Chemnitz lässt "Europa" leuchten

Mit Kunst und Party geht es im Wirkbau in die Tage der Industriekultur. Ein prominenter Plattendreher gibt dabei den Startschuss.

Lars Eidinger ist einer der bekanntesten Filmschauspieler der Gegenwart. In Chemnitz präsentierte er sich jetzt von anderer kunstvoller Seite, als Discjockey. Seine Platten drehte er in einem Club, der nur eine Nacht lang geöffnet hatte.

Am Donnerstagabend um 21 Uhr fuhr der Berliner die Regler an der Musikanlage hoch - und erst kurz vor vier Uhr morgens wieder herunter. Denn so lange tanzten etwa 300Nachtschwärmer in der Tiefgarage der Fabrikanlage Wirkbau an der Annaberger Straße. "Die Garage haben wir gemeinsam mit den Betreibern vom Club Atomino extra in eine Tanzfläche umbauen lassen", so Tobias Fischer, Chef der Wirkbau-Fabrik, die sich zunehmend zum citynahen Standort für hippe Kunst und aufstrebende Wirtschaft mausert. "Und weil Lars Eidinger in der Kulturszene nicht nur als angesagter Schauspieler bekannt ist, sondern auch als Fotograf, Installationskünstler und Discjockey, haben wir ihn für diese besondere Nacht gebucht", so Fischer weiter. Eidinger habe den Abend im Chemnitzer Untergrund sehr genossen und wolle wiederkommen, freute sich Tobias Fischer später, am gestrigen Freitag.

Zu diesem Zeitpunkt war im Wirkbau schon wieder Betrieb. Statt Nachtschwärmern wuselten nun Büro- und Fabrikarbeiter über das Gelände. Und alle schauten neugierig an die Werkshallenfront, die Richtung Annaberger Straße zeigt. Denn dort prangen seit Donnerstagabend insgesamt 33 Leuchtstoffröhren, die den Namen "Europa" formen. Der Schriftzug soll die kommenden Monate an der Wand leuchten. Wie lange genau, kann Tobias Fischer noch nicht sagen. Weil die Installation von Standort zu Standort reist, sei das unklar. Bisher hatte "Europa" unter anderem schon an der Agneskirche in Berlin oder an der Jahrhunderthalle in Bochum geleuchtet. Entwickelt hat den Schriftzug unter anderen die Architektin Caro Baumann vom Berliner Planungsbüro "More Platz" (mehr Platz). Sie sagte zu ihrer Installation: "Europa mangelt es derzeit an Sichtbarkeit, an öffentlicher Präsenz und positiver Resonanz. Die Beständigkeit der europäischen Idee ist existenziell, besonders über die aktuell schwierige Phase, siehe Brexit, hinweg." Warum der Schriftzug nun gerade mitten in Chemnitz hängt? Weil Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Freizügigkeit auf einer mehr oder weniger kontinuierlichen Entwicklung beruhten, die die vergangenen Generationen bedacht, erkämpft und aufgebaut haben - eben auch und vor allem in Chemnitz. Und die Stadt will mit der Leuchtreklame nicht zuletzt auf ihre Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 aufmerksam machen.

Den Schriftzug anknipsen durfte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Denn die Tiefgaragenparty und die Vernissage rund um die Lichtinstallation wurden parallel zur Eröffnung der diesjährigen Tage der Industriekultur in Chemnitz gefeiert. Es ist die zehnte Auflage des wirtschaftskulturellen Festivals. "Es macht den Eindruck, als könnte das was Gutes werden", hatte die OB in ihrem Grußwort in Richtung der Menschen gesagt, die den Wirkbau als neuen Standort für Wirtschaft, Technologie, Kunst und Kultur voranbringen wollen. "Diese Entwicklung ist für die Stadt ein sehr großer Gewinn", so Ludwig weiter. An diesem Wochenende wird sie gleich mehrfach auf dem Areal unterwegs sein. Ebenso wie Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Er ist der Organisator der Tage der Industriekultur und verantwortlich für ein Festival im Festival. Denn zwei Tage lang wird der Wirkbau nun im Rahmen der Tage der Industriekultur offener Raum für Kunst sein. Graffitisprayer und Straßenmaler aus ganz Deutschland werden unter anderem vor Publikum gegeneinander antreten. Kinder können aus Kartons Städte bauen, Musiker spielen auf. Am Sonntag, ab 14 Uhr, präsentieren die Unterstützer rund um die Bewerbung der Stadt Chemnitz zur Kulturhauptstadt 2025 erstmals Auszüge aus dem Bewerbungsprogramm.

Auch nach den Tagen der Industriekultur wird es dann auf dem Wirkbau-Gelände weiter kunstvoll zugehen. Denn nicht nur die Schriftinstallation "Europa" wird vorerst hängen bleiben. Zur Veranstaltung am Donnerstag eröffneten auch zwei neue Kunsträume auf dem Areal. Die Chemnitzer Galeristin Konstanze Wolter wird künftig immer donnerstagabends in einem Dunkelraum namens "E.Artis-lab" projizierte Videokunst zeigen. Zusätzlich richteten die Betreiber des Wirkbaus eine neue Event-Halle ein. Darin läuft noch bis Ende Oktober die Ausstellung "Looking forward" mit Werken verschiedener Künstler. Nächstes Jahr ist dort unter anderem eine Kaffeemesse geplant.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
14Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Blackadder
    03.10.2019

    War klar, dass da nichts mehr kommt.

  • 4
    2
    Blackadder
    02.10.2019

    Was denn?

  • 2
    6
    Interessierte
    02.10.2019

    Weil bei Ihnen einiges nicht stimmt , was Sie uns erzählen von ´unserer`Stadt ....

  • 4
    3
    Blackadder
    01.10.2019

    Ganz einfache Frage, Frau Interessierte: Warum glauben Sie mir nicht, dass ich seit 1993 in Chemnitz lebe?

  • 3
    6
    Interessierte
    01.10.2019

    Warum Sie nun gerade den Syrer erwähnen , das wundert mich , da sieht man wohl an den Scheiben noch die Umrisse kleben - oder hat Ihnen das jemand gesagt ?

  • 3
    4
    Interessierte
    30.09.2019

    Sogar 4 Restaurants waren im und um dem "eins" ...
    Und in einem davon wurde doch ein Ausländer erstochen , oder war es ein Deutscher von einem Ausländer , das wissen Sie doch sicherlich noch ...

  • 4
    2
    Blackadder
    30.09.2019

    @Interessierte: Ein Syrer war da drin, ja da war ich schon. Ich lebe ja seit 1993 in Chemnitz und vorher nicht weit weg, wie ich schon sagte.

  • 1
    5
    Interessierte
    30.09.2019

    Auf der Seite steht auch :
    Doch zunehmend klopfte eine Konkurrenz an die Tür: das Fernsehen ließ die Epoche des guten, alten Kinos zu Ende gehen, so auch des „Europas“.
    Im Jahr 1992 von der UFA-Theater GmbH übernommen, schloss das Kino 1998 wegen zu geringer Besucherzahlen seine Tore.

    Im Jahr 1998 gab es schon diese 3Restaurants im / am „eins“ ,
    Da waren sie doch noch jung , waren Sie dort auch einmal , das war schön nischwahr ???

  • 9
    2
    Blackadder
    28.09.2019

    Tja, Intetessierte: wenn man nicht von hier ist, kann man das eben nicht so wissen. Wir haben damals kurz bevor es geschlossen hat noch jede Menge alte Filmplakate dort abgestaubt und auch Aufsteller!

    Heute gehen wir lieber ins Metropol und Siegmar.

    In den Wirkbau wollen wir morgen auch mal gehen, die Vorstellung Kulturhauptstadt Bewerbung interessiert mich sehr. Vielleicht sieht man den einen oder anderen Kommentator ja dort?

  • 3
    2
    Interessierte
    28.09.2019

    Stimmt , es steht nur noch das Wohnhaus - mit der Leuchtschrift , aber eine schöne Seite ...

  • 6
    1
    osgar
    28.09.2019

    Da gibt’s nichts zu sanieren, einfach mal informieren und nicht nur interessieren.

    http://www.ag-sonnenberg-geschichte-in-chemnitz.de/Wissenswertes/Kino_Europa.htm

  • 2
    7
    Interessierte
    28.09.2019

    Da gab es doch mal das "Europa" Kino , wann wird denn das mal saniert ?

    Stimmt , j35r99 ;-)

  • 6
    0
    j35r99
    28.09.2019

    Als ich den Schriftzug "EUROPA" sah, habe ich gleich an das Lichtspieltheater in Chemnitz/Hainstr. gedacht.

  • 15
    5
    d0m1ng023
    28.09.2019

    Ich weiß zwar nicht was im Wirkbau zukünftig geplant ist, aber der Beschreibung nach erinnert das ein klein wenig an die Schönherrfabrilk. Kann ich nur begrüßen. Chemnitz braucht mehr solche (sogenannten) Kreativzentren, Innovationslabore, "Spacelabs"...



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