Debatte um Stromleitung - Zwei Kommunen und Meinungen

In zwei Rathäusern werden die Pläne für den Bau einer neuen Trasse ganz unterschiedlich bewertet. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Limbach-O./Callenberg.

Auf welcher Trasse soll eine neue Hochspannungsstromleitung von Röhrsdorf nach Thüringen verlaufen? Über diese Frage wird in der Region spätestens seit 2016 diskutiert, als es dazu eine öffentliche Informationsveranstaltung in der Limbacher Stadthalle gab. Zunächst hatte der Netzbetreiber 50 Hertz dazu tendiert, die neue 380-Kilovolt-Trasse parallel zur bestehenden Hochspannungsleitung zu bauen. Diese verläuft nach dem Umspannwerk in Röhrsdorf nördlich von Limbach-Oberfrohna, überquert in Niederfrohna die Limbacher Straße und führt weiter an Bräunsdorf vorbei nach Westen. Nach Kritik aus Röhrsdorf - dort verläuft die derzeitige Leitung durch eine Siedlung und überspannt Wohnhäuser - wurden die Pläne noch einmal überarbeitet. Nun favorisiert der Netzbetreiber die sogenannte Südvariante, die zunächst zwischen der A 4 und Pleißa verläuft. Der südlichste Punkt wird bei Wüstenbrand erreicht, anschließend erfolgt ein Schwenk nach Nordwesten, vorbei an Langenberg und Langenchursdorf.

Das Limbacher Rathaus kann mit der Südvariante gut leben, wie Stadtentwicklungs-Chef Michael Claus während der jüngsten Sitzung des Stadtrates sagte. Und das aus zwei Gründen: Erstens führen bereits zwei andere Stromleitungen an Pleißa vorbei, die neue soll in deren Mitte verlaufen. "Der Abstand zur Wohnbebauung bleibt also gleich", folgerte Claus. Zweitens könnte die bestehende Stromleitung nach dem Neubau abgerissen werden, sodass eine Trasse aus der Landschaft verschwinden würde. Der Stadtrat unterstützt die Meinung der Verwaltung, eine entsprechende Stellungnahme wird im Zuge der Beteiligung der Kommunen an die Bundesnetzagentur geschickt.


In Pleißa trifft die Vorzugsvariante auf weniger Gegenliebe. Anwohner des Hohlwegs befürchten, dass Bäume im Rabensteiner Wald gefällt werden müssen - das bedeute weniger Lärmschutz, argumentieren sie. Auch in Callenberg hat man Bedenken und lehnt die Südvariante strikt ab. Die Kommune wird also eine ganz andere Stellungnahme abgeben als die Nachbarn aus Limbach-Oberfrohna. Die Callenberger Gemeinderäte stören sich daran, dass der nun favorisierte Streckenverlauf Langenberg, Falken und Langenchursdorf tangieren würde. Zwar verläuft auch dort bereits eine Stromleitung, die neue Trasse könnte jedoch höhere Masten mit sich bringen. "Die bestehende Trassenführung ist ganz eindeutig die beste", sagte Gemeinderat René Fleischer (Unabhängige Bürgergemeinschaft). Bürgermeister Daniel Röthig ergänzte, die Südvariante widerspreche den Festlegungen des Callenberger Hochwasserrisiko-Managementplanes. Zudem stören sich die Callenberger Lokalpolitiker an dem Umstand, dass die südliche Trassenführung etwa vier Kilometer länger ist als die bestehende. "Das ist einfach Nonsens. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die Trasse so einen Haken schlagen muss", hieß es.

Die Bundesnetzagentur wird Stellungnahmen prüfen, abwägen und dann zu einer Entscheidung kommen. Masten und Kabel sollen ab 2022 montiert werden. Die Fertigstellung ist für 2025 vorgesehen. Die Kosten für das Vorhaben werden insgesamt auf etwa 140 Millionen Euro geschätzt, wobei die nun favorisierte Südvariante Mehrkosten von etwa 5,2 Millionen Euro im Vergleich zur bestehenden Trasse verursacht.

Die Modernisierung der Hochspannungsleitung ist wegen der Energiewende nötig. Strom, der in den Windparks in Norddeutschland produziert wird, muss in den Süden transportiert werden. Die Kapazitäten der bestehenden Leitung reichen dafür nicht aus.

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3Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    09.07.2019

    Ich finde die Masten besser , da muß man nicht so viel km aufgraben ...

  • 3
    3
    Lesemuffel
    09.07.2019

    Ja, so ist es keiner will die Trasse in seiner Nähe haben. Sie "cn3..." bestimmt auch nicht. Die nicht Betroffenen halten immer gute Reden...

  • 2
    1
    cn3boj00
    09.07.2019

    Jeder braucht Strom. Und immer mehr Menschen schließen Lieferverträge mit Ökostrom ab. Sollte es eine CO2-Steuer geben, könnte dieser Anteiil weiter deutlich steigen. Aber keiner will Stromleitungen. Doch die sind notwendig, und man kann nicht ganz Deutschland aufgraben um die Leitungen in die Erde zu bringen - zumal dabei ja auch Land aufgegraben wird das irgendjemandem gehört und der darüber nicht erfreut sein wird. Die Diskussion hier verstehe ich nicht. Beide Trassen sind bereits existierende Stromtrassen, da gibt es schon Masten mit Leitungen dran. Nun kommt einen neue Leitung hinzu, im Gegenzug entfällt vielleicht eine Leitung. Was also befürchtet man eigentlich?
    Die blaue Trasse hat ein Problem: sie führt neben der Autobahn direkt über Wohnhäuser. Zu behaupten, dass sei kein vernünftiger Grund, ist Nonsens, liebe Callenberger. Denn bei Neubauvorhaben wäre so etwas nicht mehr erlaubt. Nur wenn man die bestehende Trasse lediglich modernisiert dürfte man das machen, aber im Interesse der Menschen ist es nachvollziehbar, wenn das vermieden wird.



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