Die Oratoriums-Premiere mit dem besonderen Gast

Zum ersten Mal wird in der Kreuzkirche das Paulus-Oratorium aufgeführt. Die Hauptrolle übernimmt ein Südafrikaner von internationalem Renommee.

Gerade einmal 25 Jahre war Felix Mendelssohn Bartholdy alt, als er mit der Arbeit an einem Werk begann, das Weltbedeutung erlangen sollte. Zwei Jahre später, 1836, wurde das Paulus-Oratorium, uraufgeführt und in den folgenden 18 Monaten 40 verschiedenen Orten dargeboten. Es war, wenn man es so will, der große Hit seiner Zeit.

Nach langer Zeit, die letzte Aufführung in der Stadt liegt Jahre zurück, können die Chemnitzer und Chemnitzerinnen der Wandlung vom Saulus zum Paulus folgen. In der Kreuzkirche auf dem Kaßberg wird es am Sonntag dargeboten. Eine Premiere für das Gotteshaus und für den Kantor: "Ich habe schon viele Oratorien dirigiert, das aber auch noch nicht", sagt Steffen Walther.

Das Oratorium besteht aus zwei Teilen. Der erste beschreibt die Verfolgung der Christen und die Wandlung des Eiferers Saulus zum Paulus. Der zweite erzählt von seiner Missionarstätigkeit. Für Kantor Walther ist es ein auch für Laien zu empfehlendes Werk: "Die Musik ist in weiten Teilen sehr zugänglich und vieles erschließt sich unmittelbar. Darüber hinaus gibt es große emotionale Abgründe", erklärt er. Die "große musikalische Frische", die er dem Oratorium bescheinigt, hängt auch mit der personellen Ausgestaltung zusammen: Ein Chor aus 90 Sängerinnen und Sängern sowie 50 Musiker sind beteiligt. Darunter mit Siyabonga Maqungo ein Tenor von internationalem Renommee.

Maqungo stammt aus Soweto in Südafrika. Nach einem Studium in seiner Heimat erhielt er ein Stipendium für ein Masterstudium an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz (2014 bis 2016). Von 2015 bis 2018 war er Ensemblemitglied am Staatstheater Meiningen. Im Sommer 2018 wechselte er nach Chemnitz. "Es waren vor allem die Rollen, die mich gelockt haben", erzählt er. Am hiesigen Opernhaus trat Maqungo unter anderem als Tamino ("Die Zauberflöte") auf, demnächst wird er als Belmonte in "Die Entführung aus dem Serail" von Wolfgang Amadeus Mozart zu sehen und hören sein. Seine Auftritte fanden auch international Anerkennung. In diesem Jahr wurde er in der Kategorie "bester junger Sänger" für die International Opera Awards nominiert.

Seine Auftritte sah auch Kreuzkirchenkantor Walther. Er fragte Maqungo an, ob er sich ein Gastspiel im Paulus-Oratorium vorstellen könnte und rannte offene Türen ein. Er sei einst als Konzertmusiker gestartet, berichtet der Südafrikaner. Einer seiner Lieblingskomponisten sei Johann Sebastian Bach, eines seiner Lieblingswerke die Matthäuspassion. "Und Mendelssohn hat Bach sozusagen wiederbelebt. Das Paulus-Oratorium erinnert mich an die Johannes- und die Matthäus-Passion. Deswegen bedeutet mir der Auftritt eine Menge." Seit einem Monat bereitet er sich auf den Auftritt vor, den er als eine Herausforderung bezeichnet: "Ich bin der Erzähler und ich muss die richtigen Farben finden, die zur Musik passen. Ich muss das Bild malen", erklärt Maqungo seine Rolle. Der Aufwand lohnt sich für ihn: Er werde noch einmal im Paulus-Oratorium auftreten, kündigt der 30-Jährige - dann allerdings in der Philharmonie Köln.

Paulus-Oratorium, am Sonntag um 17Uhr in der Kreuzkirche. Karten kosten zwischen 13 und 22 Euro.

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