Chemnitzer Software steuert weltweit Technik in Flughäfen

Von Singapur, Moskau, Sofia und München aus betreut das Unternehmen IFD bereits Kunden in der Logistikbranche. Jetzt kommt eine weitere Tochterfirma dazu.

Wer jemals auf den Flughäfen in Hongkong, Shanghai, Bangkok oder Dresden gelandet ist und dort ohne Probleme seinen Koffer in Empfang nehmen konnte, hat das auch einer Entwicklung aus Chemnitz zu verdanken. Denn die Gepäckbänder auf diesen Airports werden mit Software der Firma IFD gesteuert, die ihren Sitz im Europark an der Schulstraße in Altchemnitz hat. Die beiden chinesischen Flughäfen und der in der thailändischen Hauptstadt sowie weitere Kunden aus der Logistik-Branche in Südostasien und Indien werden von Mitarbeitern der 1996 gegründeten IFD-Vertriebsgesellschaft im Stadtstaat Singapur betreut.

Auch die anderen Tochterunternehmen der Chemnitzer Softwarefirma sind in Verbindung mit großen Projekten entstanden, um dafür als Dienstleister vor Ort weiter an allen sieben Wochentagen rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, erklärt Verkaufsleiterin Susann Krogner. Bereits 1992 war das die Niederlassung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, die heute mit fast 30 Mitarbeitern zweitgrößter IFD-Standort ist. 2003 wurde im Zusammenhang mit einem Großauftrag von BMW eine Servicegesellschaft in München gegründet.


2014 folgte eine Niederlassung in Moskau, nachdem IFD vom größten russischen Bürobedarfshändler Komus den Zuschlag erhalten hatte, dessen Lager- und Filialnetz samt Online-Versand mit Software auszustatten. Und erst vor wenigen Wochen haben Mitarbeiter des Chemnitzer Unternehmens ihre neuen Büros in Dortmund bezogen. Wozu dort der Neubau gehört, in dem Software aus Chemnitz eingesetzt wird, darf allerdings aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden.

Von den nach Firmenangaben derzeit insgesamt rund 120 Mitarbeitern - überwiegend Informatiker, Softwareentwickler, Fabrikplaner und Mathematiker - sind etwa 60 am Hauptsitz in Chemnitz und die übrigen an den fünf anderen Standorten tätig. Gegründet worden war IFD im September 1990 von Dr.Jürgen Erkmann mit seinen Kollegen Holger Börner und Krassimir Dimitrov vom Lehrstuhl für Fabrikplanung der Technischen Universität Chemnitz. 2009 übergab Erkmann die Geschäftsführung des Familienunternehmens an seinen Sohn Kay Erkmann. Börner leitet heute den Standort in Singapur, Dimitrov den in Sofia.

Grundlage der Entwicklung des Unternehmens ist laut Susann Krogner die 1995 in den Markt eingeführte Lagerverwaltungssoftware Warehouse (deutsch: Warenhaus) Management System, kurz WMS. 2003 wurde sie um das Materialfluss-Steuerungssystem MFCS und 2005 um das Staplerleitsystem SLS ergänzt.

Bei allen Systemen geht es um die Optimierung von Lager- und Transportprozessen innerhalb von Betrieben - Fachleute sprechen von Intralogistik. "Wir helfen Unternehmen, ihre Lager richtig zu organisieren", erklärt die Verkaufsleiterin. Die Software sorge dafür, dass jeder Artikel den für seine Abmessungen optimalen Lagerplatz erhält, von Staplerfahrern oder automatischen Transportsystemen auf dem schnellsten Weg gefunden und pünktlich zu seinem Bestimmungsort gebracht wird - zusammen mit den anderen angeforderten Artikeln und bei Bedarf mit Schriftstücken, wie Rechnungen oder Werbeflyern. Installiert werden die Systeme entweder schon beim Neubau von Logistikzentren und Produktionsanlagen oder bei deren Umorganisation, dann oft in Verbindung mit einer Inventur.

Mit einer eigenen Forschungsabteilung beteiligt sich IFD regelmäßig gemeinsam mit Universitäten und Hochschulen an Projekten, deren Ziel maßgeschneiderte Lösungen für Kunden sind. "Virtuelle Realität ist zurzeit auch in der Logistik ein großes Thema", berichtet Susann Krogner. Gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Chemnitz hat IFD gerade ein fahrerloses Transportsystem für das Logistikzentrum des Telekommunikationsdienstleisters Komsa in Hartmannsdorf entwickelt.

Die Zusammenarbeit mit Studenten der Chemnitzer TU und der Berufsakademie Glauchau, denen Plätze als Werksstudenten oder für Praktika angeboten werden, nutzt IFD auch für die Gewinnung von dringend benötigtem Fachkräfte-Nachwuchs. Um in Chemnitz noch bekannter zu werden, unterstützt das Unternehmen soziale Projekte in der Stadt und will demnächst als Sponsor des Basketball-Zweitligisten Niners auftreten.

International hat IFD dagegen längst einen Namen. Rund 300 Projekte in 15 Branchen wurden bisher in Ländern Europas, Asiens und Amerikas umgesetzt, 20 davon in der Automobilindustrie, unter anderem bei Audi, BMW, MAN und VW. Etwa 150 Servicekunden betreut das Unternehmen als Dienstleister.

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