Burgstädter Region noch von Regenwassergebühr verschont

Eigentlich dürfen seit 2010 Niederschläge nicht mit Schmutzwasser vermischt werden. Trennsysteme sind notwendig. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Burgstädt - Noch keine Gebühren: Bürger, die in Burgstädt, Claußnitz, Taura und Hartmannsdorf wohnen, brauchen noch keine Regenwassergebühr bezahlen. Der Abwasserzweckverband AZV verzichtet bisher darauf, sagt Geschäftsführer Frank Kaiser. Wann eine Änderung vorgesehen ist, könne er nicht sagen. Die Verbandsversammlung entscheide. Seit dem neuen Wasserhaushaltsgesetz darf Regenwasser in Deutschland seit 2010 vom Grundsatz her nicht mehr mit Schmutzwasser vermischt werden. Seitdem werden Trennsysteme gebaut. Wer weiterhin sein Regenwasser in den kommunalen Kanal leitet, der muss nach Quadratmetern versiegelter Fläche Gebühren bezahlen oder ein eigenes System entwickeln. Das Kommunalabgabengesetz erfordert eine Unterteilung der Gebühr nach Schmutz- und Regenwasser.

Lichtenau - Entscheidung im Sommer: Die Verbandsversammlung des Wasser- und Abwasserzweckverbandes ZWA soll im August entscheiden, ob ab 2019 auch in ihrem Gebiet die Einleitung des Regenwassers ins öffentliche Kanalnetz getrennt vom Schmutzwasser berechnet wird. Bisher wird eine einheitliche Mischgebühr erhoben.


Zuständig ist der in Hainichen ansässige ZWA für die Abwasserentsorgung in Teilen von Mittelsachsen und dem Erzgebirge, in denen mehr als 120.000 Menschen leben. Zum Abwassergebiet gehört auch die Gemeinde Lichtenau. ZWA-Verbandschef Thomas Eulenberger erwartet, dass Verbraucher gegen die Regenwassergebühr protestieren werden. Denn die könnte eine steigende Belastung für Grundstückseigentümer darstellen, die über große versiegelte Flächen verfügen. Dazu zählen zum Beispiel Unternehmen mit betonierten Stellplatzflächen für Fahrzeuge. Doch Erfahrungen anderer Entsorger zeigen: Kunden können Einfluss auf die Gebührenbelastung nehmen und im Vergleich zur derzeitigen Mischgebühr womöglich sparen.

Mühlau - Regenwassergebühr seit 2016: In Mühlau wird die Abwasserentsorgung selbst betreut und liegt nicht in Verantwortung eines Zweckverbandes. Jährlich bezahlte die Gemeinde bis Ende 2015 110.000 Euro an Regenwasser-Abgaben aus der Gemeindekasse. Das waren 28 Cent pro Quadratmeter. Mit der neuen Gebührensatzung müssen Grundstücksbesitzer daran beteiligt werden. Die Regenwassergebühr beträgt 27 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche.

Freiberg - Bürger können entscheiden: Beim Freiberger Abwasserbetrieb (FAB) ist die Regen- oder Niederschlagswassergebühr 2006 eingeführt worden. Aktuell liegt der Gebührensatz bei 79 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche im Jahr. FAB-Betriebsleiter Uwe Graner: "Es soll so bei der Abrechnung gerechter zugehen." Denn bei einer Mischgebühr zahle der Kunde, der fast nur Schmutzwasser in die Kanalisation einleitet, für die Entsorgung von großen Mengen von Niederschlagswasser etwa von Betrieben mit. "Für den normalen Bürger wirkt sich das eher positiv aus, wenn er nicht mehr für große versiegelte Flächen wie bei Baumärkten oder Speditionen mit bezahlen muss." Und: Im Gegensatz zum Schmutzwasser gibt es für das Niederschlagswasser keinen Anschlusszwang ans Kanalnetz. So könnten Kunden Regenwasser auf ihrem Grundstück versickern lassen oder in einer Zisterne mit Überlauf zur Versickerung sammeln.

Roßwein - Große Flächen, hohe Kosten: Ein separates Niederschlagswasserentgelt wurde bei der in Roßwein ansässigen Firma Abwasserentsorgung 2008 eingeführt. Laut Geschäftsführer Frank Lessig seien die Gebührensätze nicht gestiegen. "Für Grundstücke, die kein Regenwasser einleiten, ergibt sich eine Entlastung, da die Schmutzwassergebühr um den Anteil der Regenwasserkosten entlastet wurde." Für Grundstücke mit großen, befestigten Flächen könnten sich jedoch die Kosten um ein Vielfaches erhöhen. "So sind besonders Supermärkte mit großen Dach- und Parkflächen betroffen."

Waldheim - Regeln für Gebührenbefreiung: Beim AZV in Waldheim wurde die gesplittete Gebühr im Jahr 2009 eingeführt. Die Gebühr für Schmutzwasser ist damals im Vergleich zur vorherigen Mischgebühr von 3,49 auf 2,79 Euro pro Kubikmeter gesunken. Dafür kamen anfangs 55Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche dazu. "Somit sind die Gebührensätze zum Beispiel für große Gewerbebetriebe gestiegen - Kosten, die vorher die Allgemeinheit getragen hatte", so AZV-Geschäftsführerin Ina Wagner.

Grimma - Kein Anschlusszwang für Regenwasser: Der Versorgungsverband Grimma-Geithain erhebt seit Juni 2003 Niederschlagswassergebühren. Geschäftsführer Lutz Kunath verweist darauf, dass es für Niederschlagswasser keinen Anschlusszwang an öffentliche Kanäle gibt. Das bedeutet: Wer sein Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern lässt oder in Gewässer ableitet, kann Kosten sparen. (mit jl)

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