Dauerärger um Tretminen: Räte sehen Rathaus in der Pflicht

Laut einem aktuellen Beschluss muss die Stadt für mehr Hundetoiletten sorgen. Eigentlich hätte das längst passiert sein sollen.

Etwa 8000 Hundebesitzer soll es in Chemnitz geben. Sie spülen Jahr für Jahr rund 850.000 Euro Hundesteuer in die Stadtkasse - und zumindest einige von ihnen sorgen regelmäßig für Ärger. Weil sie die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht wegräumen, gibt es immer wieder Unmut. In vielen Stadtteilen gehört das Thema seit Jahren zu den Dauerbrennern bei Bürgersprechstunden und Einwohnerversammlungen.

Um die Probleme zumindest abzumildern, hat der Stadtrat die Stadtverwaltung nun nahezu einstimmig aufgefordert, bis August geeignete Standorte an exponierten Stellen im Stadtgebiet sowie an Hundewiesen mit sogenannten Hundetoiletten auszustatten. Dabei knüpfen die Initiatoren von SPD, Linken und Grünen an einen ähnlichen Vorstoß an, der bereits im Jahr 2015 an die Adresse des Rathauses gegangen, aber letztlich nicht umgesetzt worden war. Mehr noch: Die Stadt verzichtete zunehmend darauf, vorhandene Kotbeutelspender mit den entsprechenden Tüten zu befüllen. Stattdessen, so hieß es seinerzeit in einer Stellungnahme des damaligen Bürgermeisters Philipp Rochold, sollten künftig mehr Papierkörbe aufgestellt, mit Deckeln versehen und häufiger geleert werden. Die meisten Hundebesitzer hätten ohnehin eigene Tüten dabei, heißt es immer wieder.

"Natürlich ist zuerst der Hundehalter in der Pflicht", sagt Susanne Schaper, Vorsitzende der Ratsfraktion der Linken. "Aber es kann doch nicht schaden, diese Möglichkeit herzustellen - für den Fall, dass man mal die Tüte vergessen hat - und das Ganze dann ordentlich wegzuschmeißen." Sie denke dabei nicht nur an die Hundehalter selbst, sondern auch an Eltern, die sich aus Sorge vor sogenannten Tretminen nicht trauen, ihre Kinder frei spielen zu lassen.

Ein weiterer Auftrag an das Rathaus zielt darauf ab, die in der Stadt ausgewiesenen Hundewiesen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Damit reagieren Linke, SPD und Grüne nach eigenem Bekunden auf Beschwerden und Hinweise etlicher Hundehalter. Kritisiert werden demnach vor allem eine unzureichende Beleuchtung, kaum vorhandene Sitzgelegenheiten, zu wenige Hinweisschilder und vor allem eine fehlende Einzäunung oder Abgrenzung. Zudem sollen Schilder Fußgänger und Radfahrer auf die Hundewiesen hinweisen.

"Viele Hundehalter nutzen die vorhandenen Wiesen gar nicht", sagt Sandra Koegel vom Portal chemnitz-hunde.de. Sie hatte vor einiger Zeit die Hundewiesen der Stadt getestet - und nicht eine davon für gut befunden. "Vor allem die fehlenden Einzäunungen sind vielerorts ein Problem", verdeutlicht sie. Mindestens 1,20 Meter hoch sollte ihrer Einschätzung nach die Einfriedung sein, um wirklich Sicherheit zu bieten. Ein weiteres Problem, so Koegel, sei die Verteilung der Wiesen im Stadtgebiet. "Mancherorts gibt es gleich zwei, in dicht besiedelten Gegenden wie dem Kaßberg sind es deutlich zu wenig."

Auch in diesem Punkt soll die Stadtverwaltung nun nachbessern. In Zusammenarbeit mit Tierhalter- und Tierschutzvereinen soll das Rathaus nach dem Willen des Stadtrats nun prüfen, ob und wo weitere Hundewiesen im Stadtgebiet erforderlich sind und eingerichtet werden können. Die Ergebnisse sollen bis Herbst dieses Jahres dem dann neu gewählten Gremium vorgelegt werden - einschließlich Vorschlägen, wie das Ganze finanziert werden soll und wie schnell die Anlagen errichtet werden können.


Kommentar: Kein Pardon für asoziales Verhalten

Klar, es schadet sicher nichts, mehr Hundetoiletten vorzuhalten und in der Nähe Behälter zur Entsorgung aufzustellen. Das eigentliche Problem aber ist und bleibt jene Minderheit von Hundehaltern, die sich asozial verhält und die Hinterlassenschaften ihrer Tiere einfach liegen lässt. Solange kaum einer dieser Zeitgenossen belangt wird, wird sich daran vermutlich wenig ändern. Sicher, die Hürden sind hoch, denn die Übeltäter müssen auf frischer Tat ertappt werden. Vielleicht wäre es ja mal eine Überlegung wert, den Stadtordnungsdienst öfter auf entsprechende Streifen zu schicken. Und seitens der Halter sollte es für schwarze Schafe in den eigenen Reihen kein Pardon geben.

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