Das Lokproblem der Regiobahn

Die Mitteldeutsche Regiobahn hat Ärger mit den Dieselloks, die auf der Strecke Chemnitz-Leipzig fahren. Wieder sind zwei kaputt. Nun sollen Gutachter nach den Ursachen suchen. Auch an anderer Stelle hat der Konzern Konsequenzen gezogen.

Die Dieselloks der MRB sind für Eisenbahnverhältnisse relativ modern. Dennoch gibt es Probleme. Derzeit sind nur zwei Loks fahrbereit.

Für Sie berichtet: Jan-Dirk Franke

Die Technikprobleme bei der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) auf der Linie Chemnitz-Leipzig scheinen kein Ende zu nehmen. Derzeit fehlen zwei Dieselloks wegen Motorschadens. Das zweite Fahrzeug ging dabei ausgerechnet am Montag vor einer Woche kaputt, als Tausende mit dem Zug nach Chemnitz zum "Wir sind mehr"-Konzert angereist kamen. Die MRB hat zwar bereits eine zweite Reservelok angeschafft, doch auch das reicht nicht: Von insgesamt fünf Loks sind nur zwei einsatzbereit, weil neben den defekten eine dritte zur Hauptrevision musste. Eine solche Untersuchung ist aufwendig und dauert meist Monate. Um die Lücke auszugleichen, hat die zum weltweit tätigen französischen Bahnkonzern Transdev gehörende MRB zwei Dieseltriebzüge (Alstom Lint 41) nach Chemnitz geholt, die seit einer Woche ersatzweise rollen. Allerdings hätten diese "ein paar weniger Sitzplätze", so die MRB.

Es hatte schon in den vergangenen Monaten Probleme mit den Loks der Baureihe Siemens ER 20 gegeben. So musste die MRB im März zeitweise jeden dritten Zug auf der RE-Linie 6 streichen. Von der damaligen Geschäftsführung hieß es, man habe keine Erklärung dafür. Doch erst jetzt beginnt man nach den Ursachen zu suchen. Experten sollen den Motorschaden begutachten. Das solle in den nächsten Wochen passieren, kündigte der neue MRB-Chef Henning Weize an. "Da ist großer Druck dahinter."

Die Baureihe wird seit 2011 nicht mehr hergestellt. Sie sei ein Nischenprodukt, so die MRB. Daher sei auch der Markt für Ersatzteile stark reduziert. "Die benötigten Motoren sind schwer beschaffbar und müssen für unsere Baureihe umgebaut werden - somit ergeben sich längere Reparaturfristen", heißt es. Für eine der beiden Loks ist derweil ein Motor da. Er werde nun auf Kompatibilität geprüft. Passt alles, sei das Fahrzeug in zwei Wochen wieder verfügbar, sagt Weize. Für die andere Lok sei man noch auf der Suche.

Warum es mehrfach zu Ausfällen kam, ist auch für Weize ein Rätsel. Denn im Gegensatz zu den genutzten Reisezugwagen aus DDR-Zeiten sind die Loks neuerer Bauart, sie haben im Schnitt 15 Jahre auf dem Buckel. Nicht allzu viel für ein Schienenfahrzeug, das eine typische Nutzungsdauer von etwa 30 Jahren hat.

Für den täglichen Betrieb auf der 81 Kilometer langen RE-Linie nach Leipzig werden drei Loks benötigt - jeweils ein Zug ist pro Richtung unterwegs, ein dritter wird in Leipzig benötigt, da der Zug eher abfährt als der ankommende einfährt. Doch für solche Fälle noch mehr Fahrzeuge vorhalten? Das ginge nicht. Man habe ja schon auf eigene Kosten eine zweite Reservelok angeschafft. "Somit halten wir eine Reserve von 40 Prozent vor", so die MRB. Die Schäden an den Motoren seien nicht vorhersehbar gewesen und gingen über das normale Maß an Instandhaltungsreparaturen hinaus.

Der für den Nahverkehr zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), der der MRB den Zuschlag für deren Angebot mit den lokbespannten Zügen erteilt hatte, weist daraufhin, dass die MRB die Verantwortung trägt: "Qualitätseinbußen, die eine Nichterfüllung der verkehrsvertraglichen Vereinbarungen mit sich bringen", würden mit Strafzahlungen belegt.

Der Druck bei der MRB scheint groß zu sein. Die Transdev-Tochter hat bereits ein Gutachten erstellen lassen, das den gesamten Betrieb, die Instandhaltung und Fahrzeughersteller beleuchtet. Es werde gerade ausgewertet, so Weize. Es hakt jedoch nicht nur bei der RE-Linie nach Leipzig. Bei der Regionalbahn-Strecke Leipzig-Döbeln gab es zuletzt Zugausfälle wegen Personalmangels. Grund seien Krankheitsfälle in Kombination mit der Urlaubszeit gewesen, sagt Weize. "Die Hitzewelle hat dann ihr Übriges getan." Zusatzschichten hätten dazu geführt, dass der eine oder andere Kollege sich mit Kreislaufbeschwerden krank gemeldet habe, erläutert er.

Weize selbst führt erst seit voriger Woche die Geschäfte. Der Konzern hat offenbar personelle Konsequenzen gezogen. Vorgänger Dirk Bartels, der drei Jahre lang die Geschäfte der beiden für die MRB-Verkehre zuständigen Firmen Transdev Regio Ost und Transdev Mitteldeutschland führte, ist überraschend ausgeschieden. Gründe dafür wurden nicht genannt. Nachfolger Weize (57) leitete zuletzt die zu Transdev gehörende Trans Regio Deutsche Regionalbahn, die die Mittelrheinbahn in Koblenz betreibt.

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