Chemnitzer Mordkommission im Dauereinsatz

Nach zwei Toten in der vergangenen Woche beschäftigt nun ein dritter Fall die Ermittler. Gibt es Zusammenhänge?

Chemnitz. Acht Fälle von Mord oder Totschlag hat die Chemnitzer Polizei im Schnitt aufzuklären - pro Jahr. Nun kamen im Verlauf einer einzigen Woche möglicherweise gleich drei hinzu: Nach dem Fund eines unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommenen Mannes am vergangenen Mittwoch auf einer Industriebrache am früheren Wanderer-Werk in Schönau und dem gewaltsamen Tod eines 21-jährigen Syrers zwei Tage zuvor im Stadtpark wurde am Montag in einer Plattenbauwohnung in Markersdorf eine weitere leblose Person gefunden. Auch sie wurde sehr wahrscheinlich Opfer eines Verbrechens.

Der Einsatz gab den Beamten zunächst Rätsel auf. Denn ausgelöst wurde er durch einen 67-jährigen Mann, der am frühen Montagmorgen gegen 3.30 Uhr von einem Passanten gefunden wurde - schwer verletzt auf der Meinersdorfer Straße liegend. Was genau ihm passiert war, blieb zunächst offen. Manches sah auf den ersten Blick nach einem nächtlichen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht aus. Die schmale, wenig befahrene Straße gehört zur eher ländlichen Dorflage von Markersdorf, die sich inmitten der von fünf-, sechs- und elfgeschossigen Hochhäusern geprägten Gegend erhalten hat.

Doch nachdem der Mann von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht worden war, machten Polizeibeamte in dessen Wohnung in der nahe gelegenen Max-Müller-Straße eine grausige Entdeckung. "Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen", teilte die Polizei wenig später mit - ohne nähere Details zu der leblosen Person zu nennen, die sie dort gefunden hatte. Nach unbestätigten Informationen soll es sich um die Frau des Mannes handeln.

In der Nachbarschaft herrschte den ganzen Tag über ungläubiges Staunen angesichts der Absperrungen sowie des Großaufgebotes an Polizeibeamten und Kriminaltechnikern. Mehrere Eingänge des sechsgeschossigen Wohnhauses waren ringsum mit weiß-rotem Absperrband vor dem Zutritt Fremder gesichert worden, immer wieder zeigten sich Ermittler in weißen Schutzanzügen, dazu Teams von Radio und Fernsehen. "Eigentlich ist das hier doch eine ganz ruhige Gegend", sagte eine junge Frau mit ungläubiger Miene, als sie ihren Hund Gassi führte.

Das allerdings trifft auch auf die beiden anderen Orte zu, an denen in der vergangenen Woche jeweils ein Toter gefunden worden war. In beiden Fällen dauern die Ermittlungen noch an, die Staatsanwaltschaft hält sich mit Details bedeckt. Im Falle des Toten von der Industriebrache an der Zwickauer Straße ist noch nicht einmal offiziell bestätigt, ob der unbekannte Mann tatsächlich gewaltsam ums Leben kam. Auch über dessen Identität wurde noch nichts weiter bekannt. Bei dem 21-Jährigen indes, der in der Nacht zum 11. September am Rande des Stadtparks sein Leben verlor, hatte die Obduktion der Leiche den Verdacht eines Tötungsverbrechens rasch bestätigt. Wie der junge Syrer umgebracht wurde, dazu wollen die Ermittler in der Öffentlichkeit noch nichts sagen, um ihre Suche nach dem Täter nicht unnötig zu erschweren.

Gerade das wiederum heizt die Gerüchteküche an. Schon wird im Internet angesichts der seltsamen Häufung von Tötungsverbrechen und der jeweils eher spärlichen Informationen über einen Serientäter gemutmaßt, der im Stadtgebiet unterwegs sein könnte. Doch darauf, so betont ein Polizeisprecher, deute derzeit so ziemlich gar nichts hin. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist zwischen den einzelnen Taten überhaupt kein Zusammenhang zu erkennen", versichert er.

Im Fall der am Montag gefundenen Leiche deutet nach übereinstimmenden Aussagen aus dem Umfeld manches eher auf eine tragische Beziehungstat hin. Näheren Aufschluss geben könnte eine Vernehmung des 67-Jährigen. Ob und wann diese möglich sein wird, war noch nicht absehbar. Für die Mordkommission der Chemnitzer Polizei bleibt es damit bei jeder Menge Arbeit zur parallelen Aufklärung mehrerer Kriminalfälle. Bei Bedarf, so heißt es, würden die Beamten durch Ermittler aus anderen Kommissariaten unterstützt.

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