Die Legende von den billigen Immobilien

Laut einem Internetportal sind die Preise von Eigentumswohnungen in Chemnitz entgegen dem Bundestrend in den vergangenen Jahren gefallen. Das stimmt so aber nicht, sagen Experten.

Eigentumswohnungen in Chemnitz wurden 2015 im Schnitt für 700 Euro je Quadratmeter angeboten. Das war ein Rückgang um 15Prozent im Vergleich zum Jahr 2010, als der Durchschnittspreis noch 825 Euro betrug. So steht es in einem jetzt von dem Immobilien-Verkaufs-Portal Immowelt.de veröffentlichten Kaufpreis-Vergleich für 22 ostdeutsche Städte.

Am teuersten waren Eigentumswohnungen demnach im Vorjahr in Berlin mit 3171 Euro je Quadratmeter - ein Plus von 88 Prozent seit 2010. Den zweithöchsten Anstieg verzeichnete Dresden mit 49 Prozent auf 1955 Euro. Damit kostete der Quadratmeter dort dennoch weniger als in Potsdam (2867 Euro), Rostock (2245) und Jena (2105). Schlusslicht war Plauen mit minus 23 Prozent auf zuletzt 404 Euro.

Datenbasis waren laut Immowelt.de 124.400 Eigentumswohnungen, die 2010 und 2015 auf dem Portal inseriert wurden. Mehr als die Hälfte davon entfiel allein auf Berlin, war auf Nachfrage zu erfahren. Die Werte für Chemnitz seien aus 4040 Angeboten berechnet worden.

Die Angaben, die bei manchem Kaufinteressenten Hoffnungen auf ein Schnäppchen wecken könnten, werden von Experten der Branche relativiert. So werden derzeit auf Immowelt.de in Chemnitz exakt 291Wohnungen angeboten, darunter 13 in Neubauten. Bei Immobilienscout24.de, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland, sind es 492 Wohnungen, darunter jeweils mehrere in elf Neubauten.

Immobilienscout24.de gibt den mittleren Preis für Chemnitzer Bestandswohnungen im Jahr 2015 mit 844 und für Neubauwohnungen mit 1374 Euro je Quadratmeter an. Das waren acht beziehungsweise zwölf Euro weniger als 2010 - jeweils ein Rückgang um knapp ein Prozent.

Anders als bei Immowelt.de wurde dabei nicht der Durchschnittspreis aller inserierten Wohnungen errechnet. "Wir berechnen eine Beispielimmobilie - 80 Quadratmeter, drei Zimmer, 30 Jahre alt - auf Basis unserer Daten, um Immobilien überhaupt vergleichbar zu machen", sagt Pressesprecher Marcus Dost. Andernfalls könne es passieren, dass eine Häufung von Angeboten in einfachen Lagen den Durchschnittspreis sinken lässt.

Immobilienscout24.de beobachte in Chemnitz "ein eher stagnierendes Preisniveau" in Abhängigkeit von der Lage. "In guten, gefragten Lagen steigen auch in Chemnitz die Preise", so Dost. So seien beispielsweise Neubauwohnungen in Glösa-Draisdorf von 2010 bis 2015 um fast 21 Prozent teurer geworden, Bestandswohnungen auf dem Sonnenberg im gleichen Zeitraum um etwa zwölf Prozent billiger.

Wesentlich differenzierter als bei Immowelt.de sind auch die Angaben des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), zu dem sich der Ring Deutscher Makler und der Verband Deutscher Makler 2004 zusammengeschlossen haben. In dessen Immobilienpreisspiegel werden für Chemnitzer Bestands-Eigentumswohnungen - 80 Quadratmeter und drei Zimmer - Preise von 500 (Wohnwert einfach), 780 (mittel), 1200 (gut) und 1500 Euro (sehr gut) je Quadratmeter genannt. Bei Neubauten sind es 1800 (gut), 2100 (sehr gut) und 2400 Euro als Kaufpreis in Spitzenobjekten in Toplagen, wie es heißt. "Wir verzeichnen seit 2009 in Chemnitz Preissteigerungen um 50 bis 150 Prozent" sagt Jens Zimmermann, geschäftsführender Vorsitzender und Pressesprecher des IVD-Regionalverbandes Mitte-Ost. Die Verkaufsportale im Internet geben aus seiner Sicht nur ein Zerrbild der Wirklichkeit wieder, da auch Angaben zu den Nebenkosten fehlten. Er sehe für Chemnitzer Immobilien aufgrund der niedrigen Ausgangsbasis gute Wertsteigerungsmöglichkeiten auch im Vergleich zu Dresden und Leipzig.

Die Chemnitzer Immobiliengesellschaft Realis bietet Eigentumswohnungen in Neubauten derzeit für 1900 bis 2800 Euro je Quadratmeter an. KPM-Bau aus Limbach- Oberfrohna, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Eigentums-Geschosswohnungsbau in Chemnitz, verzeichnet seit 2010 einen kontinuierlichen Verkaufspreis-Anstieg. Derzeit liege dieser bei 2000 Euro je Quadratmeter.


Kommentar: Nur ein Bruchteil

Die von Immowelt.de ermittelten Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen. Chemnitzer Eigentumswohnungen zu diesen Quadratmeterpreisen werden tatsächlich auf dem Internetportal angeboten. Davon kann sich jeder mit wenigen Klicks überzeugen und dort vielleicht sogar seine persönliche Traumwohnung zum Schnäppchenpreis finden.

Vermessen ist es allerdings, gleich Aussagen für die Kaufpreis-Entwicklung in einer ganzen Stadt oder sogar ganzen Landesteilen aus den Inseraten abzuleiten. Denn sie bilden immer nur einen Bruchteil des Immobilienmarktes ab. Die Online-Plattformen sind ein Verkaufsinstrument - mehr aber auch nicht.

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