Chemnitzer FC in Schieflage - Stadtspitze will Verein retten

Der Verein hat über seine Verhältnisse gelebt - im Etat klafft ein Millionenloch. Jetzt soll die Kommune einspringen. Falls das misslingt, könnte es das Ende des Profifußballs in der drittgrößten Stadt Sachsens bedeuten.

Chemnitz.

Kreidebleich und mit ernsten Mienen sind am Donnerstag die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) und der Vorstands-Chef des Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC, Mathias Hänel, bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz vor die Öffentlichkeit getreten. Anlass des Termins ist das Defizit im Vereins-Etat - es beläuft sich laut Hänel auf über zwei Millionen Euro. Ohne finanzielle Hilfe von außen droht dem Verein die Insolvenz und der Stadt Chemnitz der Verlust des Profifußballs.

Die finanzielle Nothilfe soll nun vor allem von der Kommune kommen. Die Rathausspitze will dem Verein vorbehaltlich der Zustimmung durch den Stadtrat eine Summe von 1,26 Millionen Euro überweisen. Das Geld, so erklärte Oberbürgermeisterin Ludwig gestern, stehe dem Verein zwar zu, sei bisher aber aus politischen Gründen nicht ausgezahlt worden.


Hintergrund der Zahlung ist die Aufkündigung des Erbbaurechtsvertrags für das Stadiongrundstück vor vier Jahren: Weil auf dem Areal die neue Arena errichtet werden sollte, musste der eigentlich bis 2060 gültige Erbbaurechtsvertrag zwischen CFC und Stadt aufgelöst werden. Der Verein verlor damit seine Rechte an dem Grundstück, daher steht ihm eine Entschädigung zu - laut einem von der Stadt beauftragten Gutachten 1,26 Millionen Euro. Bisher sei die Summe aber nicht ausgezahlt worden, erklärte Ludwig gestern, weil es der Öffentlichkeit schwierig zu vermitteln gewesen wäre, dem Fußballverein neben einem mit Steuergeld bezahltem Stadion auch noch eine Entschädigung zu überweisen. Die Community4you-Arena war im Juni dieses Jahres eröffnet worden. Die Gesamtkosten dafür lagen bei 27 Millionen Euro.

Nun soll die Entschädigungssumme doch überwiesen werden, um den Verein vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Doch der Millionenbetrag der Kommune allein wird nicht ausreichen, um die wirtschaftliche Schieflage des Vereins geradezurücken: Wie die Chemnitzer Oberbürgermeisterin bestätigte, wird der mehrheitlich kommunale Energieversorger Eins dem CFC zusätzlich ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro gewähren. Die Auszahlung der Summe sei an bestimmte Bedingungen geknüpft, so Ludwig. Die Gesellschafter des Unternehmens, darunter viele Kommunen in Südwestsachsen, hätten den Plänen zugestimmt, so Ludwig.

Zur Frage, wie es zu der finanziell bedrohlichen Situation kommen konnte, sagte Vorstands-Chef Hänel, dem Verein seien "die Kosten davongelaufen". Zugleich räumte er Versäumnisse und Planungsfehler ein. Der neue CFC-Geschäftsführer Dirk Kall - er kam im Sommer nach Chemnitz - erklärte, die Schwierigkeiten seien erstmals mit dem Jahresabschluss für die vergangene Saison deutlich geworden. Ursache seien die hohen Kosten für den Betrieb des neuen Stadions gewesen, aber auch die Verstärkungen für den Drittligakader zur Winterpause der vergangenen Saison sowie die Abfindungszahlungen nach der Entlassung von Ex-Trainer Karsten Heine. Im Frühjahr stand der Club auf einem Abstiegsplatz.

Weitgehend offen blieb am Donnerstag die Frage, mit welchen Auflagen der Verein nun von Seiten des Deutschen Fußballbundes (DFB) rechnen muss. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sieht offenbar schon Konsequenzen für den Fall, dass der Stadtrat die Millionenzahlung an den Verein ablehnen sollte. Dann, so das Stadtoberhaupt, bestehe das Risiko von weitreichenden Auflagen und Strafen durch den DFB "bis hin zur Gefahr für den Profispielbetrieb".

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