Busbetrieb gibt falsche Auskunft - Mutter und Tochter laufen umsonst

Mit Kleinkind und Gepäck wollte eine Frau von Kemtau nach Chemnitz fahren. Doch dann rief sie die Telefonnummer an, die an der Haltestelle stand.

Kemtau.

Eigentlich sollte es nur ein kleiner Spaziergang von wenigen Minuten vom Wochenendhäuschen in Kemtau bis zur Bushaltestelle im Burkhardtsdorfer Ortsteil werden. An der Haltestelle Kemtau, B180 an der Ortsdurchfahrt wollte Birgit Heller* mit ihrer drei Jahre alten Tochter am Montag vor einer Woche um 10.28 Uhr in den Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) der Linie 524 von Burkhardtsdorf nach Chemnitz steigen, um von dort weiter nach Halle zu fahren. Die Busse des SEV ersetzen seit vergangenem Jahr die Züge der Erzgebirgsbahn auf der Strecke Chemnitz-Aue, die durch Kemtau führt. Sie fahren stündlich. Die Route ist wegen bevorstehender Bauarbeiten gesperrt, weil ab nächstem Jahr Straßenbahnen auf den Gleisen fahren sollen.

Doch auf den Bus warteten Birgit Heller und ihr Kind in glühender Hitze vergeblich. Dabei hatte sich die Mutter auf die Reise vorbereitet und den Fahrplan nicht nur online abgefragt, sondern auch auf ihr Handy heruntergeladen. Und auch auf dem Abfahrtsplan an der Haltestelle in Kemtau standen die Fahrzeiten des Schienenersatzverkehrs. Als der Bus nicht kam, rief die Frau nach etwas mehr als einer halben Stunde die Telefonnummer an, die sie an der Haltestelle gefunden hatte. Sie landete beim Verkehrsunternehmen Regionalverkehr Erzgebirge (RVE), das für den Linienverkehr im Erzgebirgskreis zuständig ist. Eine Auszubildende teilte der Frau mit, dass in Kemtau kein Schienenersatzverkehr fährt und nur am Abend ein regulärer Bus käme. Auf die Nachfrage, warum diese Auskunft nicht an der Haltestelle steht, erhielt die Frau keine Antwort.


Warten bis zum Abend war keine Option für die kleine Familie. Da sich Birgit Heller in der Region etwas auskennt, lief sie mit ihrer Tochter zu Fuß nach Burkhardtsdorf, um dort den Linienbus nach Chemnitz zu nehmen. Doch obwohl beide nur eine halbe Stunde unterwegs waren, hat sie keine gute Erinnerung an die Odyssee. "Das war ein Gewaltmarsch bei der Schwüle. Das ist ja auch gefährlich." Mit zwei Stunden Verspätung kamen sie am Hauptbahnhof an. Doch auch dort warteten Hindernisse. Da momentan wegen der Bauarbeiten am Eisenbahnviadukt über der Blankenauer Straße vom Hauptbahnhof aus keine Züge direkt nach Leipzig fahren und an diesem Tag wegen eines Zugbrandes zudem mehrere Fahrten ausgefallen waren, fuhren Birgit Heller und ihre Tochter mit dem Zug nach Zwickau und von dort nach Halle. Gegen 15.30 Uhr und damit viel später als geplant, waren sie am Ziel.

Doch was lief nun schief im Nahverkehr im Erzgebirge? Verantwortlich für den Schienenersatzverkehr ist der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS). In dessen Auftrag wird die Linie 524 vom Regionalverkehr Westsachsen (RVW) befahren, teilt ein VMS-Sprecher mit. Laut RVW sei es an dem Tag zu keinen Busausfällen gekommen. Sowohl aus den Fahrtenprotokollen als auch aus dem Fahrtenschreiber gehe hervor, dass insbesondere der Bus, der laut Fahrplan um 10.28 Uhr an der Haltestelle Kemtau, B 180 sein sollte, die Station auch pünktlich angefahren ist, erklärt der Sprecher.

Die Information am Telefon, dass erst am Abend wieder ein Bus durch Kemtau fahre, sei nicht zutreffend gewesen, so der VMS-Sprecher. Der Regionalverkehr Erzgebirge erklärt die Falschinformation mit einer Verwechslung. Der Schienenersatzverkehr der Bahnlinie Chemnitz-Aue ist auf zwei Buslinien aufgeteilt. Die Linie 524 wird durch das westsächsische Verkehrsunternehmen RVW bedient, die zweite Ersatzverkehr-Linie 361 fährt von Aue nach Chemnitz und wird vom RVE betrieben. "Auf dieser Strecke ist die Haltestelle Kemtau nicht ausgewiesen", so eine RVE-Sprecherin. Die Auszubildende am Telefon habe die Linie 361 mit der Linie 524 verwechselt, da sie während des Anrufs die Linien geprüft habe, die durch den RVE bedient werden, so die Sprecherin. Für den Fehler habe man sich bei der Familie entschuldigt.

Birgit Heller versteht das nicht. Sie sei pünktlich an der Haltestelle gewesen, habe den Bus also auch nicht verpassen können. "Da steht nun Aussage gegen Aussage", sagt sie. Und hätte sie die richtige Auskunft erhalten, dass in Kemtau stündlich ein Bus abfährt, wäre sie auch nicht losgelaufen. Dennoch will sie auch in Zukunft mit Bus und Bahn fahren. "Ich bin überzeugte Umweltschützerin und habe kein Auto", sagt sie. Allerdings sei der Schienenersatzverkehr mit einem kleinen Kind und Gepäck "fast nicht machbar".

*Name von der Redaktion geändert.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    Martin43
    05.08.2019

    Hallo, ja das ist doch mal wieder sehr interessant, ähnliches ist mir auch des öfteren mit dem RVE passiert und es hagelt auch nur ausreden und Ablehnung bis hin zur Diskriminierung! Und genau so sollte es alles von der Freien Presse immer wieder und noch vieles anderes berichtet werden und auch sehr genau wie ich sage die Namen von der Redaktion geändert werden so sollte es richtig kaufen das ist Demokratie für Bürger zur information

  • 5
    5
    516315
    05.08.2019

    Ich vertraue eher einen Fahrtenschreiber und den Fahrtenprotokollen des Unternehmens. Der Busfahrer wird diese wohl kaum manipulieren (können).



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