Der Kapellenberg bekommt wieder einen Lebensmittelmarkt

Fast ein Jahr war der Stadtteil ohne größeren Nahversorger. Die Handelskette ist in Chemnitz nicht unbekannt.

Kapellenberg.

Viele Passanten bleiben neugierig stehen. Denn im früheren Penny-Markt an der Neefestraße brennt wieder Licht und hantieren Männer in Arbeitskleidung. "Wir bereiten die Wiedereröffnung vor", bestätigt der Eigentümer des Gebäudes, Hartmut Schäfer, auf Anfrage.

Derzeit werden die reichlich 800 Quadratmeter Fußbodenfläche gereinigt, damit ab der kommenden Woche die Maler alle Innen- und Außenwände neu streichen und die Trocken- und Ladenbauer mit dem Einrichten beginnen können. Ab 24. Oktober sollen die ersten Paletten mit Waren angeliefert und die Kassen installiert werden. Als Eröffnungstermin hat Schäfer den 3. November, einen Donnerstag, um 8 Uhr vorgesehen.

Er kann das festlegen, denn er wird künftig auch Geschäftsführer des neuen Marktes sein. Eigens dafür hat er neben seiner Gewerbeimmobilien-Gesellschaft Deep Orange, der unter anderem das Gelände der ehemaligen Germania-Brauerei an der Augustusburger Straße gehört, und seiner Messebaufirma das Unternehmen Kapma Handels GmbH neu gegründet. "Kapma ist nichts anderes als die Abkürzung für Kapellenberger Markt", erklärt der Geschäftsführer.

Diesen Namen soll der Markt künftig auch tragen - neben dem Logo der Marke Nah&Frisch der Bartels-Langness Handelsgesellschaft, kurz Bela, mit Sitz in Kiel. "Die Bela-Gruppe wird den Markt mit einem Vollsortiment beliefern. Es wird also kein Discounter sein", sagt Schäfer. Mathias Scheunemann, Vertriebs- und Niederlassungsleiter von Bela in Wittenhagen bei Stralsund, bestätigt auf Anfrage, dass das Unternehmen im Stadtteil Kapellenberg nach der Schließung des Penny-Marktes, eines Nah& Gut-Marktes an der Stollberger Straße/Ecke Parkstraße und eines Getränkemarktes an der Goethestraße einen "nachvollziehbaren Versorgungsbedarf" sehe. Bela sei auch von der Bürgerinitiative Kapellenberg und der Stadtverwaltung mit der Bitte um Unterstützung angesprochen worden, nachdem regionale Handelsketten eine Neuansiedlung abgelehnt hätten.

Bela ist mit Nah&Frisch vor allem in Norddeutschland vertreten, beliefert aber laut Scheunemann auch bereits etwa 70 selbstständige Kaufleute in Südwestsachsen. In Chemnitz gab es zuletzt einen Nah&Frisch-Markt im Rabenstein-Center, der aber Anfang 2015 geschlossen wurde - aus wirtschaftlichen Gründen, wie es hieß. Der inzwischen gegenüber vom Rabenstein-Center neu errichtete Rewe-Markt, über den Bela vorher nicht informiert gewesen sei, habe den Chemnitzer Betreibern keine andere Wahl gelassen, so Scheunemann.

In Kapellenberg waren Pläne für einen neuen Nahversorgungsstandort an der Neefestraße/Einmündung Mozartstraße Auslöser für das Wegbrechen der Nahversorgung. Zuerst hatte im Sommer 2014 der Nah&Gut-Markt geschlossen, im November 2015 ließ Schäfer den Vertrag mit Penny auslaufen, weil die Discounter-Kette an den neuen Standort umziehen wollte. "Wenn ich schneller Planungssicherheit erhalten hätte, hätte ich schon längst neu eröffnen können", sagt Schäfer. Grund der Verzögerung waren Fehler in einem Bebauungsplanentwurf, der seit April 2015 auf Eis liegt. Zuletzt hatten Stadträte der maßgeblichen Fraktionen versichert, diese Pläne seien vom Tisch, sobald Schäfer erfolgreich neu starte.

Die Bürgerinitiative Kapellenberg begrüßt die bevorstehende Wiedereröffnung. "Damit ist der erste Teil unserer Zielstellung erfüllt", sagt ihr Vorsitzender Jürgen Ulrich, der sich gestern nach dem Stand der Dinge erkundigte. Zweites Ziel bleibe aber ein neuer Nahversorger an der Stollberger Straße, so Ulrich. Schäfer will für die dortigen Anwohner einen Shuttlebus zu seinem Markt einrichten.

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