Landwirtschaftsfahrzeuge kämen viel zu schnell entlang, ergänzt sie.

Nach Meinung der Eltern gibt es vermutlich verschiedene Gründe, warum die Geschwindigkeit nicht eingehalten wird: Übersehen der Verkehrszeichen, Unglaube über die Länge der Tempo-30-Zone oder einfaches Missachten der Regelung. Neben der Sicherheit für Kinder sprechen Anwohner Beschädigungen an Grundstücken, welche an die Straßen angrenzen, angefahrene Zaunsäulen und Brückengeländer an. "Die Kinder sollen so erzogen werden, dass sie sich eigenständig im Straßenverkehr bewegen können", sagt Hendygk. Das werde jedoch durch die Raserei auf engen Straßen, die häufig keinen Fußweg haben, erschwert, ergänzt er.

"Jammern hilft nichts, Eigeninitative ist uns wichtig", sagt Mario Lorenz, deren Kinder auch Kita und Schule besuchen. Sebastian Hendygk und weitere Eltern wollen deshalb noch mehr Claußnitzer für das Problem sensibilisieren. "Die Idee soll Schule machen, wir suchen weitere Mitstreiter", sagt der 40-Jährige. Jeder könne so eine Figur im Internet bestellen und dann an brisanten Ecken aufstellen.

Auch in der Gemeindeverwaltung ist das Problem der Raserei bekannt. So hatte Bürgermeister Günter Hermsdorf (CDU) bereits im Frühjahr vorgeschlagen, mobile Messgeräte anzuschaffen. Dafür müsste die Gemeinde für sogenannte Smiley-Geräte rund 3000 Euro ausgeben. Leihweise wurde ein solches Gerät in Röllingshain getestet. Geprüft wird, ob ein Messgerät nach dem Vorbild der Nachbargemeinde Lichtenau nächstes Jahr gekauft wird. Erfahrungen zeigten, dass Fahrer abbremsen, nachdem sie ihre Geschwindigkeit auf dem Display gesehen haben, sagt Hermsdorf. Außerdem erinnern lachende oder traurige Smileys die Autofahrer an das Tempolimit. Der Nachbarort Lichtenau hat deshalb beschlossen, den Bestand von fünf mobilen Tempomessanlagen zu erweitern. In der Gemeinde erhofft man sich zudem von den aufgezeichneten Daten Hinweise, wo sich Temposünden häufen.

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