Clubs gehen zu virtuellen Partys über

Am Abend bleiben die Türen zu. Deshalb suchen Bar- und Kneipenbetreiber jetzt nach neuen Konzepten, auch wenn sie zum Teil schon in finanzieller Not sind. In anderen Einrichtungen der Stadt läuft der Betrieb auf Sparflamme weiter.

Atomino: Am Wochenende durfte noch gefeiert werden. Maximal 100 Gäste wurden ins Atomino im Tietz eingelassen. "Jetzt verwandeln wir uns in einen virtuellen Club, ohne dass Gäste kommen und feiern", sagte Atomino-Sprecher Jan Kummer am Montagnachmittag. Schon bevor es von offizieller Seite kam, hatte man dort entschieden, ab sofort kein Publikum mehr einzulassen. Wie genau die Idee vom virtuellen Club umgesetzt werden soll, darüber werde jetzt nachgedacht. Kummer sprach von einer "Notgemeinschaft von Kunstschaffenden, die jetzt kurz vorm Verhungern sind". Statt tatenlos herumzusitzen, könne man jetzt wenigstens übers Internet Vergnügen schaffen, ohne Einnahmen. "Unterhalten ist schließlich unser Kerngeschäft." Für den Club und all jene, die finanziell von ihm abhängen, sei die Lage ein Totalausfall. Man könne nur hoffen, dass sich im Nachhinein noch etwas reparieren lasse.

Aaltra: Ein Livekonzert ohne Ansteckungsgefahr will die Chemnitzer Band "Solche" am Freitag um 20 Uhr auf Facebook geben. Ort des Konzerts, wo sich nur die Musiker befinden werden, ist der kleine Ausstellungsraum "Nichts" der Kneipe Aaltra im Soziokulturzentrum Haus Arthur auf dem Kaßberg. Bereits am Montagvormittag ging Betreiber Jörg Walther davon aus, dass eine Anordnung zur Schließung eine Sache von Stunden sei. "Ich harre der Dinge, die da kommen", sagte er, machte aber deutlich: "Ich habe keinen großen Puffer, um lange zu schließen." Er hoffe, dass der Staat Hilfen bereitstellt.

Fuchsbau: Auch im ältesten Club der Stadt durfte am Wochenende noch mit maximal 100 Gästen gefeiert werden. Schon da hätten ihm das im Internet viele vorgehalten und sogar Profitgier vorgeworfen, sagte Inhaber Karsten Kluge am Montag. Aber die meisten Clubs seien nun einmal auf Kante genäht und finanzierten sich durch laufende Veranstaltungen. Noch am Montagnachmittag ging Kluge davon aus, dass in dieser Woche die Anordnung zur Schließung kommt. Am frühen Abend entschied er dann selbst zu schließen. Er hätte sich für Sachsen eine schnellere, klarere Ansage gewünscht, so wie in Bayern, sagte er. Er arbeite mit Pauschalkräften. Diese müsse er jetzt nicht mehr bezahlen. Aber was wird mit der Miete? Inhaber des Gebäudes ist der Freistaat. Er werde nach einer Stundung fragen, so Kluge. Auch die Planungen für die Feier zum 40-jährigen Bestehen des Clubs am 1. Mai lägen jetzt auf Eis. Besonders bitter für Kluge: Sein zweites Standbein ist die Fledermausbar an der Bahnhofstraße. Die hat nun ebenfalls zu. "Wenn schon, dann konsequent", so Kluge. Das werde jetzt eine harte Zeit. "Aber drei bis vier Wochen bekommen wir schon hin", sagte er. Brauclub: Der Club in der Innenstadt ist seit Samstag dicht, sagte Inhaber André Donath. Party nur mit 100 Gästen zu machen, hätte sich nicht rentiert. Ausgaben wie für DJ und Security würden schließlich trotzdem anfallen, so Donath. Er ist auch Inhaber des Restaurants Turmbrauhaus. Am frühen Montagabend sah es danach aus, dass Restaurants bis 18 Uhr geöffnet bleiben dürfen. Er stecke da selbst in einer Zwickmühle, so Donath. Denn er halte nichts von dieser Regelung. Er würde befürworten, weltweit radikal für 14 Tage alles lahmzulegen. Nur Krankenhäuser dürften noch geöffnet sein. "Dann hätte das Virus keine Chance", vermutet Donath. Wenn er bis 18 Uhr öffnen dürfe, werde er das aber trotzdem tun, "denn natürlich brauchen wir jeden Euro". Aber bereits am Wochenende seien nur noch halb so viele Gäste gekommen wie üblich. Er versuche jetzt, alle Kosten runterzufahren. Immerhin zahle er Miete für 1800 Quadratmeter in der Innenstadt und habe an beiden Standorten 35 bis 40 festangestellte Mitarbeiter, auch Lehrlinge. Schwierig sei auch, dass er gerade erst in eine neue Küche investiert habe. "Nicht nur wir Gastronomen werden das nicht allein abfedern können", so Donath.

AJZ Talschock: Verschoben! Verschoben! Abgesagt! - Alle Konzerte in der Einrichtung an der Chemnitztalstraße bis einschließlich 1. April finden nicht statt. Auch die vom AJZ gestaltete Außer-Haus-Ausstellung "Vulva me!" hinterm Marx-Monument wurde vorzeitig beendet. Das für den 31. März geplante Konzert mit Olli Schulz wurde auf den 2. September verschoben.

Luxor: Die erste Party fiel bereits am Wochenende ins Wasser - und bis Ostern wird dieses Schicksal auch alle anderen geplanten Veranstaltungen ereilen. "Wir haben erst einmal alles abgesagt", bestätigte Robert Lorenz, einer der Verantwortlichen. Alle acht Mitarbeiter des Luxor seien in Kurzarbeit geschickt worden. "Ein gravierendes Problem sind die fixen Kosten, die ja weiter anfallen", erläuterte Lorenz. Deshalb hoffe er, dass bei den staatlichen Beihilfen für von der Coronakrise betroffene Unternehmen das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.

Zukunft: Was die Macher des Klubs an der Leipziger Straße von der Situation halten, steht direkt über der Tür. Dort, wo sonst mit großen Lettern die nächsten Partys und Konzerte angekündigt werden, heißt es nur "Scheiss Corona!" Als am Samstag ein erstes Konzert kurzfristig abgesagt werden musste, versuchte die Band, den Abend auf eigene Faust mit einem improvisierten Livestream zu retten - einer Art Liveübertragung im Internet. Weitere Aktionen dieser Art seien nicht geplant, hieß es von den Betreibern der "Zukunft" am Montagnachmittag. Aber: "Sollte die aktuelle Lage sich nicht verändern, ist das natürlich auch bei uns ein Thema."


Kundenkontakt eingestellt

Ihre Kundenberatung eingestellt haben die AOK und die DAK. Die DAK verweist auf das Kundentelefon 0371 6513400, die AOK auf das Servicetelefon 0800 1059000. Auch das Chemnitzer Landesamt für Steuern stoppt den Besucherverkehr (Info-Telefon 0351 79997888).

Zu den am Montag abgesagten Veranstaltungen gehören das Bürgerforum zur Sicherheit auf dem Rosenhof, die Premiere des Claus-D.-Härtel-Films "Das legendäre Hotel Carola" und die Blickwinkel-Reihe im Kino Metropol sowie der Briefwechsel-Vortrag in der Villa Esche. (gp)


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