Der TV-Tatortreiniger, der nie an einem richtigen Tatort war

Der Besuch des Serien-Hauptdarstellers hat den Filmnächten einen Rekord eingespielt. Doch was sagt der Mann, der im wahren Leben Spuren beseitigt?

Es ist eine preisgekrönte Serie, die bei den Filmnächten auf dem Theaterplatz auf der ganz großen Leinwand lief: "Tatortreiniger" mit dem Schauspieler Bjarne Mädel in der Hauptrolle. Als Gebäude- und Tatortreiniger Heiko "Schotty" Schott beseitigt er in den 30-minütigen Folgen nicht nur Hinterlassenschaften Verstorbener, sondern beschäftigt sich vor allem mit existenziellen Fragen. Die kammerspielartigen Szenen, garniert mit viel Situationskomik, brachten nicht nur im TV Erfolg. Den Organisatoren der Filmnächte bescherten sie einen Rekord. "Wir waren mit 930 Besuchern ausverkauft", sagte Veranstalter Michael Claus. So viele Gäste wie am Dienstagabend seien diesen Sommer noch nicht auf dem Theaterplatz gezählt worden.

Bjarne Mädel hatte es trotz eines Zugausfalls zwischen Leipzig und Chemnitz pünktlich auf den Theaterplatz geschafft, um mit den Besuchern gemeinsam sechs Folgen der "Tatortreiniger" zu gucken. "Es macht Spaß, mit vielen anderen gemeinsam die Serie zu sehen, zu lachen und die Reaktionen des Publikums zu erleben", sagte Bjarne Mädel vor dem Start. Für seine Rolle als "Schotty" erhielt er den Grimme-Preis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland.

Kürzlich hat der Mime, auch bekannt aus Serien wie "Stromberg" und "Mord mit Aussicht", die jüngsten vier Folgen von "Tatortreiniger" abgedreht. Regisseur Arne Feldhusen, der ebenfalls mit nach Chemnitz gereist war, ist derzeit mit der Bearbeitung der Szenen im Studio beschäftigt. Noch vor Jahresende sollen die Folgen, bei denen unter anderem Comedy-Star Oli Dittrich zu sehen ist, im Fernsehen gezeigt werden. Doch Arne Feldhusen, für Serien wie "Stromberg" und "Ladykracher" verantwortlich, deutete am Dienstagabend auch das Ende für den "Tatortreiniger", für den insgesamt 31 Folgen abgedreht sind, an. "Von Stromberg gab es 46 Folgen. Mehr wird es von 'Tatortreiniger' auch nicht geben", so Feldhusen. Es sei schwierig, das Niveau zu halten, auch wenn es bisher noch immer geklappt habe, erklärte der Regisseur. Für ihn sei der jeweilige "Tatort" eine Bühne, die sich immer wieder für ein anderes Thema öffne. Auf dieser Bühne könne man mit Gott und der Welt reden, sagte der Regisseur.

Nur eines wolle man nicht: authentisch sein und den Job des Tatortreinigers real abbilden. Trotzdem habe man für die Serie recherchiert. "Wir lassen uns von einem Berliner Tatortreiniger beraten", erzählte Bjarne Mädel. Doch selbst mal bei einer original Tatortreinigung dabei zu sein - davon habe ihm der Mann abgeraten, so Mädel. "Er hat uns vor psychischen Problemen gewarnt, die wir beim Besuch eines echten Tatorts bekommen könnten."

Ähnliches sagt der Tatortreiniger von Chemnitz. Olaf Schuster bietet seit zwei Jahren die Dienstleistung in der Stadt an. Sein Büro hat er in der Nähe des Brühls. Mitarbeiter hat er bisher nicht gefunden. "Den Job will keiner machen. Ich bin allein", sagt er. Er habe es mit schwierigen sozialen Fällen zu tun, die den Verfall der Gesellschaft zeigten, so Schuster. Mit der Serie habe seine Tätigkeit nichts gemeinsam. "Die ist von der Realität ganz weit weg. Was ich mache, ist eine todernste Sache."

Mit Mundschutz, Handschuhen und Ganzkörperanzug beseitige er die Hinterlassenschaften Verstorbener. Hinter jedem Fall steckt ein menschliches Schicksal, sagt der Mann. Doch nicht nur deshalb rät Olaf Schuster strikt davon ab, ihn bei seiner Arbeit zu begleiten. Geruch, mögliche Keime in der Luft bergen Gefahren, so der Tatortreiniger. Doch er kann die vielen Leute auch verstehen, die sich die Serie gern anschauen. "Es ist doch schön, wenn sie was zum Abschalten haben", sagt Schuster. Aber er sagt auch: "Gäbe es Geruchsfernsehen, würde niemand die Serie schauen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...