Chemnitz
Chemnitz: Die vermutlich letzte Wanderung einer Brücke

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Es ist eine der letzten Interventionsflächen der Kulturhauptstadt, bei der die Bauarbeiten beginnen. Im Norden der Stadt entsteht ein Rastplatz am Chemnitztalradweg.

Kurz vor 10 Uhr hebt der Mobilkran die alte Stahlkonstruktion der Fischwegbrücke über die Chemnitz in Draisdorf an. Sie wird ein Stück weiter transportiert, um als optischer Hingucker und Aktionsfläche am neu zu gestaltenden Rastplatz am Chemnitztalradweg zu dienen. Eine halbe Stunde später fährt der Schwerlasttransport los – für etwa 100 Meter. Das Ziel ist erreicht. Bevor der Kran abgebaut und umgesetzt ist, dauert es aber. Erst am Freitag kann die alte Brücke auf die vorbereiteten Betonbalken jenseits der Heinersdorfer Straße umgesetzt werden.

Peter Börner, Leiter des Grünflächenamtes der Stadt, ist gekommen, auch der Chef der Kranfirma, Volker Lippmann, ist da, um den für sein Unternehmen außergewöhnlichen Auftrag zu verfolgen. Doch es ist nicht der erste Umzug der Brücke. Gunter Grimmer von der Arbeitsgemeinschaft Blankenauer Grund berichtet 2016 im heimatgeschichtlichen Journal „Nachrichten aus dem Blankenauer Grund“ über die bewegte Geschichte des Bauwerkes. Gebaut wurde es 1891, genügte aber schon sechs Jahre später nicht den Anforderungen der neuen Güterladestelle Furth und wurde 1901 mit zwei Dampfwalzen über zwei Kilometer an den neuen Standort am Fischweg in Glösa transportiert.

Angekommen?

2005 folgte ein weiterer Umzug. Die Konstruktion war marode geworden, musste durch eine neue Betonbrücke ersetzt werden. Zunächst lagerte sie unterhalb des Glösaer Kirchberges, dann auf einem städtischen Grundstück nahe des Flusses in Draisdorf.

Noch bevor Chemnitz als Kandidat für die Europäische Kulturhauptstadt im Gespräch war, schlug die AG Blankenauer Grund eine Umnutzung des denkmalgeschützten Bauwerkes vor.

Mit dem Titelgewinn konnten die Bürgerplattformen festlegen, welche Interventionsfläche in ihrem Gebiet 325.000 Euro für eine Investition bekommt. Kerstin Pätzold ist Koordinatorin der Bürgerplattform Nord, zu der Glösa-Draisdorf, Furth und Borna-Heinersdorf gehören.

„Es gab zunächst auch andere Ideen“, erinnert sie sich. Die Aufwertung von Spielplätzen gehörte dazu. Doch in Abstimmung mit der Stadtverwaltung wie auch jenen Einwohnern, die sich aktiv für die Interessen des Gebietes einsetzen, gewann das Anliegen Oberhand, etwas am Chemnitztal-Radweg zu tun. „Der Radweg ist etwas Verbindendes zwischen den Ortsteilen“, sagt sie. Die früheren Dörfer sind im Selbstverständnis noch nicht zusammengewachsen. Vor allem der Fluss stellt eine mentale Grenze dar. Das Projekt kann helfen, mehr zueinander zu finden.

Kerstin Pätzold koordiniert in der Bürgerplattform Nord die Interventionsfläche.
Kerstin Pätzold koordiniert in der Bürgerplattform Nord die Interventionsfläche. Bild: Jens Kassner

Lange Vorbereitung

Während manche Interventionsflächen schon fertiggestellt, andere fortgeschritten sind, hat es hier lange mit der Planung gedauert. Verschiedene Standorte für einen Rastplatz am Chemnitztal-Radweg waren vorgesehen. Doch sowohl der Naturschutz für bestimmte Areale wie auch der Hochwasserschutz spielten eine Rolle. In konstruktiven Gesprächen mit der Landestalsperrenverwaltung und der Stadtverwaltung fiel die Entscheidung für die Fläche am Beginn der Heinersdorfer Straße. Sie liegt außerhalb des Überflutungsgebietes und hat keinen Schutzstatus.

Von Beginn an beteiligen sich Bürger an dem Projekt. „Zwischenzeitlich war die Luft raus“, sagt Kerstin Pätzold im Hinblick auf die Verzögerungen. Sie hofft nun nach dem Baubeginn auf neuen Schwung.

Zwischenstopp nach 100 Metern. Am Freitag setzt der Kran die Brücke auf das Fundament.
Zwischenstopp nach 100 Metern. Am Freitag setzt der Kran die Brücke auf das Fundament. Bild: Jens Kassner

Abseits des Radweges

Die alte Brücke hat eher eine dekorative Funktion. Sie wird auf Betonbalken gelagert und begehbar gemacht. Daneben entsteht eine Fläche mit Sitzgelegenheiten, Fahrradständern und einem Areal für kleine Veranstaltungen. Deshalb gibt es auch eine Zufahrt von der Straße, zum Beispiel für einen Imbiss-Wagen. Einen Stromanschluss gibt es nicht, nur ein leeres Rohr wurde für diese Zwecke verlegt. Eine Tafel mit Informationen zur bewegten Geschichte der Brücke ist aber vorgesehen.

Allerdings liegt der Rastplatz nicht direkt am Radweg, der auf der anderen Flussseite verläuft. Kerstin Pätzold hofft, dass dort ein Hinweisschild angebracht wird. „Wenn nicht, muss die Bürgerplattform nach anderen Finanzquellen suchen, um das zu realisieren.“ (kas)

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