Claußnitzerin ist dank Hilfen mobiler

Im November beginnt die neue "Leser-helfen"-Aktion der "Freien Presse". Mit den Spenden konnte zuletzt für eine gelähmte Frau ein spezielles Fahrzeug angeschafft werden.

Claußnitz.

Angela Graichen möchte ihren grünen Flitzer nicht mehr missen. "Ich bin sehr glücklich und fühle mich so frei. Dass es eine gute Sache wird, war mir klar. Aber dass es so gut wird und mir so viel gibt, konnte ich mir nicht vorstellen. Jetzt bekomme ich Angst bei dem Gedanken, dass ich das Auto nicht mehr hätte", sagt die Claußnitzerin.

In reichlich vier Wochen hatten die Leser der "Freien Presse" Ende 2019 knapp 30.000 Euro für sie gespendet. Das Ziel: ein Transporter, der mit einer Rampe und einem speziellen Sitz ausgestattet ist, sodass die 54-Jährige im Rollstuhl sitzend mitfahren kann. Bereits Anfang des Jahres kümmerte sich ein Vertreter eines Autohauses, mit dem der Verein "Leser helfen" der "Freien Presse" zusammenarbeitet, um die Beschaffung und Ausrüstung des Fahrzeugs. Seither freute sich Angela Graichen auf ein Transportermodell in Grasgrün. Seit Anfang Juni darf sie ihn ihr Eigen nennen.

"Ich habe eine ganze Weile gebraucht, ehe ich begriffen habe, dass das alles Wirklichkeit ist, dass so viele fremde Leute so viel Geld für mich gespendet haben und dass der Transporter nun da und meine ist. Ich bin unendlich dankbar und freue mich jeden Tag aufs Neue", sagt sie. Nun ist es ihr möglich, auch spontan einen Ausflug zu unternehmen oder zum Beispiel zum Einkaufen zu fahren - ohne lange Vorbestellung und vor allem ohne Kosten.

Angela Graichen ist seit einem Rückenmarksinfarkt vor knapp sechs Jahren vom Hals ab gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Wohnung in dem kleinen Haus in Claußnitz konnte sie nicht oft verlassen. Denn dazu muss sie gleich mehrere Hürden überwinden: per Treppenlift ins Erdgeschoss kommen, vom Lift in den Elektrorollstuhl gehoben werden und dann über eine Rampe mit dem Rollstuhl in einen Transporter kommen, in dem sie im verankerten Rollstuhl sitzend mitfahren kann. Derartige Fahrten übernahm bislang ein Fahrdienst.

Für Privatausflüge war der aber zum einen teuer und zum anderen auch stark ausgelastet, sodass man Bestellzeiten einhalten musste. Von Flexibilität konnte keine Rede sein. Umso mehr genießt Angela Graichen ihre neue Freiheit. Zwei bis drei Mal pro Woche sei sie unterwegs. Oft mit ihrer 15-jährigen Tochter Elea und ihren Eltern. Fahrer ist ihr Vater oder einer der beiden Söhne. "Wir waren in Leipzig im Zoo, zu Eleas Geburtstag in einem Freizeitpark, in Dresden im Botanischen Garten, in Karlsbad, im Elbsandsteingebirge", zählt sie auf. "Das ist aber längst nicht alles", fügt sie hinzu. Ganz besonders glücklich war sie über eine Fahrt nach München. Dort lebt ihre große Tochter. "Ich war seit dem Infarkt 2014 nicht mehr bei ihr zu Besuch.

Umso größer war die Freude für alle." Doch es sind auch die kleinen, alltäglichen Fahrten, die sie mit Glück erfüllen - in einen Park, auf einen Berg, durch Claußnitz. "Das ging ja alles nicht mehr. Jetzt bin ich wieder richtig unter Leuten und genieße das in vollen Zügen. Erst vor Kurzem war ich bei einer Gartenparty", berichtet sie.

Was ihr auch sehr gefällt ist, spontan einzukaufen. "Wenn man einen Fahrdienst dafür bezahlen muss, überlegt man sich dreimal, ob man fährt und erledigt dann fix einmal im Monat einen Großeinkauf. Jetzt kann ich das auch nach zwei Wochen tun und zugleich mit Elea einkaufen - wie ganz normale Menschen."

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