Der lange Weg zum Kulturviertel

Seit mehr als 30 Jahren existieren Pläne für das Areal zwischen Theaterplatz und Mühlenstraße - Jetzt liegt ein konkretes Konzept vor

Schon zu DDR-Zeiten träumten die Stadtväter von einer Erweiterung des Opernhauses. Daraus entstand später die Idee eines Theaterquartiers. Am Donnerstagabend hat Baubürgermeister Michael Stötzer (Grüne) neu erstellte Projektstudien erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. "Freie Presse" beantwortet hierzu die wichtigsten Fragen.

Was ist das Theaterquartier?


Das Theaterquartier oder auch Kulturviertel ist ein rund zwölf Hektar großes Areal zwischen Straße der Nationen, Brückenstraße, Mühlenstraße und Georgstraße. Es umfasst die Freiflächen hinter dem Opernhaus und hinter dem Behördenkomplex am Marx-Monument gleichermaßen wie die mit Wohnblöcken bebauten Grundstücke an der Mühlenstraße und an der Georgstraße.

Warum soll dieses Areal überhaupt neu bebaut werden?

Anlass für die Überlegungen der Rathaus-Verantwortlichen ist die notwendige Erweiterung des Opernhauses, die schon in den 1980er-Jahren und damit zu DDR-Zeiten vorgesehen war. Die Idee kam vor drei Jahren auf, als der Intendant der Städtischen Bühnen, Christoph Dittrich, seine Vision von der Zusammenlegung aller Theater-Bauten präsentierte. Derzeit sind Einrichtungen wie Schauspielhaus, Kostümfundus, die Werkstätten oder die Probebühne noch über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Mit der Konzentration an einem Standort könnten Wege und damit Kosten gespart werden, so Dittrichs Begründung. Schöner Nebeneffekt: Mit dem Projekt entstünde eine städtebauliche Verbindung zwischen City und Brühl.

Was ist jetzt neu an den Plänen?

Das Baudezernat hat durch das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner mehrere Projektstudien erstellen lassen, wie sich mögliche Neubauten in das Areal einordnen ließen, wo neue Wege oder Plätze entstehen könnten und wo womöglich auch Abrisse nötig werden könnten. Mit diesen Studien will Baubürgermeister Michael Stötzer (Grüne) eine öffentliche Debatte auslösen, um - wie er sagt - gemeinsam mit den Chemnitzern die bestmögliche Variante einer Neugestaltung des Viertels zu finden. Stötzer betont dabei immer wieder, dass die Studien weit in die Zukunft gerichtet sind und spricht selbst von einem Zeitraum der nächsten 30 Jahre. Zugleich wird er nicht müde, Ängste zu zerstreuen, die mit den Plänen entstehen könnten - vor allem wegen des möglichen Abrisses von Wohngebäuden. Stötzer betont, solange die vorhandenen Gebäude bewohnt und deren Wohnungen nachgefragt seien, gebe es keine Notwendigkeit für einen Abriss.

Was ist städtebauliches Ziel der Pläne?

Wichtigste Aufgabe des künftigen Theaterquartiers sei seine Scharnierwirkung in alle Richtungen, sagt Stötzer. Mit dem Viertel soll die Kern-Innenstadt mit dem Brühl verbunden werden. Wegen der vielen Freiflächen trennt das Areal heute eher die einzelnen Bereiche des Stadtzentrums. Zugleich soll das Viertel aber auch die Innenstadt mit den Wohngebieten am Schloßberg (Nordwesten), am Kaßberg (Westen) sowie am Sonnenberg (Osten) verknüpfen. Ein weiteres Ziel der Stadtplaner ist die Schaffung von Wohnraum im Zentrum selbst. Laut Stötzer lebten derzeit immer noch zu wenige Menschen in der Mitte der Stadt. "Wir brauchen aber Lebendigkeit in der Innenstadt", so der Baubürgermeister.

Welche Kritik gibt es bisher an den Plänen?

Kritik kommt derzeit vor allem von den Bewohnern jener Gebäude an Mühlenstraße, Georgstraße sowie Karl-Liebknecht-Straße, deren Häuser sich in den Plänen nicht mehr finden. Zugleich wird die geplante Karreebebauung von einzelnen Kritikern als rückwärtsgewandt bemängelt: Sie erzeuge dunkle Wohnungen und Hinterhöfe mit wenig Sonnenlicht. Einzelne Stadträte zweifeln zudem daran, ob sich die Stadt ein solches Projekt überhaupt leisten kann. Die Erweiterung des Opernhauses und ein möglicher Neubau des Schauspielhauses am Schillerplatz könnten nach ersten Schätzungen insgesamt bis zu 120 Millionen Euro kosten.

Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit den Planungen?

Baubürgermeister Michael Stötzer kündigt für 2020 eine Intensivierung der Planung an; zugleich wünscht er sich eine rege Bürgerbeteiligung. "Die Chemnitzer sollen sich einbringen", sagt er. Eine Bebauung soll zunächst beginnen auf den Freiflächen und hier vor allem hinter dem Opernhaus, wo der Neubau eines Technikgebäudes der Städtischen Bühnen geplant ist. Die weitere Bebauung soll laut Stötzer schrittweise erfolgen und erst zuletzt dort, wo Gebäudeabrisse nötig wären. su

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2Kommentare
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  • 4
    0
    Juri
    10.06.2019

    Vielleicht sollten mal junge Planer aus Sachsen ran? Warum eigentlich ein Büro aus Frankfurt???

  • 5
    8
    franzudo2013
    08.06.2019

    Das Albert- Speer- Konzept ist, zumindest dem Modellfoto nach, grottenschlecht. Das Heckerthaus wird in den Hinterhof gestellt. Die Achse von den Kunstsammlungen wird verbrochen und unter Wert gesetzt. Der mögliche Standort des neuen Schauspielhauses erzeugt keine Synergieeffekte, weil es keine bauliche Verbindung zum Opernhaus gibt. Der Baukörper Schauspielhaus definiert keinen Raum, nur Abstandsflächen. Die Blockrandbebauung ist mal geschlossen, mal durchbrochen, es entsteht keine klare Gebäudetypologie.
    Dazu kommen die massiven Rückbauten. Ist das nachhaltig ? Ist das ein Konzept für Chemnitz als Ursprung der Nachhaltigkeit/ des Nachhaltigkeitsbegriffes ?



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