Chemnitz-Leipzig: Die neuen Gebrauchten

Die Pannenbahn bessert nach: Sie verspricht modernere Züge, weniger Ausfälle, mehr Information. Allerdings nicht gleich.

Züge: Aus alt wird etwas jünger - die Waggons aus dem Bestand der Deutschen Reichsbahn, die auf der Strecke Chemnitz-Leipzig unterwegs sind, sollen durch modernere Wagen ersetzt werden. Das haben am Mittwoch der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und der Betreiber der Linie, die Mitteldeutsche Regio-Bahn (MRB), angekündigt.

Künftig sollen pro Fahrt zwei Doppelstock- und zwei Reisezugwagen eingesetzt werden. Letztere stammen von 1992 und sollen laut VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus mehrfach saniert worden sein. Diese Wagen mit Abteilen sind nicht klimatisiert und nicht barrierefrei. Sie fuhren früher als Nachtzüge durch Europa, so Neuhaus. Die Doppelstockwagen, Baujahr 1995, waren bis vor kurzem in Freiburg im Einsatz. Während der Doppelstock-Steuerwagen barrierefrei erreichbar und mit Plätzen für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder ausgestattet ist, soll der Doppelstock-Mittelwagen unter anderem eine Klimaanlage haben. In allen Waggons, die zusammen über 350 Sitzplätze zählen, sei W-Lan verfügbar. Sie fahren mit zeitgemäßen Scheiben- statt den lauten Klotzbremsen. Die ersten sollen ab dem ersten Quartal 2019 von Leipzig nach Chemnitz auf die Schienen kommen.

VMS und MRB reagieren mit den Änderungen, die zum Übergangskonzept bis zum geplanten Beginn der Elektrifizierung der Strecke Ende 2027 gehören, auf die Kritik an der Linie. Vor allem die schmalen, hohen Einstiege und die fehlende Barrierefreiheit wurden bemängelt.

Ausfälle: Die Anzahl der Fahrtausfälle soll gesenkt werden, kündigte der VMS an. Bisher habe es bei Störungen und gleichzeitiger Instandhaltung eines Zuges keine Reserve gegeben, deshalb stehen künftig fünf statt vier Züge bereit.

Instandhaltung: Die Züge werden derzeit in Delitzsch gewartet. Die Anfahrt von Leipzig bzw. Chemnitz nach Nordsachsen sei Teil des Problems gewesen, weshalb Züge nicht schnell verfügbar waren, sagte Mathias Korda vom VMS. Deshalb sollen die Bahnen ab 2019 in Chemnitz instand gesetzt werden. Vom Hauptbahnhof seien die Züge innerhalb von 15 Minuten auf dem Betriebshof, so Korda.

Fahrgastinformation: Um die Fahrgäste über Verspätungen und Ausfälle zu informieren, will die MRB eine App einführen. Zudem soll der Service auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof verbessert werden, so der VMS. Auf dem Querbahnsteig in der Abfahrtshalle wird nur wenige Meter vom Bahnsteig des Zuges nach Leipzig entfernt ab dem zweiten Quartal 2019 ein Infopunkt aufgebaut.

Kosten: Die Investition in die Züge beträgt rund elf Millionen Euro. Eine Hälfte trägt der Freistaat, die andere Hälfte teilen sich der VMS und der Nahverkehrsraum Leipzig. Dem Konzept müssen die Mitglieder der Verbandsversammlungen noch zustimmen, darunter OB Barbara Ludwig. Nachdem sie dem Einsatz der alten Reichsbahnzüge blind vertraut hatte, kündigte sie an, dass ihr das kein zweites Mal passieren wird. "Selbstverständlich" werde sie sich die Züge vor der Beschlussfassung ansehen, bekräftigte ein Stadtsprecher. Die Züge sind derzeit auf dem Ostseefährhafen Mukran geparkt.

Für den Fahrgastverband Pro Bahn sind die Änderungen "ein Schritt in die richtige Richtung", so Markus Haubold, Referent Südwestsachsen im Landesverband Mitteldeutschland. Die Barrierefreiheit sei wichtig. Dennoch hätte man schon viel eher aktiv werden müssen, um die Probleme auf der Linie zu lösen.


Kommentar: SpäteReaktion

Dass auf einer Strecke, über deren Ausbau lange Zeit Unklarheit herrschte, keine neuen Züge eingesetzt werden, ist nachvollziehbar. Eine fehlende Klimaanlage ist auch nicht das Problem, wohl aber, dass Fahrgäste im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder Fahrrad bis heute nur schwerlich mit der Bahn nach Leipzig kommen. Die barrierefreien Doppelstockwagen sind insofern eine gute Lösung. Und eine vergleichsweise einfache, bei der man sich fragt, warum es sie erst jetzt gibt. Über Jahre wurden Fahrgäste vergrault - ein Fehler, den sich Politik und Streckenbetreiber ankreiden lassen müssen.

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