Chemnitz feiert die Musik und den Sommeranfang

Gratis und draußen: Mit der Fête de la Musique begehen Künstler und Besucher an Bühnen und in den Straßen der Innenstadt den längsten Tag des Jahres.

Sie hat mittlerweile einen festen Platz im Chemnitzer Feste-Kalender: Auf der Fête de la Musique, französisch für "Fest der Musik", klang und swingte, tanzte und wummerte es bereits zum fünften Mal in der Innenstadt. Damit waren die Chemnitzer nicht allein: In über 540 Städten weltweit begingen die Menschen am 21. Juni - Sommeranfang und längster Tag des Jahres - diese Feier. Allein in Deutschland wurde sie an über 50 Orten zelebriert, so auch in Leipzig, Dresden und Berlin. An allen Standorten wird die Fête stets nach denselben Grundsätzen gefeiert: Kostenfrei soll sie sein, Laien wie Profis haben die Möglichkeit, im öffentlichen Raum aufzutreten; Vielfalt soll gefeiert werden.

Erstmals fand die Festivität im Jahr 1982 in Frankreich statt. Nachdem das Kulturministerium unter Führung von Jack Lang herausgefunden hatte, dass fünf Millionen Franzosen singen oder ein Instrument spielen konnten, forderte Lang die Pariser auf, für eine halbe Stunde auf den Straßen und an öffentlichen Orten zu musizieren - ein voller Erfolg. Seitdem verbreitet sich die Idee der Veranstaltung über den Globus.


Zur Eröffnung in Chemnitz sang der Chor "Unity" am Brunnen vor der Stadthalle. Leiterin Valéry Suty hat ihn in der Stadt als Reaktion auf die Ereignisse nach der Ermordung von Daniel H. gegründet, wie sie erzählt. Die Mitglieder kommen aus Deutschland, Polen, Syrien und weiteren Ländern. Nach der Eröffnung hatten die Besucher die Gelegenheit, an Bühnen im Stadtzentrum Musik unterschiedlicher Stilrichtungen und Kunst zu bewundern. Zudem bespielten auch Straßenmusikanten weitere Orte der Stadt.


Der Burger-Brater

Eric Heim (33): "Ich betreibe auf der Fête de la Musique meinen Food-Truck. Vor allem verkaufe ich Burger aus guten und regionalen Zutaten. Man findet mich auf vielen alternativen Veranstaltungen und Festivals in der Stadt. Auf dem Fuego a la Isla am Schloßteich, beim Slack-Fest im Küchwald, auf den Begehungen, bei dem man an sonst verschlossene Orte gelangt, und natürlich auch hier auf der Fete. Man kann wohl sagen, dass ich lieber die Leute auf Festen mit leckerem Essen versorge, als selbst feiern zu gehen. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich keine Musik mag, im Gegenteil. Das Schöne an jeder Art von Musik ist, dass man sich mit ihr ausdrücken kann. Es gibt zu jeder passenden Gefühlslage im Leben das richtige Lied, den richtigen Sound. Persönlich bevorzuge ich vor allem rockige Klänge." (bjsc)


Die Besucherin

Elfriede Drechsler (74): "Ich bin zum ersten Mal auf diesem Fest. In den vergangenen Jahren waren mein Mann und ich immer im Urlaub. Mir gefällt die Fête ausgesprochen gut, besonders interessiere ich mich für Chöre, die hier auftreten. Deswegen bin ich zunächst auf dem Neumarkt und sehe mir die jungen Leute von der Chemnitzer Musikschule an. Später gehe ich dann zur Jacobikirche, da treten weitere Chöre auf. Ich selbst singe auch, im Seniorenchor der Volkssolidarität des Stadtverbandes in Chemnitz. Dort besetze ich die Alt-Stimme. Vor allem singe ich aus zwei Gründen: Einerseits macht es mir einfach sehr viel Spaß, andererseits hält es auch jung. Eine weitere Alt-Stimme aus meinem Chor hat von ihrer Tochter ein T-Shirt geschenkt bekommen. Darauf steht: Lieber Alt singen, als alt aussehen." (bjsc)


Der Initiator

Benjamin Gruner (30): "Gemeinsam mit Timo Stocker habe ich die Fête de la Musique vor fünf Jahren gegründet. Musik, das bedeutet für mich Ausdrucksmöglichkeit, Sehnsuchtsort, Abschalten und Inspiration. Timo und ich sind beide im Verein Spinnerei in Chemnitz aktiv. Dabei engagieren wir uns für Kunst und kulturelle Veranstaltungen in der Stadt. Das sind zum Beispiel die Pochen-Biennale oder unser neuestes Projekt: ,Iftha ya simsim', was auf arabisch ,Sesam öffne dich' bedeutet . Wir wollen dabei durch Theater und Gespräch eine Verbindung zu Menschen mit Migrationshintergrund aufbauen - und um Verbindungen geht es auch auf der Fête. Es ist toll, wenn sich Chemnitzer Künstler mit Gleichgesinnten aus aller Welt vernetzen. Dieses Jahr begrüßen wir beispielsweise die Band ,Hikumi Beach' aus Mexiko." (bjsc)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    4
    Blackadder
    24.06.2019

    @franzudo: dann dürfen jetzt in Chemnitz keine Feste mehr gefeiert werden, weil es einer Werkzeugmaschinenfabrik schlecht geht, obwohl deren Mitarbeiter sicher schnell wieder unterkommen werden, da andere ähnliche Firmen in Chemnitz Leute suchen? Einfach mal bei chemnitz-zieht-an reinschauen...

  • 5
    4
    SimpleMan
    23.06.2019

    @franzudo Sie verteidigen wohl die Marktwirtschaft nur so lang, wie es in Ihre Agenda passt, um dann nach Solidarität zu rufen. Sehr glaubwürdig ist das nicht.

  • 4
    14
    franzudo2013
    22.06.2019

    Hauptsache, kostenloses Vergnügen. Ob die älteste Firma der Stadt pleite geht, das interessiert doch keinen. Am wenigsten Frau Ludwig, die sich an ihrem Privatkonzert mit Grönemeyer erfreut.

  • 14
    4
    DTRFC2005
    22.06.2019

    Ruhig, es war wieder super gestern, ich kann und möchte mich da gerne anschließen. Das was ich noch zusätzlich erwähnen möchte, ist der Fakt, daß man auch und vor allem Musik hört, die nicht dem Mainstream entsprechen. Das finden wir einfach mal grandios. Bei dieser Gelegenheit waLiren wir noch in dem kleinen Lädelchen gegenüber dem Kopp.Nette Leute, die leckeres zu verkaufen haben, was man so im Discounter nicht erhält.

  • 21
    13
    HHCL
    22.06.2019

    Lässt sich für AfD und ProChemnitz wohl nicht verwerten. Keiner der üblichen Kommentatoren am Werk heute.

  • 22
    9
    Blackadder
    22.06.2019

    Ach das war schön. Ich bin zwar erst spät in die Stadt gekommen, aber die Athmosphäre war unglaublich schön. Jung und alt, Deutsche und Ausländer friedlich zusammen bei Musik und Tanz. So liebe ich mein Chemnitz!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...