Die Folgen des Wahlergebnisses für den Burgstädter Stadtrat

Die Freien Wähler haben ihre Mehrheit ausgebaut - dabei holen sie sich manche prominente Verstärkung.

Die meisten Stimmen: Mit 1281 Stimmen erzielte Hausarzt Michael Bonke (FWB) das beste Ergebnis. Der 49-Jährige trat erstmals bei einer Kommunalwahl an. "Ich will Verantwortung übernehmen", sagt der Burgstädter. Vor einem Jahr sei er in die Wählervereinigung eingetreten, "weil ich mit der Bundespolitik nicht einverstanden bin", begründet er. Die vielen Stimmen führt er auf die Unterstützung von Familie und Patienten zurück, aber auch auf den ersten Listenplatz. "Damit habe ich von der bisherigen guten Arbeit der Freien Wähler profitiert", fügt er hinzu. Seine Patienten wüssten, dass er sich für die Menschen einsetze und kein Lobbyist sei. Im Stadtrat wolle er sich gegen die hohe Verkehrsdichte in der Stadt und für eine verbesserte Verkehrssituation, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, einsetzen. Außerdem kämpfe er für den Erhalt und den Neubau der Rettungswache Burgstädt, so Bonke. Zweitbestes Wahlergebnis mit 1186 Stimmen erreichte der Kfz-Schlosser Matthias Hofmann für die AfD. "Ich freue mich über den Erfolg", sagt der 53-Jährige. Er hätte aber gern ein paar Stimmen abgegeben, um einen vierten AfD-Mann in den Rat zu holen. Dabei habe er Respekt vor dem Ehrenamt und wolle mit Ernsthaftigkeit die Aufgaben angehen. "Über ideologische Grenzen hinweg wollen wir im Stadtrat zusammenarbeiten", fügt er hinzu. Auf dem dritten Platz mit 1083 Stimmen kam Allgemeinärztin Petra Kirrbach, die seit mehreren Jahren im Stadtrat sitzt.

Die Arzt-Fraktion: Mit Dr. Bonke sind es sieben Ärzte, die künftig im Stadtrat vertreten sind: fünf von der FWB und zwei bei der CDU. Dabei verhehlt Hausarzt Jens Scheithauer (FWB) nicht, dass auch andere Parteien ihn angesprochen hätten. "Aber ich möchte unabhängig von Parteien etwas bewegen", sagt der 48-Jährige. Nur zu meckern, bringe nichts. Er wolle sich für eine lebensfreundliche Stadt engagieren, damit die Abwanderung aufgehalten werde. Deshalb packe er mit an - so beim Kauf des denkmalgeschützten Albertinums, bekannt als Böttgerhaus. Die Sanierung beginne jetzt.


Prominente Zugänge: Wohl bekanntester Neugewählter mit 296 Stimmen ist Wolfgang Scheffel. Der heutige Rentner und langjährige Chirurg am Krankenhaus Hartmannsdorf ist Hobby-Historiker und Buchautor. Der 65-Jährige hat die Geschichte des Krankenhauses aufgeschrieben, ein Burgstädter Wanderbuch herausgebracht und eine humoristische Krankenhaus-Lektüre verfasst. Als Schausteller und Gastwirt ist Swen Kiehl in Burgstädt bekannt. Der 51-Jährige zog mit 752 Stimmen für die AfD in den Stadtrat ein. "Ich bin überwältigt vom Ergebnis", sagt er. Er wolle mehrere Projekte anschieben: einen barrierefreien Markt, mehr Mitbestimmung durch die Bürger und ein Jugendtreff im Wettinhain. "Wir wollen der Jugend aber nichts vorsetzen, sondern sie soll selbst bestimmen", so Kiehl.

Prominente Abgänge: Jürgen Gehrke hat es mit 193 Stimmen für die Freien Wähler nicht geschafft. "Ich bin darüber traurig, vielleicht liegt es daran, dass mich viele auf der Liste der CDU gesucht haben", sagt der 59-Jährige. Der Raumausstattermeister war 20 Jahre in der CDU und saß seit 1991 (mit Unterbrechung) im Stadtrat. Seit 2014 war er zudem Mitglied im Kreistag und schaffte auch dort den Einzug nicht. Wegen Querelen im CDU-Ortsverband sei es zum Bruch gekommen. "Ich werde mich weiter bei den Freien Wählern engagieren und bin erste Ersatzperson", so Gehrke. Auch Buchhändlerin Ulrike Esche, die seit 15 Jahren im Rat saß, hat es mit 217 Stimmen für die CDU nicht geschafft. "Ich weiß die Arbeit in guten Händen", sagt sie im Hinblick auf die fünf Gewählten. Nach über 20 Jahren verlässt Werner Hoffmann von den Linken den Rat. "Ich werde meine Ideale nicht aufgeben", sagt der 82-Jährige. Der Wählerwille sei bindend, die neuen Stadträte aus der AfD müssten jetzt zeigen, dass sie es besser machen, ergänzt er. Mit 291 Stimmen hat Carsten Scheer von der SPD den Einzug verpasst. "Wir haben seit 2014 einiges angestoßen, eigentlich wollte ich vieles noch verwirklicht sehen, wie die Umgestaltung des Angers zum Sportplatz für die Jugend ", so der 39-jährige Lehrer.



Das sind die 22 neuen Stadträte von Burgstädt

FWB (12 Sitze): Michael Bonke (1281 Stimmen), Petra Kirrbach (1083), Jens Scheithauer (806), Ulrich Dietz (599), Christina Roßner (431), Petra Ronneburger (414), Markus Kolbe (400), Christian Flechsig (340), Uwe Teichmann (265), Thomas Köhler (261), Bernd Lehmann (256), Andrea Glashagen (246)

CDU/Gewerbe- und Handelsverein (5 Sitze): Thomas Pfüller (739), Volker Gerhardt (343), Thorsten Küttner (312), Wolfgang Scheffel (296), Mandy Irmscher (240)

SPD/Grüne (1 Sitz): Michael Seidel (426)

Die Linke (1 Sitz): Ralf Jerke (384)

AfD (3 Sitze): Matthias Hofmann (1186), Swen Kiehl (752), Mario Reichelt (180) (bj)


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