Debatte um das Verhältnis von Kunst und Politik

Drei Männer diskutieren im Museum am Theaterplatz darüber, wie Kunst wirken kann. Eine zentrale Frage dabei: Müssen die Werke immer plakativer werden?

Aktuell zeigen die Kunstsammlungen zwei Videoarbeiten des Künstlers Mario Pfeifer. Sie sind hochpolitisch, die Ausstellung, die für 2019 geplant war, wurde nach den Chemnitzer Ereignissen vorgezogen und bereits im Oktober eröffnet. Zum Rahmenprogramm gehört eine Reihe von Podiumsgesprächen.

Am Donnerstagabend diskutierte Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, mit Thomas Locher, Konzeptkünstler und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, und mit Willem de Rooij, Künstler aus den Niederlanden. De Rooij erklärte, ihm gehe es in seiner Arbeit nicht so sehr darum, Antworten zu geben. Vielmehr wolle er Fragen aufwerfen. Für ihn sei es ein großes Geschenk, eine Ausstellung mit vielen neuen Fragen im Kopf zu verlassen.

Die aufsehenerregende Aktion des Zentrums für Politische Schönheit, das mit einem Internet-Pranger nach Rechtsextremen suchte, die an Demos in Chemnitz teilgenommen hatten, wurde thematisiert. De Rooij sagte, darüber könne er eine Minute lang nachdenken. Dann habe er keine weiteren Fragen mehr. Deshalb habe ihn diese Aktion nicht interessiert. Locher bezeichnete das Projekt als interessant, finde aber seltsam, wenn mit Populismus auf Populismus reagiert werde.

Bußmann wollte wissen, ob die Offenheit für Uneindeutigkeit verloren gehe, ob Kunst immer plakativer werden müsse. Darüber, ob das eine allgemeine Tendenz sei, war sich de Rooij unsicher. Locher betonte, die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, müsse erst erlernt und vermittelt werden. Eine Besucherin wollte wissen, worin sich Kunst und Medien unterscheiden. Locher antwortete darauf, Kunst dürfe nicht nur politisch, sondern müsse auch ästhetisch sein. "Das Politische ist nur ein Teil", sagte er. Es gebe aber auch Zeiten, die erforderten, eindeutigere Kunstwerke zu fertigen.

Zur Resonanz der Ausstellung sagte Bußmann, sie sei gut, "aber ich würde mir noch mehr wünschen." Er sei dabei, Ideen zu entwickeln, wie sich das Museum weiter für neue Besucher öffnen könne.

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