Debatte um Grünpflege an Autobahn

Die Gewächse zwischen Straßen und Feldern dürfen nicht bis auf die Fahrbahn reichen. Aber sie sind auch ein Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere. Was also tun?

Hohenstein-Ernstthal.

Entlang der Autobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Wüstenbrand und Glauchau waren Mitarbeiter der Autobahnmeisterei in den vergangenen Tagen mit schwerer Technik gegen die in den letzten Monaten gewachsenen Pflanzen im Einsatz. Die Mäharbeiten fielen stellenweise sehr intensiv aus, denn manchmal ist nun nur noch Erdreich zu sehen. Das soll allerdings nach Angaben des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) eigentlich vermieden werden.

"Gemäht wird bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit. Daraus ergibt sich, dass die Geräte an Böschungen bei feuchtem Untergrund auch einmal ins Rutschen kommen und die Grasnarbe in Mitleidenschaft ziehen", teilt Lasuv-Pressesprecherin Isabell Pfeiffer mit. Die Bereiche blieben aber klein und wären schnell wieder bewachsen. Zum Einsatz kommen unter anderem Mähtrucks und Mähraupe, heißt es weiter. Auch das Straßenbauamt des Landkreises Zwickau informiert, dass Beschädigungen der Grasnarbe nur versehentlich passieren.

Wie oft entlang von Straßen gemäht wird, ist unterschiedlich. Entweder werden die Bereiche intensiv oder extensiv gepflegt. "Die Intensivpflege, die Bankette, Gräben und Sichtdreiecke beinhaltet, soll in der Regel zweimal jährlich stattfinden", erläutert Ilona Schilk, Pressesprecherin des Landkreises. Bei der Extensivpflege wird der Rest des Straßenbegleitgrünes geschnitten, soweit die Ausleger der Mähgeräte reichen. Dieser Schnitt wird einmal im Herbst durchgeführt, so Schilk. Bestimmte Bereiche entlang der Autobahn werden nach Angaben des Landesamtes auch nur alle zwei oder drei Jahre gemäht. Sämtliche Arbeiten dienen vor allem der Verkehrssicherheit, unter anderem um gute Sichtverhältnisse zu erhalten, aber auch um zu verhindern, dass der Abfluss von Regenwasser von den Straßen beeinträchtigt wird.

René Albani, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Westsachsen, der mit der Kreisnaturschutzstation des Landkreises Zwickau verschiedene Naturschutzprojekte durchführt oder begleitet, kennt die Problematik. Das Mähen an sich sei nicht das Problem, wichtig wäre jedoch, dass es möglichst selten durchgeführt wird und dann auch nicht mit einem Mal, so Albani. "Es sollten immer ein paar Bereiche stehen bleiben, damit es Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere gibt", fügt er hinzu. Zudem sei zu beachten, dass gerade im Spätsommer und Frühherbst blühende Pflanzen an Straßenrändern sehr wichtig für die Insekten sind, die ansonsten kaum noch Nahrung finden.

Öffentliche Behörden, so Albani, sollten daher eine gewisse Vorbildfunktion haben und versuchen, ihre Vorgehensweise anzupassen, auch wenn das vielleicht etwas aufwendiger ist. In Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg gibt es bereits Projekte, in denen entlang von Straßen ganz gezielt Blühstreifen angelegt und nachhaltig gepflegt werden. Damit können laut Albani die kleiner werdenden Lebensräume verschiedener Arten erweitert und verbunden werden.

Grundsätzlich helfe aber schon das, was die Naturschützer auch Gartenbesitzern regelmäßig empfehlen. "Man sollte einfach nicht alles übertrieben gründlich machen und der Natur etwas Raum lassen", sagt Albani, der hofft, dass die Verantwortlichen in Straßenbauämtern oder Bauhöfen mehr für das Thema sensibilisiert werden.

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