CDU verliert vier Wahlkreise an Konkurrenten

Die Kräfteverhältnisse im Zwickauer Kreistag haben sich verschoben. Das Ergebnis im Limbacher Wahlkreis weicht von den meisten anderen ab.

Zwickau/Limbach-O..

Das Kräfteverhältnis im Zwickauer Kreistag ist nicht mehr so eindeutig wie bisher. Zwar wurde die CDU mit 29,7 Prozent der Wählerstimmen (30 Sitze) erneut stärkste Fraktion, büßte jedoch 10,1 Prozentpunkte (zehn Sitze) ein. Erstmals verlor die Partei mehr als einen Wahlkreis. In Limbach-Oberfrohna/Niederfrohna haben die Freien Wähler mit 37,5 zu 22,7 Prozent die Nase deutlich vor der CDU. Auch in Reinsdorf/Mülsen konnten sich die Freien Wähler durchsetzen. In zwei Zwickauer Wahlkreisen liegt wiederum die AfD an der Spitze. "Ich habe mit dem Rückgang gerechnet", sagte CDU-Fraktionschef Michael Luther. Die Ursachen sieht er vor allem in der bundesweiten politischen Entwicklung. "Der aktuelle AfD-Trend lässt sich auch mit guter Leistung nicht aufhalten", sagte Luther. Man müsse aber die Protestwahl der Menschen ernst nehmen. Im neuen Kreistag werde es künftig schwerer, Mehrheiten zu bilden.

Dass ohne sie keine wichtige Entscheidung im Kreistag mehr getroffen werden kann, davon geht man auch bei der AfD aus. Die Partei holte 19,7 Prozent und wurde zweitstärkste Kraft mit 19 Kreisräten. Sven Itzek sieht im Erfolg der Partei ein "massives Versagen der aktuell politisch Verantwortlichen". "Die Wähler sehen in uns eine Chance auf Veränderungen." Nach Itzeks Angaben werde die AfD im Kreistag nicht blockieren. "Vernünftige Entscheidungen werden wir mittragen", sagte er.


Die Freien Wähler konnten 15 Prozent der Wähler (plus 3,5 Prozentpunkte) von sich überzeugen und freuen sich über den erstmaligen Sieg in den zwei genannten Wahlkreisen. Nach Ansicht des Fraktionsvorsitzenden Steffen Ludwig wird so die Basis für die Arbeit im Kreistag gefestigt. Die Freien Wähler werden künftig 15 Sitze einnehmen.

Die Linke brachte es auf 14,4 Prozent und verlor damit 5,2 Prozentpunkte. Sie wird mit 14Sitzen vertreten sein. Für Fraktionschef Jürgen Blume aus Limbach-Oberfrohna ist das Abschneiden enttäuschend. "Wir hatten uns ein besseres Ergebnis erhofft", sagte er. Einen Grund sieht er im massiven Wahlkampf der AfD. "Der hat uns Stimmen gekostet", sagte er. Über Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen soll später nachgedacht werden.

Auch die SPD musste Stimmenanteile abgeben und erreichte 7,2Prozent (7 Sitze). "Es ist schon enttäuschend", sagte der Landtagsabgeordnete und Kreisrat Mario Pecher. Er sieht eine Mitschuld der Bundespartei. "Seit den Problemen mit der Schulz-Kandidatur fehlt der Partei die richtige Linie", sagte er. Ob die Sozialdemokraten ihre gemeinsame Fraktion mit den Grünen fortsetzen, dazu wollte sich Pecher nicht äußern. "Dazu ist es derzeit noch zu früh." Die Grünen konnten zulegen und kamen auf 6,2 Prozent. Mit sechs Sitzen könnten sie eine eigene Fraktion gründen. Leicht verbessert hat sich auch die FDP mit 6,1 Prozent (sechs Sitze). Die NPD fällt dagegen mit ihren 1,1 Prozent von vier auf einen Sitz. Der Aufbruch deutscher Patrioten um den Ex-AfD-Bundestagskandidaten Benjamin Przybylla, den rechten Youtuber Torsten Graßlaub und Mario Pechers Mutter Waltraud bleibt sogar ganz draußen.

Die Namen der neuen 98 Kreisräte hat das Landratsamt noch nicht veröffentlicht, obwohl andere Kreisverwaltungen wie diejenige in Mittelsachsen dies schon am Montagvormittag taten. Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl in Zwickau lag bei 59,9Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 45,9Prozent gewesen. (mit jop)

Wahlergebnisse der Kreistagswahl
Wahlergebnisse der Ortschaftsratswahl
Wahlergebnisse der Stadt- und Gemeinderatswahl
alles zur Europawahl

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...