Die neue Gastro-Szene im Fabrikstil

Auf dem Areal des früheren Wirkbaus an der Annaberger Straße öffnen zwei Lokale. Die Betreiber sind in der Stadt allesamt keine Unbekannten.

Ein Tagesrestaurant mit internationaler Küche und ein Café mit eigener Bohnenröstanlage lenken das Interesse der Gastronomieszene derzeit auf sich. Denn die Betreiber der neuen Lokale sind in der Stadt keine Unbekannten.

Andreas Kirsten und seine Frau Denise haben jahrelang im innerstädtischen Kunstrestaurant "Heck-Art" die Küche und den Service organisiert. Am Montag eröffneten sie mit Marco Weidlich das neue Restaurant "Nomad". Auch Weidlich ist stadtbekannt. Einst betrieb er einen Jeansladen in der City, danach machte er sich mit der Catering- und Mittagsverpflegung "Suppengrün" mit Adressen in den Rathaus-Passagen und im Archäologiemuseum einen Namen. Das "Nomad" ist ihr erstes gemeinsames Projekt. Die ehemalige Kantine "Wirkbauer" an der Lothringer Straße wurde für das neue Restaurant komplett umgebaut. An den Wänden stehen Holzbänke und an der Decke hängen gusseiserne Pflanzenampeln. Herzstück ist ein chromfarbener Tresen mit Kühlstrecke und Wärmelampen. Dort wird künftig das kulinarische Tagesangebot präsentiert. "Gesunde Gerichte aus hochwertigen Zutaten, die satt machen und trotzdem kreativ zubereitet sind: So wollen wir überzeugen", sagt Weidlich.

Schon vormittags soll das "Nomad" geöffnet sein. Benannt ist es nach Weidlichs und Kirstens Arbeitsweise der vergangenen Monate. "Wie Nomaden sind wir mit unseren Speisen umhergezogen, haben Caterings für Unternehmen und Feste angeboten und gleichzeitig für die Suppengrün-Küchen in der Innenstadt gekocht", so Andreas Kirsten.

Diese Mobilität wollen sich die Gastronomen auch vom neuen Standort aus erhalten. Was dort gekocht wird, bekommen unter anderem die Mitarbeiter der BMW-Niederlassung in Röhrsdorf oder des Digitalunternehmens Staffbase aufgetischt. Das "Nomad" soll nun jedoch auch die Laufkundschaft anlocken. "Tagsüber gibt es einen offenen Restaurantbetrieb, wer will, kann sein Essen bei uns genießen oder mitnehmen", so Kirsten.

Abends seien Koch-Events wie Lehrgänge, Themenmenüs oder Mietveranstaltungen geplant. Vor einem geschäftlichen Misserfolg fürchten sich Kirsten und Weidlich nicht. Etwa 50 Unternehmen mit mehr als 1200 Mitarbeitern, dazu Vereine, Bildungseinrichtungen sowie Künstler und Kreative haben sich in den vergangenen Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Wirkbau-Fabrik angesiedelt. "Auf den insgesamt 43.000 Quadratmetern Fläche wollen wir nun auch mit Gastronomie ein lebendiges Quartier für alle schaffen", sagt Bertram Schultze von der MIB AG. Das bundesweit tätige Unternehmen entwickelt brach liegende Industriearchitektur, auch den Wirkbau. Unter anderem etablierten sie zudem eine alte Spinnerei in Leipzig zum weit beachteten Kunstzentrum mit mehr als 80 ansässigen Profi-Künstlern und elf Galerien.

Herzstück des Chemnitzer Areals ist der Ende der 1920er-Jahre entstandene 63 Meter hohe Backsteinturm des Architekten Erich Basarke. In dessen Schatten eröffnet Kaffeeröster Matthias Dallinger kommende Woche sein neues Bohnenparadies. "Immer wenn das Glockenwerk im Turm schlägt, fühle ich mich wie im hippen London", sagte Dallinger, als er am Wochenende sein Equipment im nun 400 Quadratmeter großen Industrieraum aufbaute. Bisher betrieb Dallinger das Geschäft "Bohnenmeister" an der Zschopauer Straße, auf gerade einmal einem Viertel der neuen Fläche. "Der Name zieht mit", so Dallinger. "Aber der Rest bekommt ganz andere Dimensionen." In dem entstehenden Café können die Besucher genau wie vorher ihren frisch gerösteten Kaffee kaufen, zusätzlich aber auch Kuchen essen, Kaffeespezialitäten trinken und an extra eingerichteten Anschlüssen ihre Rechner anstecken und in entspannter Atmosphäre arbeiten. Er liebe den Industriecharme, schwärmte Matthias Dallinger, der sein neues Café mit Holz- und Beton-Chic ausgestattet hat. Geöffnet sei es künftig immer tagsüber, außer sonntags.

Eine Zusammenarbeit haben die gastronomischen Nachbarn vorerst nicht geplant. "Wir freuen uns auf ein gutes Miteinander, verfolgen aber eigene Konzepte", so Weidlich.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...