Chemnitzer Buchhändler unter den besten in ganz Deutschland

Zwei Auszeichnungen bescheren Ladenbesitzern mehr Geld in der Kasse. Doch das soll nicht einfach auf dem Konto landen.

Kaßberg.

Die Buchhandlung "Lessing und Kompanie" gehört zu den besten in der gesamten Bundesrepublik. Das hat den Inhabern Susanne Meysick und Klaus Kowalke jetzt Kulturstaatsministerin Monika Grütters beurkundet.

Jedes Jahr, nun zum vierten Mal, schüttet die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien 850.000 Euro aus und belohnt so die 118 besten, unabhängigen und inhabergeführten Buchgeschäfte mit dem Deutschen Buchhandlungspreis. 25.000Euro erhalten dabei jeweils die drei besten Bücherläden. Die Preisverleihung war diesmal in Kassel. Viermal hatten sich auch die Kaßberger schon beworben. Zweimal wurden sie als hervorragende Buchhandlung ausgezeichnet, nahmen 2015 und 2016 jeweils 7000 Euro mit. Diesmal gab es nun den Hauptpreis. "Auf der Bühne hatte ich vor Aufregung weiche Knie", so Susanne Meysick.

Zu den ersten Gratulantinnen in der Kasseler Documenta-Halle gehörte eine andere Chemnitzerin: Wenke Helmboldt, als Inhaberin der Buchhandlung "Universitas" in Reichenhain Mitbewerberin ihrer Kollegen vom Kaßberg. Auch sie hatte sich in den vergangenen Jahren mehrfach um die Auszeichnung beworben. Nun gewann sie in der Kategorie "Hervorragende Buchhandlung" die Anerkennung in Höhe von 7000 Euro. "Für eine Stadt mit einer so kleinen Buchhändlerszene, ist es ungewöhnlich, dass zwei Preise vergeben werden", so Wenke Helmboldt. Und Klaus Kowalke ergänzt: "Es ist ein Fingerzeig in Richtung Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025." Wer vermute, die Buchhandlungspreise wären nach Chemnitz gegangen, um nach den Ausschreitungen der vergangenen Monate ein Zeichen zu setzen, irrt. Die Preisträger waren laut Kowalke bereits Mitte August ausgewählt worden.

Die Liebe zu hochwertiger Literatur, Lesungen mit hochkarätigen Gästen und kulturelles Engagement bei Nachbarschaftsfesten: "Wir wissen alle, dass die Betreiber von Lessing und Kompanie da Vorreiter sind", spricht Wenke Helmboldt für die Buchhandelsszene. "Deshalb ist der Preis für dieses Geschäft auch hochverdient." Der aus der Nähe von Braunschweig stammende Klaus Kowalke verlegte von 1996 bis 2001 Bücher in Berlin, studierte Philosophie und Geschichte. Seine Partnerin Susanne Meysick, geboren im sachsen-anhaltinischen Zeitz, seit 1989 Chemnitzerin, ist Sozialpädagogin. Gelernte Buchhändler sind also beide nicht. "Uns war bei Gründung der Buchhandlung vor mehr als zehn Jahren der Qualitätsanspruch wichtig", so Klaus Kowalke. "Im Mittelpunkt sollten literarische Bücher stehen, keine Ratgeber."

Und so fließt ein Großteil des Geldes nun auch in den Ankauf von Büchern unabhängiger Verlage oder in die Veranstaltung kulturpolitischer Lesungen. Am 26. November zum Beispiel kommt Carolin Emcke, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels. Sie liest im Kino Metropol aus ihrer Gesellschaftsschrift "Gegen den Hass". Ihren Verlag hatte Kowalke angeschrieben, ob er solch eine Lesung gerade in Chemnitz durchführen würde.

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