Der Ex-OB, die Ehrung und ein Appell

Der ehemalige Oberbürgermeister Eberhard Langer hat sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Sein Engagement gilt auch dem Chemnitzer FC. Dessen derzeitige Krise veranlasste ihn zu einem Aufruf an den Insolvenzverwalter.

Leidenschaftlichkeit, Kampfeswille, Beharrlichkeit - diese Eigenschaften schreibt die amtierende Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ihrem Amtsvorgänger Eberhard Langer zu. "Wenn er aus einer Tür hinausgeht, findet er einen Weg von hinten wieder herein", scherzte die OB am gestrigen Montag. Wer so agiere, bekomme Ehrenämter angetragen, meinte Ludwig. Als Langer vor fünf Jahren seinen 80. Geburtstag feierte, übte er 16 Ehrenämter aus. Dieses jahrzehntelange Engagement hat die Stadt nun mit einer besonderen Ehrung gewürdigt: Langer durfte sich am Montagabend in das Goldene Buch der Stadt eintragen. "Ich habe Respekt vor deinem Leben. Von dir ist eine wahnsinnige Energie ausgegangen", sagte Ludwig in ihrer persönlich gehaltenen Rede zu Langer.

Der 85-Jährige ist mit Chemnitz und dem Politikbetrieb der Stadt eng verbunden. 1934 in Chemnitz geboren, studierte er Physik und Werkstofftechnik, promovierte und wurde Betriebsdirektor des VEB Schraubenfabrik Karl-Marx-Stadt, später Direktor des VEB Schraubenkombinats. Er war Mitglied der SED sowie der PDS und gehört der Linken an; für Letztere saß er bis zuletzt im Stadtrat - als ältester Mandatsträger. Bei der Kommunalwahl im Mai trat der ehemalige Oberbürgermeister (1986 bis 1990) nicht wieder an. Er sei bei allen Entscheidungen, die er getroffen habe, bemüht gewesen abzuwägen: "Für mich gibt es nicht nur entweder oder", sagte Langer in seiner Dankesrede.


Mitbestimmt hat Langer nicht nur das politische Geschehen seiner Heimatstadt, sondern auch die sportliche Entwicklung des lokalen Fußballvereins. Der FC Karl-Marx-Stadt wurde 1966 im VEB Schraubenwerk als Fußballklub neugegründet - in eben jenem Werk, in dem Langer damals als Betriebsdirektor arbeitete. "Von da an habe ich den Club begleitet und gefördert. Der Verein ist neben meinen leiblichen Kindern das uneheliche Kind", sagt der 85-Jährige. In den frühen Jahren half er dabei, Spieler des FCK in Betrieben der Stadt unterzubringen. Nach der Wiedervereinigung hat er am Aufbau der Nachwuchsarbeit, des Blinden- und des Frauenfußballs mitgewirkt. Langer war zeitweise im Aufsichtsrat des CFC, zudem Vorsitzender des Fördervereins für Jugend, Sport und Soziales: "Mein Herz hängt am CFC", sagt der Vater von vier Kindern.

Die Ereignisse der vergangenen Tage haben ihn bewegt. CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon, der mit dem Notvorstand des Vereins im Streit liegt, hatte die Massenunzulänglichkeit des Vereins erklärt, dem damit endgültig das Aus droht. Zudem hat er allen Mitarbeitern des Vereins gekündigt, auch die Verträge von Nachwuchstrainern und Talenten endeten. Das Nachwuchsleistungszentrum stand damit vor dem Aus. Zuletzt hatten sowohl der Notvorstand als auch die CFC GmbH erklärt, das Zentrum retten zu wollen. Wer die Schuld an der Misere trägt, diese Frage lässt Langer offen. "Es redet keiner mit keinem", sagt er nur.

Die Sorge um den CFC hat Langer nun zu einem besonderen Schritt veranlasst. Er hat einen offenen Brief an Insolvenzverwalter Klaus Siemon verfasst, den frühere Spieler, Trainer und Funktionsträger des Chemnitzer FC und des FC Karl-Marx-Stadt unterzeichnet haben. "Die Eskalation der Situation in den letzten Tagen veranlasst uns zu großer Sorge um unseren Verein. Wir bangen um den Fortbestand des CFC", heißt es in dem Schreiben, das auf den 11. August datiert ist. Unterzeichnet haben es neben Langer unter anderen die früheren Trainer Gerd Schädlich und Christoph Franke sowie FCK-Spieler Jürgen Bähringer. Die Unterzeichner bitten darum, alles zu tun, um eine Löschung des CFC aus dem Vereinsregister zu verhindern. Dies könne nur mit Gesprächen und "Kommunikation auf Augenhöhe" geschehen, heißt es. Langer stellt sich darunter eine Art Runden Tisch vor mit allen Beteiligten, vom Insolvenzverwalter über den Notvorstand bis hin zur Stadtverwaltung. Ob er selbst einer solchen Gesprächsrunde angehören würde, ließ der Initiator offen: Er wolle erst den Verlauf der Mitgliederversammlung abwarten. Das mehrfach verschobene und mit Spannung erwartete Treffen findet am kommenden Montag statt.

In seiner Dankesrede am Montagabend äußerte Langer zwei Bitten an den künftigen Stadtrat, der sich nächste Woche konstituiert. Zum einen sollte es im kommenden Jahr anlässlich des 75. Jahrestages des Ende des Zweiten Weltkrieges einen regen Austausch mit Jugendlichen aus der Partnerstadt Wolgograd geben. Zum anderen bat er um Unterstützung für den krisengeschüttelten Fußball-Drittligisten. "Den CFC wird es auch weiterhin geben, wenn die Stadträte ihr Scherflein dazu beitragen."

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