Das Salonorchester mit dem singenden Kapellmeister

Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie haben ein Ensemble gegründet, das Tonfilmschlager der 1920er- und 30er-Jahre spielt. Dass dabei auch gesungen wird, war gar nicht geplant.

Was glauben Sie, tun Berufsmusiker in ihrer Freizeit? Richtig, sie machen Musik! Darum sind vor einem Jahr Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie auf ihren Kapellmeister Jakob Brenner zugegangen. Ob er nicht Lust hätte, ein Salonorchester zu leiten, das Tonfilmschlager der 1920er- und 30er-Jahre spielt. "Damit haben sie bei mir offene Türen eingerannt", sagt Brenner.

Am Mittwoch nun hatte das Orchester "Karl S." seinen ersten offiziellen Auftritt im Opernhaus. Angekündigt war es als Gastspiel, denn das Orchester ist tatsächlich sozusagen ein Privatvergnügen der zehn Musiker. Für Brenner, der seit der Spielzeit 2018/2019 Kapellmeister in Chemnitz ist, bietet sich dadurch die Möglichkeit, seine zahlreichen Talente zu zeigen. Neben Dirigieren studierte er Geige, die er im Salonorchester spielt. Er moderiert auf kreative, ironisch-witzige Art und singt auch noch. In Stücken wie "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n", "Veronika, der Lenz ist da", "Mein Gorilla" (mit Auftritt eines fast echten Gorillas!) und "Du stehst nicht im Adressbuch" zeigt er, dass er auch das richtig gut und sicher kann. Es ist eine Seite von ihm, die das Publikum an seiner früheren Wirkungsstätte in Stendal bei Liederabenden zu hören bekam, die den Zuschauern in Chemnitz aber bisher verborgen geblieben war.

Dabei sei anfangs gar nicht geplant gewesen, dass er singt, sagt Brenner, der Gesang als Nebenfach an der Musikhochschule studiert hat. Nach den ersten Proben des Salonorchesters sei aufgefallen, dass es doch einen Gesangspart brauche. "Das war schon erst einmal komisch", sagt der 34-Jährige und spricht von einer großen Hemmschwelle, die er überwunden habe, als Kapellmeister zu singen. Beruhigt habe ihn die Erkenntnis, dass es ja damals Filmstars und keine Opernsänger waren, die diese Lieder sangen. So spürte der Zuschauer bei der Orchesterpremiere am Mittwoch zwar in den ersten Stücken eine gewisse Anspannung bei allen Beteiligten, die aber rasch verflogen war. Gesanglich bekam Brenner bei den Duetten und den Stücken, die eine Sängerin bedürfen, Unterstützung von Henrike Müller-Gräper.

Der Witz, der Ton, den das Orchester anschlägt, traf den Nerv seines Publikums, das die meisten Hits leise mitsingen konnte. Die einen fühlten sich an ihre Jugend erinnert, hielten Händchen bei den Balladen. Die anderen waren jünger, aber angesteckt vom Trend zu Musik und Tänzen der 20er-Jahre. Aus dieser Riege kommen auch die drei Paare der Tanzschule Köhler-Schimmel, die zu zwei Stücken und den Zugaben auf der Bühne Charleston und Foxtrott tanzten.

Die gespielten Lieder sind alle Originalarrangements aus 20er- und 30-er Jahren. Die seien gar nicht so leicht zu finden, verrät Brenner. Dabei habe auch der Kontrabassist Thomas Fröhlich, der mit dem Pianisten Holger Miersch auch im Dresdner Salonorchester mitwirkt, geholfen. Im Konzert sagte Brenner auch, was es mit dem Titel des Orchesters "Karl S." auf sich habe. Karl stehe für Karl-Marx-Stadt und die älteren Herren, wobei er hinter sich auf die Musiker zeigte. S. sei die Abkürzung für Super Sexy Singer und stehe natürlich für ihn selbst.

Die Überraschung des Abends dürfte das Stück "Crazy Words, Crazy Tune" gewesen sein. Denn plötzlich kamen der Trompeter Philipp Lohse und Saxofonist Ronny Wiese nach vorn ans Mikro und sangen den Refrain mit Brenner. Er habe die Idee gehabt, das als Trio zu singen, sagt Brenner. Aber leicht sei es nicht gewesen, die Musiker zu diesem Auftritt zu überreden. Das sei eine wirkliche Leistung, schließlich sei es ein Gebiet "auf dem Orchestermusiker eigentlich nackt sind".

Weitere Termine für Konzerte stehen noch nicht fest. "Aber wir wollen spielen, zum Tanz, zum Ball", so Brenner enthusiastisch.

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