Chemnitzer Modell - Pannen bremsen neue Bahnen aus

Seit Mitte Oktober fahren die City-Link-Züge bis in die Innenstadt - eigentlich. Denn häufig ist schon am Hauptbahnhof Endstation. Der Betreiber spricht von "ein paar Unzulänglichkeiten".

Manche Fahrgäste nehmen es mit Humor: "Das ist doch lachhaft", sagt der junge Mann am Hauptbahnhof. Andere sind genervt oder wundern sich: "Es hat so viele Probefahrten gegeben, da dürfte es die Schwierigkeiten nicht geben", so eine junge Frau. Grund des Ärgers: die neuen City-Link-Bahnen des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). Auch gestern lief es wieder alles andere als rund: Es gebe nicht genügend Fahrzeuge "für einen Vollbetrieb", teilte der Betreiber auf seiner Internetseite mit. Und am Morgen blieb eine Bahn auf der Kreuzung Straße der Nationen/Brückenstraße plötzlich stehen - technischer Defekt. Derartige Pannen treten immer wieder auf. Die Probleme im Einzelnen:

Havarien an den Bahnen: Mindestens 20 Fahrten mit den neuen Bahnen sind allein in der vergangenen Woche ausgefallen. Nach Angaben des VMS lag das an technischen Problemen. Betroffen davon waren alle drei Linien - die C13 von Chemnitz nach Burgstädt, die C14 nach Mittweida sowie die C15 nach Hainichen. Einschränkungen gab es auch am Wochenende: Weil die Züge nicht ausreichten, war am Hauptbahnhof Endstation. Die City-Bahn selbst sprach auf ihrer Internetseite wieder einmal von "Engpässen bei der Fahrzeugverfügbarkeit".

Als Grund der zahlreichen Ausfälle gibt der VMS Probleme mit der Technik an. Auf dem Dach der Züge sind sogenannte "Powerpacks" installiert - Antriebseinheiten, die jeweils aus einem Dieselmotor und einem Generator bestehen. Außerdem musste ein Fahrzeug nach einem Steinschlag in die Werkstatt, weil die Fensterscheibe ausgetauscht werden musste, hieß es. VMS-Sprecherin Jeanette Kiesinger spricht von "vereinzelten Störungen, die sich eben gerade erst im anfänglichen regelmäßigen Betrieb bemerkbar machen". Das sei trotz der langen Testphase nicht voraussehbar gewesen, fügt sie hinzu. Als Ersatz für die ausgefallenen Züge hat der Betreiber, die City-Bahn-Gesellschaft, sogenannte Regio-Shuttle-Züge eingesetzt, die zumindest den Verkehr aus Richtung Burgstädt, Hainichen und Mittweida vom bzw. zum Hauptbahnhof aufrechterhalten sollten. Dort ist jedoch Schluss, da die Shuttles nicht auf Straßenbahngleisen fahren können, so VMS-Sprecherin Kiesinger.

Schäden an den Gleisen im Hauptbahnhof: Zwei Wochen nach der offiziell ersten Fahrt der City-Link-Bahnen bis zur Zentralhaltestelle verhinderten Bauarbeiten die Weiterfahrt ins Chemnitzer Stadtzentrum. Nach Angaben der Deutschen Bahn musste im Hauptbahnhof ein Entwässerungsrohr an der Nahtstelle zwischen Straßenbahn- und Eisenbahngleisen ausgetauscht werden. Der Schaden war mehrere Jahre bekannt, behoben wurde er erst jetzt. Die City-Link-Züge konnten dadurch nicht die Gleise 3 und 4 nutzen, über die die Weiterfahrt in die Innenstadt möglich ist. Die Fahrgäste mussten umsteigen, was eigentlich der Vergangenheit angehören sollte.

Für die Bauarbeiten verantwortlich war die Deutsche Bahn. Eine Sprecherin erklärte, dass es nicht möglich gewesen sei, die Reparaturarbeiten an der Tiefenentwässerung vor dem 10. Oktober und damit vor der Inbetriebnahme der kompletten Strecke in die Innenstadt durchzuführen. Zur Begründung verwies sie auf Fristen, die eingehalten werden müssen, um die Fahrplanänderungen der Öffentlichkeit mitzuteilen.

Gleisarbeiten auf den Bahnstrecken: Kurz darauf gab es erneut Bauarbeiten an den Gleisen zwischen Chemnitz und Mittweida, wieder fielen Züge aus. Und wiederum wurde an der Schnittstelle von Eisenbahn- und Straßenbahngleisen gearbeitet. Als Grund nannte die Deutsche Bahn kurz und knapp die Beseitigung von Schäden und Mängeln. Auch diese Arbeiten hätten laut Sprecherin nicht vor dem 10. Oktober erfolgen können.

Bauarbeiten am Streckennetz der Deutschen Bahn könne der VMS nicht beeinflussen, erklärte dessen Sprecherin Kiesinger. "Das legen die fest. Wir bedauern das." Die Deutsche Bahn informiere jedoch die betreffenden Verkehrsunternehmen in der Regel über die Arbeiten. Gleisbauarbeiten würden abgestimmt, um Überschneidungen zu vermeiden.

Das sagen die Betreiber: City-Bahn-Geschäftsführer Uwe Leonhardt sagt wörtlich, es gebe derzeit "schon ein paar Unzulänglichkeiten". Ebenso der VMS: Dort spricht man von einer "Häufung technischer Mängel an den Fahrzeugen". Zugleich hieß es von Seiten des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, es werde "mit Hochdruck an der Beseitigung aller bestehenden Schwachstellen gearbeitet". Der VMS ist ein kommunaler Zweckverband, Mitgliedskommunen sind die Stadt Chemnitz sowie die Landkreise Erzgebirge, Zwickau und Mittelsachsen. Der VMS ist Träger des Chemnitzer Modells, dem Verband gehören auch die City-Link-Bahnen. Betreiber der Strecke hingegen ist die City-Bahn-Gesellschaft. Sie beschäftigt die Bahnfahrer. Die City-Bahn-Gesellschaft ihrerseits ist ein Tochterunternehmen der CVAG.

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4Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    30.11.2016

    Fahren die auch bei 60 cm Neuschnee hier in der Erzgebirgsvorstadt oder sind die nur für den Sommer gedacht ?

  • 3
    1
    Zeitungss
    03.11.2016

    Die neuen Bahnfachleute (Bürgermeister, Landräte und was es alles noch so gibt) lassen sich dank mangelnder bzw. gar keiner Kenntnis vom Bahnbetrieb und Fahrzeugtechnik auf jedes Geschäft ein, Haupsache billig und persönlich von Vorteil, sonst würden sie es nicht tun. Pressesprecher müssen diesen Mangel in der Öffentlichkeit kaschieren, hilft aber nicht wirklich weiter. Die Umstellung der Strecke nach Mittweida auf Dieselberieb unter Fahrleitung in der heutigen heutigen Zeit läßt die Kompetenz dieser "Fachleute" voll erkennen. Die gleichen Experten feilen im stillen Kämmerlein an der blauen Plakette für den PKW. Die heutige Technik lässt die Unterbringung eines zweiten Stromssystems 15kv/16,7Hz Bahnstrom ohne riesigen Aufwand zu (siehe Karlsruhe / Kassel). In D. gibt es namhafte Hersteller welche mit Mehrsystemfahrzeugen Erfahrung haben, was man vom spanischen Ableger nicht behaupten kann.
    Wenn Bahnfachleute ein Krankenhaus leiten wird das aus fachlicher Sicht auch nichts, die Gage dafür ist aber wesentlich besser und nur das zählt.

  • 5
    2
    cn3boj00
    02.11.2016

    Die einen haben BER, die anderen Stuttgart21 oder die Elbphilharmonie, Chemnitz hat sein Modell! Nur redet niemand darüber wieviel Geld hier schon in den Sand gesetzt wurde. Kann die FP uns das sagen?

  • 5
    2
    Steuerzahler
    02.11.2016

    Ist das das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, bei der der Billigste den Zuschlag erhalten hat? Dementsprechend ist auch die Qualität, die geliefert wird. Es ist doch immer wieder das gleiche Problem damit!



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