"Chemnitz, du altes Haus" - eine Hymne zum Stadt-Jubiläum

Von einem Musiklehrer stammen Text und Melodie. Darin verarbeitet er auch Erinnerungen an seine Kindheit.

Sonny lächelt seinen Mitschülern hinter der Glaswand zu. Er trägt Kopfhörer. So kann er verstehen, was seine Klassenkameraden und der Techniker im anderen Raum sagen. Der Mann gibt das Signal, dann geht es los. Der Elfjährige beginnt mit dem Sprechgesang am Mikrofon. "Stadtpark, Schloßteich, Kathi Witt - Grünes oder gelbes Fit", rappt der Schüler aus Gelenau über Typisches aus Chemnitz.

Musiklehrer Hendrik Seibt von der Freien Schule Erzgebirgsblick in Gelenau hat anlässlich der 875-Jahr-Feier in Chemnitz ein Lied für die Großstadt geschrieben und vertont. Er selbst, zwei Kollegen und insgesamt zwölf Schüler besingen in dem Titel "Chemnitz - Du altes Haus" die Stadt mit manchmal nicht ganz so ernst gemeinten Zeilen: "Kosmonaut, Atomino - Baustell'n und ein Dixiklo", heißt es da beispielsweise. Der Popsong im Vierviertel-Takt ist von Tempowechseln geprägt. Er besteht aus drei Strophen, die im schnellen Sprechgesang von einzelnen Kindern vorgetragen werden. Die Lehrer singen den langsameren Refrain. Klavier, Bass, Schlagzeug und Pfeifen begleiten den Gesang.

"Das Lied ist ein Geschenk an die Stadt", erklärt Hendrik Seibt. Die Idee, eine Hymne für Chemnitz zu schreiben, ist im Zuge eines Schulprojekts entstanden. Seit Februar haben die Schüler über Chemnitz recherchiert und sich mit der Geschichte der Stadt beschäftigt. Mit dem Stück wolle er als Gelenauer Chemnitz danken, denn er habe schöne Kindheitserinnerungen an die Stadt, sagt der Musiklehrer. So handelt das Lied auch von der Jalta-Bar im heutigen Dorint-Hotel. Dort hatte er als Junge zum ersten Mal in seinem Leben Kaviar gegessen, erinnert sich Seibt. Mit fünf Jahren besuchte er bereits die städtische Musikschule. Und häufig sei er bei Konzerten in der Stadthalle gewesen. Nicht zuletzt profitierten die Gelenauer auch heute von Chemnitz durch die Möglichkeiten zum Einkaufen und das kulturelle Angebot, sagt er.

Der elfjährige Sonny Spielmann ist während der Aufnahme des Popsongs im Tonstudio aufgeregt, räumt er ein. "Als mir alle beim Singen zugeschaut haben, hatte ich ein Kribbeln im Bauch." Es habe ihm aber viel Spaß gemacht. Auch sein Mitschüler Lasse Nestler fand die Aufnahme im Studio "cool". Später will er mal Techniker einer Band werden, sagt der ebenfalls Elfjährige.

Ob aus dem Lied tatsächlich die Hymne der Stadt wird, will der Musiklehrer abwarten. Eine Hymne zeichne sich dadurch aus, dass sie von vielen Menschen gesungen werde, so der 48-Jährige. Nachdem das Lied nun aufgenommen wurde, will er es Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig im Rathaus übergeben. Ein Termin steht dafür noch aus.

Seibt hatte vor mehreren Jahren bereits das Musical "Saitenverkehrt" geschrieben. Es erzählt die Liebesgeschichte zweier DDR-Bürger zur Zeit der Wende. Durch eine Flucht getrennt, fanden sie nach dem Mauerfall wieder zueinander.

 

Refrain der Chemnitz-Hymne

Chemnitz, du altes Haus.

Putzt dich fein raus.

Siehst blendend aus.

In Sachsen ein Stern.

Ich hab dich gern!

Chemnitz, du Stadt mit Vision!

Karl Marx auf dem Thron.

Die Menschen dein Lohn!

Fühlst dich modern.

Wir ham dich gern!

"Chemnitz wird sehr treffend beschrieben"

Christian Rosener ist von der Idee einer Hymne für Chemnitz begeistert. "Ich stehe voll dahinter, schön, dass sich der Künstler das zutraut", sagt der Chemnitzer. Die Stadt könne auf diese Weise auch bekannter werden, hofft der 44-Jährige, der als Straßenmusikant mit Pfeife auftritt. "Es wird ja auch über andere Städte wie Bielefeld gesungen, warum nicht auch über Chemnitz?", fragt er.

 

 

Jasmin Bochmann hält die Stadthymne für einen guten Einfall. "Besonders Leute, die ursprünglich nicht von hier kommen, können Chemnitz dadurch besser kennen lernen", hofft die 23-Jährige, die vor ein paar Jahren aus dem Erzgebirge in die Stadt gezogen ist. Sie selbst hört unterschiedliche Musik von Schlager bis Rock. Ihrer Meinung nach sollte in der Hymne auch das Stadtfest erwähnt werden.

Libo Zhang, ein Student aus China, lebt zurzeit in Chemnitz. Von einer Hymne speziell für eine Stadt hat er noch nie zuvor gehört, findet das aber gut. Dem Automobilstudenten gefällt besonders, dass darin die Stadt als Industriestandort erwähnt wird. "Chemnitz wird sehr treffend beschrieben", sagt der 26-Jährige. Es sei auch eine ruhige Stadt, die sich gut fürs Studium eigne, so Zhang.

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