Chemnitz und Düsseldorf - Nicht nur auf dem Papier Partner

Seit über 30 Jahren sind die beiden Städte verbunden. Die Kontakte gehen längst über die zwischen den Verwaltungen hinaus.

Statt mit symbolischen Gesten haben die Partnerstädte Chemnitz und Düsseldorf den Fall der Mauer vor 30 Jahren ganz praktisch gefeiert - mit einem Besuch von 30 Düsseldorfern in Chemnitz. Und während ihres dreitägigen Aufenthaltes trafen sie ebenso viele Chemnitzer, die im März den Gegenbesuch antreten werden. Die Gäste besuchten unter anderem das Kaßberg-Gefängnis, unternahmen eine Stadtrundfahrt und sahen eine Aufführung im Figurentheater. Zu einer Gesprächsrunde am Sonntag im Stadtverordnetensaal war dann auch die Öffentlichkeit eingeladen. Dabei kamen auch Erinnerung an einen Sonderzug zur Sprache, der 1990 von Chemnitz nach Düsseldorf fuhr. Tatsächlich handelte es sich wohl um eine Zugverbindung, die ganz normal im Fahrplan stand, auch schon vor dem Mauerfall, "nur dass wir vorher an der Grenze hätten aussteigen müssen", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. 1990 fuhr eine Delegation der Demokratisch-Oppositionellen-Plattform nach Düsseldorf und wurde dort am Bahnhof empfangen. "Es war so viel Glück damals", sagte Ludwig zur Stimmung nach dem Mauerfall, "wo ist das alles hin?". Heute werde alles nur noch negativ betrachtet. "Aber das Land war nicht mehr zu retten", so Ludwig. Ebenfalls im Sonderzug saß Claudia Hähle. Ihre Mutter hatte schon vor dem Mauerfall nach Düsseldorf reisen dürfen. "Dann hat sie mich mit in diesen Zug gepackt, damit ich das auch erleben kann", sagte Hähle. Sie habe damals einen Adidas-Rucksack aus Düsseldorf mitgebracht, sich sonst als Kind aber kein differenzierteres Bild machen können. Das wolle sie nun nachholen, weshalb sie sich für das Bürgeraustauschprojekt beworben hatte. Übrigens gab es so viele Bewerber, dass das Los über die 30 Plätze entscheiden musste.

Die Düsseldorferin Christiane Schiller zeigte sich vor allem von der Offenheit der Chemnitzer beeindruckt. "Wir hätten auch eine gewisse Reserviertheit erleben können", sagte sie. Mit den Chemnitzern habe sie über Ost-West-Kontakte im geteilten Deutschland, das Schulsystem damals und heute, Kinderbetreuung und Arbeitsbiografien gesprochen. Vorher sei sie entsetzt gewesen über die Wahlergebnisse in Chemnitz und die Ausschreitungen im Herbst 2018. "Aber es lohnt sich, herzukommen. Jetzt habe ich auch friedliche Leute gesehen und kenne mehr als die TV-Bilder von pöbelnden Menschen", sagte sie.

Einige Überraschung in Chemnitz erlebt hat Dieter Claas. Die breiten Straßen und niedrigen Mieten seien ihm aufgefallen, sagte der Düsseldorfer. Und: "Die Sauberkeit hier ist beeindruckend. bei uns liegt viel mehr Müll rum", sagte er. Mit neuen Freunden in Chemnitz kehrt Olaf Berk nach Düsseldorf zurück. Beim ersten Abendessen saß er mit dem Chemnitzer Wolfgang Kandt an einem Tisch. Beide seien sich sofort sympathisch gewesen. Und als sich herausstellte, dass Berk noch nie den Begriff "Mauerspecht" gehört hatte, traf der Chemnitzer Kandt eine Entscheidung: Am Sonntag überreichte er seinem neuen Freund ein Stück Berliner Mauer, das er selbst herausgeschlagen hatte.

An ganz praktische Auswirkungen der Partnerschaft mit Düsseldorf kann sich Reiner Amme vom Bund für Umwelt und Naturschutz erinnern. Er war Mitglied einer der ersten Vereine, die nach dem Mauerfall gegründet wurden. Ein Düsseldorfer Verein aus dem Sozialbereich habe dabei geholfen, den Verein "Selbsthilfewohnprojekt Further Straße" (SWF) zu gründen und mit einer Spende ein Jahr lang den Geschäftsführer bezahlt. Es sieht danach aus, dass die Partnerschaft auch in Zukunft lebendig bleibt. Eine Düsseldorferin kündigte an, einen Choraustausch initiieren zu wollen und eine Chemnitzerin will zum Tanzfestival einladen.


Deutsch-Deutsche-Freundschaft

Im Jahr 1987 bat der damalige Oberbürgermeister von Düsseldorf, Klaus Bungert, die SED-Spitze darum, einen Kontakt zwecks einer deutsch-deutschen Städtepartnerschaft herzustellen. Dafür auserwählt wurde Karl-Marx-Stadt und 1988 konnte die Partnerschaft offiziell besiegelt werden. Nach dem Mauerfall unterstützte Düsseldorf die Partnerstadt beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung. Nach wie vor stehen beide Stadtverwaltungen bei Fachfragen in Kontakt.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    8
    Interessierte
    11.11.2019

    Davon hat man doch 30 Jahre nicht bemerkt , nicht einmal dieser geschenkte Mann , der da auf dem Kopf steht , war mir mit dieser Verbindung bekannt …

    Nach dem Mauerfall unterstützte Düsseldorf die Partnerstadt beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung
    ( war das in Verbindung mit diesem Nolte ???



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