Chemnitzer feiern ihre Eiskönigin

Ex-Eislauftrainerin Jutta Müller wird 90 Jahre alt. In der Eissporthalle erlebte sie noch einmal einen Streifzug durch ihre Karriere. Das kam beim Publikum gut an. Es äußerte aber auch Kritik.

Nein, sagen wollte sie nichts. Nicht in der Öffentlichkeit. Stattdessen genoss Jutta Müller einfach. Rund 3000 Besucher waren am Samstagabend in die Eissporthalle gekommen, um das vom Chemnitzer Eislauf-Club (CEC) auf die Beine gestellte Eismärchen zu sehen. Aber auch, um ihr zu huldigen, der wohl erfolgreichsten Eiskunstlauf-Trainerin der Welt, die am kommenden Donnerstag 90 Jahre alt wird. Die Veranstalter hatten der Haupt- extra eine etwa dreiviertelstündige Zusatzshow vorgeschaltet. Ein von Ingo Steuer komponierter Streifzug durch die Karriere der Jubilarin, der schließlich in Applaus und einem von Moderator Reinhard Mirmseker intonierten Ständchen mündete.

Das Konzept verfing. Über eine Leinwand im hinteren Bereich flimmerten alte Original-Aufnahmen der Schützlinge von Jutta Müller bei deren größten sportlichen Erfolgen. Auf dem Eis stellten Nachwuchsläufer gleichzeitig die großen Küren unter anderem von Gaby Seyfert, von Jan Hoffmann und Katarina Witt nach - unter den Blicken der Vorbilder, die sich die Show nicht entgehen ließen. Katarina Witt zückte hinterher die symbolische Höchstnote 6.0 für die "Carmen" - mit der Kür hatte die heute 53-Jährige 1988 bei den Winterspielen in Calgary zum zweiten Mal Olympisches Gold gewonnen. "Die erste Goldmedaille vier Jahre zuvor war die wichtigere. Aber bei der zweiten war der Druck natürlich viel größer. Die Welt hat zugeschaut, und das musste man irgendwie ausblenden", sagte Witt, die zudem den Perfektionismus ihrer ehemaligen Trainerin hervorhob. "Sie brachte die Ideen für die Musik mit, für die Kostüme, für die Frisur, überließ nichts dem Zufall".

Müllers Tochter Gabi Seyfert, die zwischen 1967 und 1970 fünfmal Gold bei Welt- und Europameisterschaften holte, blickte unterdessen noch einmal zurück in die Anfangszeit. "Angefangen hat es damals nicht hier drin in der Halle, sondern draußen auf dem Tennisplatz, der im Winter vereist wurde, damit wir darauf trainieren können. Da war oft erst einmal Schneeschieben angesagt." Ist Seyfert mit ihren 70 Jahren mittlerweile selbst im verdienten Ruhestand, gilt dies für Jan Hoffmann noch nicht. Der sechsfache WM- und EM-Sieger praktiziert als Arzt in Radeberg, seinem Sport ist er aber trotzdem treu geblieben. "Obwohl ich nie Trainer werden wollte", wie er gestand. Dafür wurde der 63-Jährige Preisrichter und war bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Olympischen Spielen im Einsatz. Mittlerweile werte er allerdings nur noch in Sachsen.

Bei den Besuchern kam die Show gut an. "Das war schon ziemlich gut gemacht", sagte Matthias Schmeißer. Kritik hatte er allerdings auch. "Die Filmszenen waren von der gegenüberliegenden Seite aus sehr schlecht zu sehen". Das fand auch Peggy Uhlig, der die Veranstaltung ansonsten ausgezeichnet gefiel: "Zwei Leinwände wären besser gewesen". Laut Michael Schobner vom CEC sei dies erwogen worden, aber nicht zu finanzieren gewesen.

Stattdessen flossen sämtliche Ressourcen in das Eismärchen, das nach Jutta Müllers Ehrung die Besucher verzauberte. 175 Kinder, Jugendliche und Erwachsene brachten in diesem Jahr den "Nussknacker" aufs Eis. Die Geschichte von E.T.A. Hoffmann wurde mit der Musik von Peter Tschaikowski, unterbrochen von einigen Weihnachtsliedern, dargeboten. "Wir haben im Februar mit der Arbeit begonnen", so Schobner. Seit 14 Jahren gebe es das Eismärchen in der Vorweihnachtszeit, seit neun Jahren inszeniere es der CEC. Etwa 14.000 Karten habe man in diesem Jahr für die sieben Vorstellungen verkauft, deren letzte am Samstag übers Eis ging. "Und das völlig reibungslos", so Schobner, der sich nur über eine Sache ein wenig pikiert zeigte. "Es ist sehr schade", sagte er, "dass sich Kati Witt das Märchen nicht mehr angeschaut hat." Während der Aufführung aß sie mit Jutta Müller und anderen Gästen in der Vip-Lounge, von der aus man aber in die Eishalle blicken kann, zu Abend.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...