CFC: Neuer Geschäftsführer, neue Ideen und viele Baustellen

Unternehmer folgt auf Sobotzik - Schnelles Ende der Insolvenz ein Ziel - Trainersuche dauert länger

Chemnitz.

Der Erzgebirger Uwe Hildebrand übernimmt vorerst die Geschäftsführung des Fußball-Drittligisten, der ohne Trainer und Vereinsgremien dasteht. Die "Freie Presse" erklärt, was er vorhat und vor welchen Problemen er steht.

Wie ist die Situation beim Chemnitzer FC?

In der vergangenen Woche hatten sowohl Cheftrainer David Bergner als auch Geschäftsführer Thomas Sobotzik ihren Rücktritt erklärt. Sobotzik begründete diesen Schritt am Mittwoch mit Anfeindungen und Bedrohungen aus der Fanszene heraus. Bergner führte ebenfalls die Bedingungen im Umfeld an. Der Verein ist zudem handlungsunfähig. Seit der gescheiterten Wahl bei der Mitgliederversammlung im August verfügt er weder über einen Aufsichtsrat noch über einen Vorstand. Die Amtszeit eines vom Gericht eingesetzten Notvorstands ist abgelaufen. Sportlich steckt die Mannschaft außerdem mit drei Punkten aus sieben Spielen im Tabellenkeller fest.

Wer leitet nun die Geschäfte des Chemnitzer FC?

Seit Donnerstag ist der Olbernhauer Unternehmer Uwe Hildebrand neuer kommissarischer Geschäftsführer. Er werde den Posten ohne Vergütung ausüben und nur solange, bis die Gremien des Vereins neu besetzt sind, kündigte der 48-Jährige an. Hildebrand hat nach eigenen Angaben von 1983 bis 1987 in der Nachwuchsabteilung des FC Karl-Marx-Stadt gespielt. In Olbernhau hat er 15 Jahre eine Ladenbaufirma geleitet, sie 2016 gekauft und in diesem Jahr verkauft. Der Unternehmer hält als Gesellschafter Anteile an der CFC-GmbH.

Was sind seine Ziele?

Als seine wichtigste Aufgabe sieht er es, "Einheit zu schaffen zwischen Verein, Fans und Gesellschaftern". Das gehe nur über reden, sagt Hildebrand. Wichtig sei zudem, die Entscheidungsfähigkeit des Vereins wiederherzustellen. "Wir brauchen gewählte Gremien." Darüber hinaus formuliert er als eines seiner Ziele, die Insolvenz zügig zu beenden.

Wie könnte das funktionieren?

Ein möglicher Plan sieht den zügigen Verkauf der Anteile an der CFC-GmbH vor, die nicht im Besitz der Gesellschafter (11 Prozent) sind oder im Besitz des Vereins bleiben müssen (51 Prozent) - insgesamt also 38 Prozent. So könnten 380.000 Euro für die Insolvenzmasse eingenommen werden, die für die Auszahlung der Gläubiger verwendet werden könnten, erklärt Hildebrand. "Das werden wir Gesellschafter aber nicht allein schaffen", ergänzt er. Insolvenzverwalter Klaus Siemon ließ eine Frage, ob er diesen Plan für umsetzbar hält, unbeantwortet.

Wann wird es einen neuen Notvorstand geben, damit der Verein handlungsfähig wird?

Laut Amtsgericht kann sich die Berufung eines neuen Notvorstandes noch Wochen hinziehen. Grund seien juristische Fristen, die man beachten müsse. Insolvenzverwalter Siemon hatte zum Beispiel gegen die beiden Rechtspfleger, die sich beim Amtsgericht unter anderem um den CFC kümmern, Befangenheitsanträge gestellt. Mittlerweile hat das Gericht diese Anträge zwar abgelehnt, allerdings gilt jetzt eine zweiwöchige Frist, in der der Insolvenzverwalter Beschwerde einlegen kann - was die Neuberufung weiter verzögern würde. Ob er das tut, ist bislang noch offen.

Wie viele Anträge auf Neubesetzung des Notvorstandes gibt es?

Laut Amtsgericht sind es zwei - denjenigen des Insolvenzverwalters und einen weiteren von Annette Neuerburg, die bis Ende August Mitglied im Notvorstand gewesen ist. Eine Gerichtssprecherin widersprach damit Gerüchten, die CFC-Mitglieder hätten nach einem Aufruf im Internet dutzendfach eigene Namensvorschläge eingereicht, die die Rechtspfleger nun mühsam abarbeiten müssten. Allerdings ist der Antrag von Insolvenzverwalter Klaus Siemon mittlerweile auch veraltet: Neben Romy Polster und dem früheren Chemnitzer Oberstaatsanwalt Siegfried Rümmler hatte er auch Thomas Sobotzik für den Notvorstand vorgeschlagen, der nach seinem Rückzug nicht mehr zur Verfügung steht.

Wann wird der neue Cheftrainer vorgestellt?

Wohl erst in der kommenden Woche, sagt Geschäftsführer Hildebrand. "Wir wollen da keinen Schnellschuss. Dieser Trainer muss passen." Mit großer Wahrscheinlichkeit werde deswegen der bisherige Co-Trainer Sreto Ristic das Team bei der Auswärtspartie in Unterhaching am Montag betreuen. Um die Trainersuche kümmere sich eine kleine Gruppe aus Gesellschaftern und Chefscout Kevin Meinhardt.

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