Der mysteriöse Fleck - "Rostet meine Goldmünze?"

17 Jahre nach dem Kauf beginnt ein Sammlerstück anscheinend zu rosten. Doch Experten geben Entwarnung.

371 Euro hatte ein Chemnitzer Sammler vor 17 Jahren für eine 200-Euro-Goldmünze bezahlt, die im Jahr 2002 vom Bundesfinanzministerium anlässlich der Einführung des Euro herausgegeben wurde. Inzwischen werden die Sammlerstücke, die aus 999,9er Feingold bestehen sollen, zu vierstelligen Preisen angeboten. Doch auf einmal weist die Münze auf der Seite mit dem Bundesadler einen Fleck auf, der verdächtig nach Rost aussieht.

"Dabei habe ich sie noch nie aus der Verkapselung herausgenommen", versichert der Besitzer und berichtet, dass derselbe Effekt auch schon von anderen Sammlern beobachtet worden sei. "Ich bin mir nicht sicher, ob hier nicht ein großer Betrug vorliegt oder ob das normal ist", fragt sich der Sammler und wandte sich mit der Bitte um Aufklärung an die "Freie Presse". Denn vom Bundesfinanzministerium, an das er ebenfalls geschrieben hat, habe er bisher keine Antwort erhalten.

"Freie Presse" bat zuerst das Chemnitzer Juweliergeschäft Roller um Auskunft. "Es handelt sich definitiv nicht um Rost", stellte Mitarbeiter Hilko Britz anhand des Fotos fest. Denn Rost entstehe nur durch Korrosion von Eisen oder Stahl, wenn diese in Gegenwart von Wasser mit Sauerstoff oxidieren. Nichteisenmetalle, zu denen auch Edelmetalle wie Gold gehören, rosten nicht. Ohne die Münze selbst zu begutachten, könne er über die Entstehung des Flecks nur spekulieren, so Britz. So könne es sich um Rückstände eines Tropfens handeln, die sich unter Einfluss von Luft verändert haben. Ob dadurch der Wert der Münze gemindert ist, hänge davon ab, ob sich der Fleck - ohne mechanische Hilfsmittel, wie Scheuern oder Polituren - rückstandsfrei abwaschen lässt. Für Experten gebe es auch vielfältige chemische Möglichkeiten, um das zu versuchen.

Dem Bundesfinanzministerium in Berlin sind Berichte von solchen Flecken auf Goldmünzen nicht neu, wie Pressesprecher Martin Chaudhuri auf Anfrage einräumt. Auch andere Sammler hätten sich deswegen schon an die Behörde gewandt.

Die beobachtete Farbveränderung sei vermutlich auf die im Herstellungsprozess von Münzen mechanisch aufgebrachten mikroskopisch kleinen Metallpartikel zurückzuführen, nimmt das Ministerium an. Solche Partikel würden überall auftreten, wo Metalle verarbeitet werden, und könnten durch Einwirkung von Schwefel, der in der Umgebungsluft vorhanden ist, kleine Farbveränderungen - ähnlich wie bei Silberbesteck - hervorrufen.

Bei derartigen Farbveränderungen handle es sich nicht um einen Qualitätsmangel, so der Sprecher. Die zugesicherte Materialqualität von 999,9 von 1000 Teilen Gold werde nicht beeinträchtigt. Eine abschließende und verbindliche Bewertung der Farbveränderung könne letztlich jedoch nur nach einer physischen Untersuchung der Münze erfolgen. Dafür könnten sich Betroffene an das Nationale Analysezentrum der Deutschen Bundesbank, Hegelstraße 65, 55122 Mainz, Telefon 06131 377-4433, wenden.


Tipp: In Salzlösung legen

Zum Beseitigen der Farbveränderung empfiehlt das Bundesfinanzministerium, die Münze in eine warme Salzlösung - etwa ein Teelöffel Kochsalz in 100 Milliliter Wasser - mit einem Streifen Aluminium-Haushaltsfolie zu legen. In so einer Lösung verschwinde der Fleck umgehend. Auch ein handelsübliches Silbertauchbad - am besten erwärmt - beseitige derartige Farbflecken. Danach sollte die Münze unter klarem warmem Wasser abgespült und vorsichtig mit einem Tuch getrocknet werden. (mib)

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