Christian Hirte: "Das ist erschreckend"

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung hat des im August getöteten Chemnitzers gedacht - und ein Lokal besucht.

Vor den Blumen und Kerzen auf dem Fußweg der Brückenstraße sind die politischen Botschaften noch klar: Was da in Chemnitz passiert ist, erklärt Christian Hirte am Montagnachmittag mit einiger Routine vor Medienvertretern, das sei seiner Überzeugung nach nicht typisch für die Stadt, für Sachsen, den Osten. "Die Mehrzahl der Menschen hier will mit Gewalttätigen und Radikalen nichts zu tun haben", so der CDU-Politiker. Ähnliche Vorfälle gebe es auch anderswo in Deutschland. "Nur ist die mediale Berichterstattung sehr stark auf den Osten fokussiert, und das ärgert mich."

Gut eine halbe Stunde später, vor der Tür des persischen Restaurants "Safran" unweit des Schloßteiches, da scheint es, als ahne der Ostbeauftragte der Bundesregierung, dass die Situation in Chemnitz vielleicht doch eine besondere sein könnte. Hirte hat soeben den Betreiber des Restaurants getroffen, einen aus seinem Land geflohenen Iraner. Nach einem Überfall auf das Restaurant Anfang des Monats verbrachte dieser mehrere Tage im Krankenhaus, noch heute sieht man ihm die Folgen jenes Tages an. Er habe Angst davor, dass es wieder passieren könnte, und dann vielleicht auch Nachbarn zu Schaden kommen, erzählt er. Immerhin befinde sich das Restaurant im Erdgeschoss eines Hochhauses. "Aber die Polizei fährt jetzt oft vorbei, das ist gut."

Hirte nennt das, was er im persönlichen Gespräch mit dem Restaurantchef erfahren hat, "erschreckend". Unbescholtene Bürger sähen sich Bedrohungslagen ausgesetzt, die regelmäßigen fremdenfeindlichen Kundgebungen strahlten offenbar Unsicherheit aus. Dass dem Betreiber zufolge viele Gäste das Lokal nun extra besuchten, um sich solidarisch zu zeigen, sei ebenso wichtig wie ein deutlicher Auftritt des Rechtsstaates in Form von Polizei. Und Hirte fügt hinzu: "Genauso wie bei kriminellen Ausländern."

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