Chemnitz: Zwangsarbeit in der NS-Zeit - Umstrittene Ehrung kommt auf den Prüfstand

Chemnitz. Nach massiver Kritik will der Rotary Club Chemnitz die von ihm initiierte Ehrung für Carl Hahn (1894-1961), eines früheren Vorstandsmitglieds der Auto Union Chemnitz, auf den Prüfstand stellen. Präsident Michael Wagner kündigte für kommende Woche eine Beratung im Vorstand an. Hahn war im September mit einer Gedenkplatte am Roten Turm als "Großer Chemnitzer" geehrt worden. Wegen der Rolle der Auto Union in der NS-Zeit stößt die Ehrung seither auf Widerspruch. Der Konzern hatte für die Rüstungsproduktion Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet.

Auf einem von der Stadtverwaltung veranstalteten öffentlichen Forum haben sich am Dienstagabend Historiker einhellig für eine Entfernung der Gedenkplatte ausgesprochen. Die Ehrung erscheine "peinlich aus der Zeit gefallen" und stehe völlig im Widerspruch zur politischen Kultur der Bundesrepublik, sagte Professor Rudolf Boch von der TU Chemnitz. Der Historiker Tim Schanetzky von der Universität Jena äußerte, viele der zu Hahns Entlastung vorgetragenen Argumente erinnerten an das, was schon in den Kriegsverbrecherprozessen in den 1940er-Jahren zur Verteidigung der Angeklagten vorgetragen worden sei. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, die der Ehrung zugestimmt hatte, sprach von einem Fehler, den sie mit zu verantworten habe. "Wir hätten genauer hinschauen müssen", sagte sie.


Mehrere, vor allem ältere Besucher hingegen kritisierten die entfachte Diskussion und bezeichneten diese als schäbig. Einigen "Nörglern und Besserwissern" gehe es offenbar darum, die Familie Hahn zu vernichten, hieß es. Carl Hahn war der Vater des Chemnitzer Ehrenbürgers und früheren VW-Vorstandschef, Professor Carl H. Hahn (geb. 1926).

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