Chemnitz: Die geteilte Stadt

Vor einem Jahr hat Chemnitz die schwärzesten Tage seiner jüngeren Geschichte erlebt. Nach der Tötung eines Mannes zogen tausende Demonstranten durch die Innenstadt, in der ersten Reihe Neonazis mit Hitlergruß. Das Chemnitz-Bild war geprägt. Wie geht es der Stadt heute? Ein Annäherungsversuch.

Chemnitz.

August 2019. Urlaubszeit. Der erste Tag am Ostseestrand. Und? Woher kommen Sie?

Aus Chemnitz.


Aha, Chemnitz! Im Tonfall schwingt Argwohn mit. Auf welcher Seite wird er stehen, der Urlauber aus Chemnitz?

Ortswechsel: Eine 21-Jährige aus Stuttgart schreibt sich an der Technischen Universität ein, um Psychologie zu studieren. Ihr Umfeld ist irritiert. Warum Chemnitz? Ausgerechnet!

Ortswechsel: Jugendclubabend in Sachsen-Anhalt. Ein 23-Jähriger wird sofort am Dialekt als Auswärtiger erkannt. Und? Woher? Geboren im Erzgebirge. Job in Chemnitz.

Sein Gegenüber scannt ihn mit den Augen ab und fragt: Bist du auch rechts?

Der Chemnitzer - er muss sich erklären, ganz gleich, ob er in der Stadt wohnt, schon immer oder auf Zeit, oder ob er hier arbeitet. Er muss sich zu dieser Stadt verhalten, seit vor einem Jahr Bilder gewaltbereiter Neonazis, den Hitlergruß skandierend, tagelang die Nachrichtenkanäle bestimmt haben. In der Nacht zum 26. August, am Stadtfestwochenende, ist bei einer Auseinandersetzung ein 35-Jähriger erstochen worden. Danach rufen rechte Gruppierungen zu Kundgebungen auf. Tausende folgen ihnen. Es kommt zu Ausschreitungen, die die Polizei überfordern.

Und auch die Stadt. Veranstaltungen werden abgesagt, darunter eine Musikparade, die gute Stimmung verbreiten sollte. Eine Debatte über die langfristige Strategie zur Stadtentwicklung wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Es wäre die falsche Zeit gewesen, über Visionen zu reden, wenn das Jetzt und Heute auseinanderzubrechen droht.

Stattdessen wird über die Bilder geredet, die wohl jahrelang, wenn nicht gar Jahrzehnte an der viertgrößten Stadt Ostdeutschlands kleben werden. Wer heute Rostock-Lichtenhagen hört, der hat einen rechten Mob und das brennende Asylheim vor Augen. Der Anschlag liegt 27 Jahre zurück. Chemnitzer Politiker und Unternehmer fürchten direkt nach den Ausschreitungen einen ebenso nachhaltigen Imageverlust, der sich bei der Suche nach Arbeitskräften, nach Geschäftspartnern, nach neuen Studenten auswirken könnte.

Nicht zufällig sind es der Industrieverein, Unternehmer und Wissenschaftler, die vier Tage nach den ersten Demonstrationen die Initiative "Chemnitz ist weder grau noch braun" ins Leben rufen. Sie sammeln eine halbe Million Euro Spenden, mit denen unter anderem eine Anzeigenkampagne in überregionalen Zeitungen finanziert wird, mit der das andere Chemnitz-Gesicht gezeigt werden soll. Die Theater rufen die Reihe "Gemeinsam stärker" ins Leben mit einem Konzert auf dem Theaterplatz. Die Kunstsammlungen ziehen eine fürs Frühjahr 2019 geplante politische Ausstellung vor. Institutionen reagieren vergleichsweise schnell mit Aktionen, die ein buntes Chemnitz demonstrieren wollen. Ein Großteil der Stadtgesellschaft aber bleibt gelähmt, er verarbeitet länger. "Diese plötzliche überregionale Aufmerksamkeit - fokussiert auf die Bilder vor dem Karl-Marx-Kopf - haben der Stadt sehr geschadet", sagt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ein Jahr danach. Gräben zwischen sehr unterschiedlichen politischen Meinungen seien auf Straßen und Plätzen öffentlicher als vorher geworden.

Erst Monate nach den Ausschreitungen hat die Stadt wieder so etwas wie einen Alltag, auch wenn sie nie ihren alten Alltag wiederhaben wird. In den Vorjahren gefeierte Feste erleben eine Neuauflage. Das Hutfestival und der Parksommer ziehen tausende Besucher in die Innenstadt. Die Filmnächte legen mit zusätzlichen Konzerten im Vergleich zu vorangegangenen Jahren noch eine Schippe drauf. Man hat das Gefühl: Jetzt erst recht!

An vielen Ecken bricht sich etwas Bahn, das die Chemnitzer sich bislang selbst gar nicht so zugetraut hätten. Dazu gehören kleine Initiativen wie die Buntmacher. Sie gründen sich nach den Demonstrationen im Spätsommer 2018. "Uns ist das Miteinander wichtig. Wir verurteilen niemanden, wollen ins Gespräch kommen", sagt Anett Linke von den Buntmachern. Vor der Kommunalwahl im Mai gehen sie auf Wahlkampftour, hängen Plakate auf, klingeln an Haustüren - sie werben nicht für eine Partei, sie werben für Demokratie. Mit dem neu initiierten Kosmos-Festival gelingt es der Kultur-, Sport- und Wirtschaftsszene gemeinsam, ein neues Veranstaltungsformat zu kreieren - mit Herbert Grönemeyer als Zugpferd, aber nicht nur. Kosmos ist viel mehr: An 40 Orten der Innenstadt wird diskutiert, gespielt, getanzt, gefeiert. Es versteht sich als Fortsetzung des im September 2018 spontan organisierten und viel beachteten "Wir-sindmehr"-Konzertes mit 65.000 Gästen. Kosmos will die Stadtgesellschaft einander näherbringen. Mindestens für diesen Tag gelingt es.

Das ist auch Ziel der Initiatoren des Bürgerfestes an diesem Wochenende. Nachdem der städtische Veranstalter aus Sicherheitsbedenken und der Befürchtung weiterer Imageverluste für Chemnitz heraus das diesjährige Stadtfest abgesagt hat, geben junge Kulturschaffende und Unternehmer eine Antwort: Sie gründen den Verein Chemnitzer Bürgerfest, der sich zutraut, wovon die Stadt lieber die Finger lässt: Am klassischen Stadtfest-Termin soll an elf Standorten in der Innenstadt ein Fest mit Musik-Bühnen, Tanz, Straßenkunst, Vereinspräsentationen, Fahrgeschäften und Streetfood-Meile stattfinden. "Herzschlag" nennen es die Initiatoren. "Es soll ein Fest von Bürgern für Bürger werden und ein positives Bild von Chemnitz nach außen senden", sagt Sebastian Thieswald vom Verein.

Mit Blick auf derlei Initiativen spricht Oberbürgermeisterin Ludwig von einem "engagierten Eintreten von Bürgern für ihr Chemnitz. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann das sehen und spüren." Dieser Aufbruch, so Ludwig, habe das Potenzial, Quelle für ein selbstbewusstes Chemnitz zu sein.

Und es gibt Beispiele, wonach sich bisher Interessierte jetzt aktiv einmischen. Carolin Juler gehört zu ihnen. Die 21-jährige Politikstudentin sitzt im neu gewählten Stadtrat. Die Ereignisse im Sommer 2018 seien der ausschlaggebende Punkt gewesen, warum sich Juler um die Mitarbeit im Stadtrat beworben hat, sagt sie.

Die befürchtete Wegzugswelle von Einwohnern mit Migrationshintergrund ist ausgeblieben. Bei der Ausländerbehörde haben 2018 126 Asylbewerber einen Antrag gestellt, dass ihre Wohnsitzauflage aufgehoben wird, damit sie von Chemnitz wegziehen können, es sind in etwa so viele gewesen wie 2017. In diesem Jahr hat die Behörde bis Ende Juli 69 Anträge registriert. In der Mehrheit hätten die Migranten in einem anderen Ort eine Arbeit gefunden. Vier Anträge sind seit August 2018 nach Angaben der Verwaltung mit rassistisch motivierten Übergriffen begründet gewesen.

Andererseits hat der Betreiber eines türkischen Restaurants, das im Oktober 2018 bei einem Brandanschlag völlig zerstört worden ist, die Stadt verlassen. Nach langer Zeit der Überlegung hat er sich gegen einen Neuanfang entschieden. Die Besitzer eines jüdischen Restaurants und zweier persischer Gaststätten hingegen bleiben. Auch sie sind im Herbst Ziele von Anschlägen gewesen, dabei selbst verletzt worden. Sie ziehen sich aber nicht aus Chemnitz zurück. Warum? Er habe viel Zuspruch erhalten und sei im Krankenhaus besucht worden, berichtet Masoud Hashemi, einer der betroffenen Gastwirte. In sein Restaurant kommen zu 90 Prozent deutsche Gäste, sagt er. Viele machten ihm Mut.

Ist Chemnitz jetzt tatsächlich bunt, statt braun und grau? Die einfache Farbenlehre stößt an ihre Grenzen. Die Stadt dürfe nicht auf die Ereignisse im August 2018 reduziert werden, sagt der Rektor der Technischen Universität, Gerd Strohmeier. Das Engagement vieler habe bewiesen, dass die Stadt viel mehr sei. Aber, schränkt er ein, es gebe auch Beispiele, "dass Chemnitz ein Problem mit Rechtsextremismus hat, das weder vergessen noch verharmlost werden darf und dem entschieden entgegengetreten werden muss", so Strohmeier.

Die rechtsextremistische Bewegung Pro Chemnitz steht seit Spätsommer 2018 unter Beobachtung des sächsischen Verfassungsschutzes, erhält seit den Ereignissen aber auch größere Aufmerksamkeit. Anhänger protestieren zunächst Woche für Woche gegen Deutschlands Asylpolitik. Es sind die Freitage, an denen die Innenstadt regelmäßig leerer wird. Wer nicht rausmuss, bleibt zu Hause. Gastronomen und Händler sprechen später von deutlichen Umsatzverlusten an diesen Tagen. Bis Juni 2019 seien die Freitagsdemos angemeldet, hatte der Pro- Chemnitz-Chef im September 2018 erklärt. Anfangs folgen mehrere Hundert, später werden es immer weniger, seit Dezember läuft Pro Chemnitz nicht mehr durch die Stadt. Zulauf kann die Gruppierung dennoch verbuchen. Zur Kommunalwahl im Mai erhalten die Rechtsextremen 26.600 Stimmen. Im bis 2024 neu gewählten Stadtrat sind sie mit fünf statt bisher drei Mitgliedern vertreten. Und während der Bürgerverein an diesem Wochenende ein Fest der Demokratie feiern will, hat Pro Chemnitz für Sonntagabend eine Demonstration unter der Überschrift "Chemnitz geht wieder auf die Straße" gegen Deutschlands Asylpolitik angekündigt. Angemeldet sind 1000 Teilnehmer.

Rechte Gruppierungen sind es auch an anderer Stelle, die in den vergangenen Monaten wesentlich das Chemnitz-Bild überregional geprägt haben. Es ist Kaotic Chemnitz gewesen, eine Fangruppe des Fußballclubs CFC - mit Stadionverbot belegt -, die ihre Anhänger wenige Stunden nach dem Tötungsdelikt aufgerufen hatte, sich in der Innenstadt zu versammeln. Um zu zeigen, "wer in der Stadt das Sagen hat", wie es in einem Aufruf hieß. Die Kundgebung endet mit Ausschreitungen, Ausländer fliehen vor Demonstranten. Diesen Bildern versucht der CFC in den Folgewochen ein Statement entgegensetzen.

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon schlägt im Oktober vor, das Stadion "Arena für Weltoffenheit, Toleranz und Fairness" zu nennen. Spieler laufen mit dem gleichen Bekenntnis auf ihren Trainingsshirts auf. Am 5. März beteiligt sich ein Teil der CFC-Mannschaft am Chemnitzer Friedenstag. Er wird in der Stadt in Gedenken an den Bombenangriff 1945 begangen.

Aber was ist dieses Engagement vier Tage später noch wert? Als im städtischen Stadion eines verstorbenen bekennenden und bekannten Neonazis öffentlich gedacht wird - sein Konterfei erscheint auf der Anzeigetafel, der Stadionsprecher verliest Worte der Trauer, Banner mit dem Namen des Toten in Frakturschrift werden in der Südkurve ausgerollt. Der Verstorbene ist dem CFC verbunden gewesen, seine Securityfirma hat zeitweise für den Club gearbeitet. Zwar findet der Verein danach Worte des Bedauerns, entbindet an der Trauerminute Beteiligte ihres Amtes. Dem Mannschaftskapitän aber vergibt die Clubspitze: Daniel Frahn hatte zum Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" (Unterstütze deine lokalen Hools) hochgehalten - und danach versichert, er sei "kein Nazi".

Er habe nicht gewusst, "dass dieses Shirt so tief in der Neonazi-Szene verankert ist". Vor gut zwei Wochen schmeißt der Club seinen Torjäger dann doch raus. Frahn hatte sich bei einem Auswärtsspiel im Fanblock mit Mitgliedern von Kaotic Chemnitz gezeigt. Seine "offenkundig zur Schau gestellte Sympathie mit der rechts gesinnten Gruppierung" wertet die Clubspitze als vereinsschädigend. Bei einem Teil der Chemnitzer Fans aber spielt diese Seite des Topspielers eine untergeordnete Rolle. Sie sehen, dass Frahn dem Aufsteiger im Kampf um den Drittliga-Erhalt auf dem Platz fehlt und kommentieren den Rausschmiss beim nächsten Heimspiel: Die gesamte Südkurve hält Plakate mit der Rückennummer 11 des Ex-Kapitäns in die Höhe - und vor die Objektive der Journalisten im Stadion.

Andere Fanclubs hingegen werden eher nicht von der Kamera eingefangen - jene Gruppierungen, die versuchen, sich gegen den Rechtstrend zu stellen. Zu ihnen gehört der Club "Totale Offensive". Die überzeugten Christen sind fast immer mit ihrer Fanclubfahne im Stadion vertreten, auch bei Auswärtspartien. Vor den Spielen beten sie. "Vor allem für Fairness und den Erhalt der Gesundheit, aber auch für die Polizei und die Ordnungskräfte", sagt Andrea Goldmann, Chefin des 15 Mitglieder zählenden Clubs. Sie weiß, es gibt noch mehr gemäßigte, aber eben auch leisere CFC-Anhänger. Wirklich wahrgenommen, sagt sie weiter, werden nach wie vor die anderen. Es sind jene, die das Chemnitz-Bild nach außen prägen. Auch wenn die Innensicht eine viel differenziertere ist.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 10 Bewertungen
20Kommentare
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  • 1
    3
    Blackadder
    27.08.2019

    @thomboy: Bei Ihnen kann ich immer wieder nur mit dem Kopf schütteln, wie man mit solchem Selbstbewusstsein solches Unwissen vor sich her tragen kann.

    Am besten, sie lesen hier noch mal nach:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schengener_Abkommen

    Es geht in den verschiedenen Schengen Abkommen um die Abschaffung der Personen- und Zollkontrollen im Großen und Ganzen innerhalb der EU.

  • 2
    2
    MuellerF
    27.08.2019

    @thombo01: Sicher können Sie dann entsprechende Textpassagen zitieren?
    Ich bin gespannt!

    Sie schrieben: " Das Schengen Abkommen sagt aus das jeder Flüchtling in das Land zurückgeführt wird in dem er die EU betreten hat."
    Das ist Gegenstand der Dublin-Verträge, nicht des Schengen-Abkommens!
    Das Schengen-Abkommen regelt zwar die reguläre Einreise von Staatsangehörigen von Drittstaaten die nicht zum Schengengebiet gehören, also zB Pass- & Visapflichten, aber KEINE Zuständigkeiten in Asylverfahren!

    " Die Länder der EU Ausengrenzen sind für die Sicherung der EU Ausengrenzen verantwortlich." Das hingegen ist wirklich Bestandteil des Schengen-Abkommens.

  • 2
    2
    thombo01
    27.08.2019

    MuellerF: Da liegen sie wieder mal falsch. Das schengen regelt die flüchtlingsströme und sagt genau das aus was ich in meinem Artikel geschrieben habe.

  • 4
    4
    MuellerF
    27.08.2019

    @thombo01: Ihre Sachkenntnis ist mal wieder überwältigend-das Schengen-Abkommen dreht sich nicht um Flüchtlinge, sondern um Personen- & Warenverkehr innerhalb der EU. Sie meinten wohl die "Dublin"- Abkommen. Doch auch da liegen Sie falsch. Diese Abkommen regeln Pflichten der Länder zur Aufnahme von Flüchtlingen, verbieten es aber nicht, darüber hinaus mehr zu tun, wie es D. 2015 tat.

  • 10
    13
    franzudo2013
    25.08.2019

    Auf Lügen kann man keine Zukunft bauen. Frau Ludwig hat ihre Stadt verleugnet. Ein toter Chemnitzer war unwichtig, Chaoten waren wichtig. Sie sollte zurück treten. Ohne Frau Ludwig und ihre verblendete SPD wird vieles leichter.

  • 14
    8
    OlafF
    25.08.2019

    @Echo: Ein guter Beitrag von Ihnen,

    auch wenn wir im Weltmaßstab eigentlich nur eine mittlere Großstadt sind, darin gebe ich Ihnen recht. Aber hier und jetzt hat ein Prozess begonnen, bei dem klar wird, dass die Probleme nur gemeinsam lösbar sind. Chemnitz kann ein Beispiel dafür werden, wie durch Beteiligung aller Kräfte um gemeinsame Lösungen gestritten werden kann. Eine Ausgrenzung Einzelner oder Mundtot-Machung von „Problembürgern“ hatte in der Vergangenheit bereits keinen Erfolg. Nun haben die sächsischen Zeitungen und der MDR eine gute Basis geliefert, indem sie alle Meinungen zuließen, auch solche, welche nicht gefallen.

    Hat „Unteilbar“ nicht auch etwas mit Teilhabe zu tun? Aufgabe und Verantwortung der Gewerkschaften, Gemeinschaften, Parteien und Vereine dürfen sich nicht nur auf verbale Aussprache und Einseitigkeit reduzieren, sondern müssen auch Andersdenkenden Gehör schenken und vernünftige Kompromissvorschläge zulassen, auch wenn sie einmal nicht aus den eigenen Reihen kommen.

    Des weiteren sollten wir uns bewusst sein, dass durch die Verschiedenheit der Ansichten, nur durch einen tragfähigen Kompromiss, eine weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert werden kann.

    Durch jegliches Aufhetzen der Bevölkerung, zum Flüchtlingsgegner, ob zum Klimahysteriker oder Leugner, ob der Diffamierung als Stalinist, Maoist, Faschist oder Rassist. Wem nützt die Uneinigkeit an der Basis, in der Bevölkerung und im täglichen Leben ? Denen, die davon leben... Es bietet sich an, sich besser zu rechtfertigen, hauptsächlich eigene Interessen durchzusetzen und Mittel und Kräfte aus der Radikalisierung von einseitigen Ansichten zu mobilisieren.

    … ein paar Worte noch zum Flüchtlingsdeal.

    Trotzdem dürfte klar sein, dass der Flüchtlingsdeal zwischen Angela Merkel und Ahmet Davutoglu „aus der Not heraus“ und an Griechenland vorbei abgeschlossen wurde . Parallel dazu haben die Balkanstaaten beschlossen nur noch Flüchtlinge einreisen zu lassen, welche im jeweiligen Balkanstaat selbst und mit gültigen Ausweispapieren ASYL beantragen.

    Jedem sollte bewusst sein, dass bei erneutem Anstieg der Flüchtlingszahlen, die Türkei für jeden an der Grenze zurückgewiesenen syrischen Flüchtling ein legales Ticket für einen registrierten syrischen Flüchtling Richtung EU bekommt. Dafür braucht es langfristigere Lösungen und nicht die Rettung der eigenen haut bis zur nächsten Wahl...

  • 26
    23
    thombo01
    25.08.2019

    Falsch Echo. Es ist keine "Auslegung" des schengen sondern so lautet das schengen. Und ja, die flüchtlingsströme sind auch in chemnitz und die Auswirkungen sind jeden Tag sichtbar und spürbar. Und ohne die falsche Entscheidung von Frau M. Wären diese flüchtlingsströme gar nicht erst Zustände gekommen.

  • 36
    30
    Echo1
    24.08.2019

    Wir sollten uns nicht nur unser kleines
    Chemnitz angucken. Das ist mir hier alles zu aufgeregt. Wir sind nicht losgelöst von
    der Welt. Wir sollten die Probleme in der Gesamtheit sehen. Auslegung Schengen
    hin und her. Die Flüchtlingsbewegung ist Tatsache und hat seine Gründe. Und Lösungen gibt es nur global und sachlich
    und ohne Rassismus. Und die Masse der
    Flüchtlinge sind ganz woanders und nicht in Chemnitz und nicht in Deutschland. Und jeder AfD-Freund
    müsste Frau Merkel dankbar sein, denn sie
    hat Flüchtlingsströme durch das Türkeiabkommen gestoppt. Ich kann es nicht mehr hören: Frau Merkel hat die alle reingelassen. So ein Unsinn. Seid nett zu Euren Nachbarn und verträgt Euch mit dem Rest.

  • 37
    18
    Einspruch
    24.08.2019

    Distelblüte, was Sie schreiben, ist linkspopulistische Geschichtsverfälschung. Natürlich gibt es Grenzen im Schengenraum, schauen Sie mal auf aktuelle Landkarten und Navi’s. Es wurden nur die Kontrollen weitgehend abgeschafft.
    Da hatte aber auch niemand mit Mißbrauch und illegaler Einwanderung im großen Stil gerechnet.

  • 33
    19
    thombo01
    24.08.2019

    Falsch, Distelblüte. Das Schengen Abkommen sagt aus das jeder Flüchtling in das Land zurückgeführt wird in dem er die EU betreten hat. Die Länder der EU Ausengrenzen sind für die Sicherung der EU Ausengrenzen verantwortlich. So wie es Salvini endlich tut. Das wurde bisher fast nicht angewendet.

  • 5
    25
    Interessierte
    24.08.2019

    ... in der ersten Reihe Neonazis mit Hitlergruß.
    ( und eine riesengroße Fahne hatten die gehalten auf der Treppe vor dem Kopf , hatte man diese Leute gefaßt ?

  • 32
    7
    OlafF
    24.08.2019

    Distelblüte@ Hab ich im Urlaub irgend etwas verpasst ?

    Das Schengener Abkommen regelt die Abschaffung stationärer Grenzkontrollen einer begrenzten Anzahl europäischer Staaten. Dies schließt jedoch nicht die Möglichkeit aus, jederzeit bei entsprechender Erfordernis davon Gebrauch zu machen, stationäre Grenzkontrollen durchzuführen, Personen ohne Papiere bzw. ohne gültige Ausweispapiere zurück zu weisen und Kriminelle festzunehmen.

    https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/dresden-ort28601/g7-gipfel-2015-grenzkontrollen-schleuser-schmuggler-festgenommen-5066900.html

    Die territorialen Grenzen der betreffenden souveränen Nationalstaaten wurden nicht abgeschafft. Bitte immer schön bei den Tatsachen bleiben! Voraussetzung für Freiheit und Sicherheit ohne stationäre Kontrollen ist die Sicherung der europäischen Außengrenzen. Wenn diese Sicherheit gewährleistet ist, dann gibt es kaum Gründe die dagegen sprechen.

  • 36
    12
    saxon1965
    24.08.2019

    @Diestelblüte: So gesehen haben sie zwar Recht, aber die Wortklauberei oder nennen sie es Unkorrektheit, geht am Thema vorbei.
    Fakt ist, dass Frau Merkel weder vorher den Bundestag befragt hat, noch sich breiter Zustimmung sicher sein konnte, als sie die in Ungarn festsitzenden Flüchtlinge unkontrolliert ins Land lies.
    Wer sollte der Souverän sein und wer der gewählte Erfüllungsgehilfe?
    Wo wir jetzt stehen und was in Zukunft sich noch alles aus dieser Entscheidung entwickeln wird, kann heute noch Niemand absehen. Das Land ist jedoch nicht mehr das selbe. Auch wenn prinzipiell Veränderungen was Gutes haben können, wenn man sie beeinflussen kann, sollte das von der Mehrheit getragen sein.
    Man sollte heute mal abstimmen lassen, von den Bürgern/innen.

  • 34
    20
    1371270
    24.08.2019

    Ach Distel, immer schön linientreu, wie es früher hieß!

  • 33
    16
    j35r99
    24.08.2019

    Saxon, Ihr Beitrag ist ausgewogen und trifft den Nagel auf dem Kopf.

    Distelblüte,zur Richtigstellung: schon mal was gehört von der Sicheren Herkunftstaatenreglung, Asylkompromiss 1993, Rückführung Asylsuchende?
    Scheinbar nicht.

    Lesen Sie mal in Wik. und suchen Sie den Begriff "Grenzregime der BRD".
    Das wird Sie sicher erhellen.

  • 34
    23
    ArndtBremen
    24.08.2019

    @Distelblüte: Warum leugnen Sie die Geschichte? Haben Sie ein Problem mit der Wahrheit? Es geht eben nicht nur nach Ihrem Kopf. Chemnitz hat viele Köpfe.

  • 35
    13
    Lesemuffel
    24.08.2019

    Sehr gut Saxon, Ursache und Wirkung aufgezeigt. Kleine Korrektur, Merkel hat die Grenzen nicht geöffnet, die waren uns sind weiter ohne Kontrolle, zusätzlich, man erinnere sich an das Selfie Merkels mit einem Flüchtigen, ist ihr Handeln als Einladung verstanden worden. Ihr Statement: "... ja nun sind sie eben da" ; "wir schaffen das". Wer sind "wir" und was soll "geschafft" werden.?

  • 28
    43
    Distelblüte
    24.08.2019

    @saxon: Da ist viel wahres dabei, was Sie schreiben. Aber: es gab 2015 KEINE Grenzöffnung durch Angela Merkel.
    Das Schengener Abkommen und damit der Schengenraum, dem sowohl Deutschland als auch Ungarn angehören, haben keine Grenzen.
    Das was Sie und andere damit am Leben halten, sind rechtspopulistische Falschaussagen.

  • 37
    21
    BlackSheep
    24.08.2019

    eine kleine Ergänzung noch, Neonazis mit HItlergruss, war da nicht was mit nem Linken der den Hitlergruss gezeigt hat?

  • 44
    16
    saxon1965
    24.08.2019

    Ein sicher gut gemeinter Artikel, aber alles schon zig mal gehört, gelesen und diskutiert. Jeder hat bei diesen Dingen seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. Schlimm was da alles seit einem Jahr passiert ist und (teilweise wie) berichtet wurde.
    Man muss sich jedoch mal ehrlich machen und für die Zukunft die Lehren daraus ziehen.
    Wenn man Demagogen das Feld überlässt, weil die Staatsführung versagt, dann werden Themen missbraucht und Menschen in die Irre geleitet.
    Für mich stehen all diese Ereignisse in direktem Zusammenhang mit Merkles Alleingang bei der Asylpolitik, dem Umgang mit den Bürgern/innen, dem Ignorieren und Leugnen von Problemen und Missständen.
    Dieser Artikel ließe sich auch chronologisch aus dieser Richtung verfassen.
    Grenzöffnung ohne Kontrollen ... Überforderungen der Kommunen (personell, räumlich, finanziell), Umgang mit den Kritikern (Pegida, Pack) und so weiter.
    Es wäre sehr viel zu verhindern gewesen! Für viele Menschen auch so manches Verbrechen in diesem Land und so mancher finanzieller Notstand.
    Für unsere Politiker war es lange Zeit, teilweise bis heute, der einfachste Weg Kritiker in die rechte Szene zu verorten. Sehr gefährlich!



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