Der Wehrleiter und seine skurrilsten Einsätze

Seit mehr als 25 Jahren ist Roberto Röber Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Lichtenau. Nun steht er vor einer neuen Aufgabe.

Lichtenau.

Wenn der Pieper sich meldet, geht es los. Läuft alles gut, braucht Gemeindewehrleiter Roberto Röber zwei Minuten bis zum Gerätehaus. "Man spürt in dem Moment nur Aufregung und weiß noch nicht, was einen erwartet", sagt Röber. Manchmal gehe der Alarm auch in unpassenden Momenten los. Von einer Geburtstagsfeier weg zu müssen, sei nicht angenehm. Doch seine Frau, mit der er mehr als 20 Jahre verheiratet ist, und seine Kinder hätten dafür stets Verständnis. "Es ist immer schwierig, Feuerwehr mit Familie und Beruf zu vereinen", so der Vater dreier Kinder.

Röber arbeitet im Außendienst und vertreibt Nutzfahrzeuge. Die Einsätze stören seinen Arbeitgeber nicht. Er sei seiner Familie und seiner Firmenleitung für ihr Verständnis sehr dankbar. Manche Kameraden könnten nämlich nicht so leicht von der Arbeit weg. So kam es vor, dass die Feuerwehr bei den 41 Einsätzen im vergangenen Jahr nicht immer vollständig ausrücken konnte. Meistens sei sie wegen umgestürzter Bäume und Autounfällen gerufen worden. Etwa ein Viertel der Einsätze seien allerdings Fehlalarme von Brandmeldeanlagen gewesen.

Röber kam 1991 über einen Freund zur freiwilligen Feuerwehr. Bevor der Lichtenauer Gemeinderat ihn dieses Jahr einstimmig zum Leiter der freiwilligen Feuerwehr wählte, war Röber bereits stellvertretender Leiter der Ortsfeuerwehr Oberlichtenau. Feuerwehrleute seien irgendwann auf ihn zugekommen und hätten ihn gefragt, ob er den Posten des Gemeindewehrleiters nicht übernehmen wolle. "Das ehrt einen natürlich, wenn die Leute so hinter einem stehen", sagt Röber.

Nun ist er für alle fünf Ortsfeuerwehren zuständig. Neue Aufgaben sind beispielsweise, die Gemeinde zum Brandschutz zu beraten und den Ausbildungsstand der Einsatzkräfte zu überprüfen.

Im Laufe der Zeit habe der Familienvater mit den Mitgliedern der Feuerwehr Oberlichtenau auch recht skurrile Einsätze erlebt, etwa ein Reh aus einem Swimmingpool in Oberlichtenau zu ziehen, Katzen von Bäumen zu holen und Schweine beim Hochwasser 2001 vor dem Ertrinken zu retten. "Das ist gar nicht so einfach. Die Tiere verstehen ja nicht, dass man ihnen helfen will, und wehren sich", erzählt er. Als besonders schwierig ist ihm ein Unfall auf der Autobahn in Erinnerung geblieben. Mehrere Autos seien daran beteiligt gewesen. Vor Ort fanden die Einsatzkräfte dann mehrere Tote und abgetrennte Gliedmaßen auf der Straße. Er habe sich damals als Maschinist um die Geräte gekümmert. "Das Tragische war, dass eine schwangere Frau dabei ums Leben gekommen ist. Die Bilder bleiben wohl immer in meinen Kopf", sagt Röber. Nach solchen Einsätzen helfe ihm ein Gespräch am besten. Dabei komme es nicht darauf an, mit wem. Vergessen könne er solche Einsätze zwar nicht, aber Gespräche würden zumindest dabei helfen, die Dinge zu verarbeiten. Solche Erfahrungen hindern ihn nicht daran, weiter zu Einsätzen zu fahren. "Ich helfe gern Menschen, die in Not geraten sind. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr", sagt er.

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