Chemnitz: Internationale Suche nach drittem Tatverdächtigen

Der dritte Tatverdächtige beim tödlichen Messerangriff in Chemnitz könnte inzwischen Deutschland verlassen haben. Nach dem Iraker wird international gefahndet. Außerdem verfolgt die Generalstaatsanwaltschaft Straftäter bei rechten Demonstrationen.

Chemnitz/Dresden (dpa/sn) - In Chemnitz rückt nach zwei Wochen mit rechtsgerichteten Kundgebungen und Gegenprotesten die Aufklärung der tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen wieder in den Vordergrund. Nach dem dritten Tatverdächtigen wird inzwischen auch außerhalb Deutschlands gesucht. Es werde international gefahndet, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Montag auf dpa-Anfrage mit.

«Natürlich kann man nicht ausschließen, dass sich der Beschuldigte nicht mehr in Deutschland aufhält», sagte eine Sprecherin der Behörde. Die bisherigen Hinweise hätten noch keine Rückschlüsse auf einen bestimmten Aufenthaltsort ergeben.

Intensiv wird auch an der Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit rechten Demonstrationen gearbeitet. «Wir ermitteln mit Hochdruck, auch zur Identifizierung. Es geht um Hitlergruß, Beleidigung, Angriffe auf Polizisten und Journalisten, wo Tatverdächtige bekannt sind», sagte Generalstaatsanwalt Hans Strobl am Montag in Dresden.

Seit vergangenem Dienstag wird wegen der Messerattacke nach einem 22 Jahre alten Iraker gesucht. Er wird verdächtigt, gemeinsam mit zwei weiteren Asylbewerbern am 26. August einen 35-jährigen Mann in Chemnitz auf offener Straße erstochen sowie zwei weitere Männer zum Teil schwer verletzt zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft warnten, dass der 22-Jährige bewaffnet sein könnte.

Die anderen beiden Tatverdächtigen, die vermutlich aus dem Irak und aus Syrien stammen, sitzen in Untersuchungshaft. Sie haben laut Staatsanwaltschaft Aussagen zu den Tatvorwürfen gemacht. Über den Inhalt gab sie keine Auskunft; derzeit schwiegen die Männer. Der Messerattacke soll ein Streit vorausgegangen sein.

Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben dazu, ob sich die laut Polizei «verbale Auseinandersetzung» eventuell um Zigaretten oder einen versuchten EC-Kartenraub drehte. Laut Generalstaatsanwaltschaft ging es jedoch weder um die Belästigung von Frauen - also ein Sexualdelikt - noch um einen Raub. Dies habe die Vernehmung der Ehefrauen der beiden verletzten Männer ergeben, sagte Generalstaatsanwalt Strobl. Der genaue Hintergrund werde noch ermittelt.

Der Tod des Deutschen hatte in Chemnitz eine Serie von Protesten und Demonstrationen ausgelöst. Insbesondere rechtsgerichtete und rechtspopulistische Kräfte hatten immer wieder zu Kundgebungen aufgerufen. Dagegen gab es Demonstrationen und Veranstaltungen wie das Konzert «#wirsindmehr» mit 65 000 Teilnehmern. Am Montagabend gab es am Karl-Marx-Monument erneut ein kostenloses Open-Air-Konzert, bei dem unter anderem Dirk Zöllner mit Band aufgetreten ist. Gegenaktionen waren laut Stadt nicht angemeldet.

Bei den rechten und ausländerfeindlichen Demonstrationen in Chemnitz war es zu zahlreichen Straftaten wie dem Zeigen des Hitlergrußes gekommen. Nach Angaben von Strobl hat die Generalstaatsanwaltschaft extra für diese Verfahren zwei Staatsanwälte abgestellt, die mit der Polizei zusammen ermitteln.

«Wir bemühen uns und sind guter Dinge, dass wir das so schnell wie möglich abarbeiten», sagte der Generalstaatsanwalt. Ihm zufolge sollen so viele Straftaten wie möglich im beschleunigten Verfahren geahndet werden. «Das Hauptproblem sei die Identifizierung der Täter», erklärte Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU).

Vier Verfahren seien bereits ausermittelt, berichtete Strobl. Sie sind beim Amtsgericht Chemnitz anhängig. Angeklagt sind drei 32 bis 34 Jahre alte Männer aus Chemnitz sowie ein 27-Jähriger aus Thüringen. Ihnen wird unter anderem das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Ein weiteres Verfahren sollte laut Strobl noch am Montag dazukommen.

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