Die Putzkolonne vom Sonnenberg

Mehr als 20 Helfer haben im Stadtteil nach Silvester sauber gemacht. Die Motivation für die Teilnahme ist verschieden.

Sonnenberg.

Leere Batteriefeuerwerke, Flaschen, Böllerreste, Pappe und Papier: Auf Gehwegen und Wiesen des Lessingplatzes auf dem Sonnenberg häufen sich am Donnerstagmittag die Überbleibsel der Silvesterknallerei. Während Eltern auf den Spielplätzen ihre Kinder beaufsichtigen, sammeln mehr als 20 Frauen, Männer und Kinder in dem Park den Müll ein. Auf Initiative von Stadträtin Katharina Weyandt (Bündnis 90/Die Grünen) haben sie sich zu dem rund zweistündigen Neujahrsputz getroffen. Unter ihnen sind Familien, Flüchtlinge, Bewohner des Sonnenbergs und Helfer der katholischen Kirchgemeinde St. Joseph sowie des Ordens der "Missionarinnen der Nächstenliebe".

Ausgestattet mit Müllgreifern, Säcken und Handschuhen sind die Helfer bei Sonnenschein und niedrigen Temperaturen in der Parkanlage unterwegs. In wenigen Minuten ist der erste Sack voll. "Ich wohne auf dem Sonnenberg und eine solche Aktion kann ja so schlecht nicht sein", sagt Christine Schulze. Ihr gefalle es im Stadtteil. Als Rentnerin wolle sie sich ehrenamtlich einbringen, erklärt sie ihre Motivation, den Müll anderer wegzuräumen. "Der Dreck ist nicht schön anzuschauen, wenn man Besuch hat und mit ihm spazieren geht", sagt sie.

Schon im vergangenen Jahr hat Adel Matar beim Neujahrsputz auf dem Sonnenberg mitgemacht. Auch bei ähnlichen Aktionen am Schloßteich und im Küchwald habe er geholfen, erzählt er. Für den Flüchtling aus Palästina, der 2014 nach Chemnitz kam und im Stadtteil wohnt, ist es selbstverständlich, bei der Reinemach-Aktion zu helfen. "Ich liebe Chemnitz und habe hier viele Freunde gefunden", sagt Matar. Silvester habe er nicht auf dem Sonnenberg sondern in Altchemnitz gefeiert, da sei es ruhiger, sagt er. "Ich möchte nicht, dass meine Kinder durch Müllberge stapfen müssen. Sie sollen sich wohlfühlen", sagt Dorothea Dunger. Deshalb beteilige sie sich an der Aufräum-Aktion. Mit ihren drei Kindern und ihrem Mann lebt sie ebenfalls auf dem Sonnenberg. Ihr siebenjähriger Sohn Noah ist mit dabei und sammelt Papierreste auf. Wie Adel Matar haben auch Dungers Silvester nicht auf dem Sonnenberg verbracht. "Wir waren auf dem Dorf bei Oma und Opa. Da ist es viel ruhiger", sagt Noah.

Im Müllsack von Ingrid Bartl häufen sich Pizzakartons, Böllerreste, Plastiktüten und Papier. "Mich ärgert es furchtbar, dass es hier so verdreckt ist", sagt das Mitglied der Kirchgemeinde St. Joseph. Aber es sei toll, dass so viele mitmachten. Nach einer halben Stunde ist der Park sauber. "Wie schön es hier wieder aussieht", sagt Ingrid Bartl. Zehn Müllsäcke sind voll. Nun schwärmen die Helfer in die Straßen aus, die vom Lessingplatz in andere Teile des Sonnenbergs führen.

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