Corona-Ambulanz erwartet erste Patienten

Bis zu 140 Menschen mit Verdacht auf eine Infektion können in der Messe nahezu zeitgleich untersucht werden. Doch das Angebot ist allein Chemnitzern vorbehalten. Die Verkehrsunternehmen haben indes ihren Betrieb zum Teil umgestellt. Und ein Urlauber wartet auf den Rückflug.

Die erste Patientin war schon am Montagnachmittag da. Wo sie sich hier testen lassen könne, fragt die junge Frau an der heruntergelassenen Scheibe ihres Kleinwagens, der ein wenig verloren wirkt auf dem riesigen Parkplatz vor der Messehalle. Ja, sie sei hier schon ganz richtig, wird ihr bedeutet. Nur eben einen halben Tag zu früh.

Am heutigen Dienstagmorgen um 8 Uhr soll sie den Betrieb dann aber tatsächlich aufnehmen, die neue Corona-Ambulanz an der Chemnitzer Neefestraße. Mit einer Kapazität von mehreren Tausend Untersuchungen pro Tag soll sie der Stadt und ihren Einwohnern dabei helfen, die neue Situation zu meistern - auch dann, wenn die Fallzahlen derart in die Höhe schnellen, das Arztpraxen, Kliniken und Gesundheitsamt an ihre Grenzen stoßen.

Stadtverwaltung, die drei örtlichen Krankenhausbetreiber und die Kassenärztliche Vereinigung haben ein bislang beispielloses Gemeinschaftsprojekt verwirklicht. Wo bis vor kurzem noch Musikstars Konzerte gaben, die Basketballer der Niners ihre Siege einfuhren und Reiseveranstalter auf ihrer jährlichen Messe Touren zu den Traumzielen dieser Welt anpriesen, errichteten in den vergangenen Tagen Messebauer eine Kleinstadt aus 140 Behandlungskabinen. Durchnummeriert und von breiten Gassen voneinander getrennt, können dort Patienten mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion erstuntersucht und getestet werden. Die jeweils drei mal drei Meter großen Abteile sind mit Klappstuhl und Tisch ausgestattet, 50 Kabinen zudem mit einer Liege.

Auch wenn die Betreiber am ersten Tag noch keinen Massenansturm erwarten: Ein Blick nach Dresden oder Leipzig lässt erahnen, was ihnen demnächst ins Haus stehen könnte. In den dortigen Corona-Ambulanzen wollten sich bereits am Montag hunderte Menschen testen lassen - nicht wenige wurden wieder nach Hause geschickt. In der Ambulanz des Dresdner Universitätsklinikums etwa kam nur etwa die Hälfte an die Reihe. Das Leipziger Klinikum St. Georg plant bereits, seine Kapazitäten weiter aufzustocken. In Chemnitz wurden laut Gesundheitsamt bislang rund 140 Personen getestet. Bis Montagnachmittag waren in der Stadt 13 bestätigte Corona-Fälle bekannt.

Damit die Patienten in der Messe sich nicht untereinander anstecken, gilt ein strenges Zu- und Abgangsmanagement. Wer vorsprechen möchte, erhält bereits an der Zufahrt zum Parkplatz einen Handzettel mit einer Nummer. Erst wenn diese auf einem Monitor angezeigt wird, darf der Patient sich zu einem der Eingänge begeben. Dort werden an einem Schalter die Chipkarte eingelesen und die Hände desinfiziert. Einzeln und nur auf Aufforderung geht es dann durchs Foyer zum Eingang in den Hallenbereich. Fachpersonal in Schutzkleidung nimmt den Patienten dort in Empfang und bringt ihn zu einer der vor jeder neuen Belegung gründlich desinfizierten Kabinen.

Länger als 15 Minuten werde sich dort kaum jemand aufhalten, sagt Dr. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz. Die allermeisten Patienten würden anschließend wohl wieder nach Hause geschickt - mit der Auflage, sich vorsorglich zu isolieren. Wurde ein Rachenabstrich gefertigt und zur Untersuchung ins Labor geschickt, soll das Ergebnis nach zwei Tagen vorliegen. Sollte es aber jemandem schlecht gehen, könne ein Rettungswagen direkt in die Halle fahren und den Patienten in ein Krankenhaus bringen, so Grünewald.

Untersucht und getestet werden soll in der Großambulanz allerdings nur, wer die typischen Symptome aufweist und zuletzt in einem der Risikogebiete war oder aber direkten Kontakt zu einem bestätigten Coronavirus-Fall hatte. Das Angebot ist zudem Patienten vorbehalten, die in Chemnitz zu Hause sind. Ein Grund: Noch immer sind nicht alle Fragen der Finanzierung der Einrichtung geklärt. Jeder Test kostet zwischen 60 und 90 Euro; das Personal, Ärzte wie Pfleger, stellen vor allem die beteiligten Kliniken. Für die Patienten aber ist die Untersuchung kostenfrei. Empfohlen wird, dass zur Anreise keine öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Nach Angaben der Stadt stehen genügend kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Die Ambulanz am Messeplatz 1 ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.