"Die Selbstständigkeit ist für Claußnitz oberstes Gebot"

Bürgermeisterkandidat Andreas Heinig über fehlende Spielplätze und Nachholebedarf in der Informationspolitik

Claußnitz.

Am 1. September wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Nach 28 Jahren tritt Günter Hermsdorf (CDU) zurück. Andreas Heinig ist von der Freien Wählervereinigung nominiert worden. Er will sich gegen Mario Lorenz (SPD) und Robin Helmert (CDU) behaupten. Bettina Junge sprach mit dem Kandidaten.

Freie Presse: Sie sind die Karriereleiter Stück für Stück im Chemnitzer Rathaus hinaufgeklettert. Warum bewerben Sie sich nicht für das Oberbürgermeisteramt?

Andreas Heinig: Das ist eine Nummer zu groß für mich. Ich fühle mich mit meiner Heimatgemeinde Claußnitz eng verbunden. Deshalb traue ich mir das Bürgermeisteramt hier im Ort eher zu. Aber natürlich gehe ich derzeit gern auf Arbeit. Allein 600 Personalvorgänge gehen pro Jahr über meinen Tisch. Auch da braucht man Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Denn es wird immer schwieriger, Fachkräfte im öffentlichen Dienst zu finden.

Vertrauen Sie diesen Eigenschaften auch bei der Kandidatur als Bürgermeister?

Auf alle Fälle. Mir liegt meine Heimatgemeinde sehr am Herzen. Ich spüre das Vertrauen der Bürger, denn zur Gemeinderatswahl habe ich mit 310 Stimmen das drittbeste Ergebnis erzielt. Die Bewerbung sehe ich aber auch als Chance in meiner Karriere.

Warum sind Sie nicht schon 2015 als Gegenkandidat angetreten?

Damals haben die Freien Wähler die Kandidatur des Amtsinhabers unterstützt. Jetzt hört Günter Hermsdorf auf. Das ist eine Chance auf einen Generationswechsel.

Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Ich würde es gar nicht an einer Person festmachen. Denn wir haben in den 30 Jahren viel erreicht. Investitionen wurden vorangetrieben. Ich denke nur an den Hochwasserschutz. Unsere Oberschule ist Kohlendioxid-neutral. Industriebrachen sind beseitigt worden. Wir stehen ohne Schulden da. Aber in der Vergangenheit wurde zum Beispiel zu wenig Augenmerk auf Spielplätze in allen Ortsteilen gelegt. Die Geburtenraten gehen nicht wie erwartet zurück. Das heißt: Junge Familien brauchen Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Kinder. In Diethensdorf ist ein Spielplatz veraltet, in Röllingshain fehlt er ganz.

Sie sprechen die schwarze Null an. Werden da nicht Investitionen verhindert?

Die Schuldenfreiheit ist ein großes Privileg. Damit können die Belastungen für die Bürger gering gehalten werden. Trotzdem können wir die Grundschule erweitern, die Turnhalle neu bauen. Die Nachfahren werden es uns danken. Aufgrund unserer guten Finanzausstattung können wir die Kindereinrichtungen als Gemeinde auch selbst betreiben.

Welche Vorteile bringt das gegenüber der freien Trägerschaft?

Wir haben es als Kommune selbst in der Hand, auf Probleme schnell Einfluss zu nehmen, beispielsweise bei der Essensversorgung, Personalangelegenheiten und baulichen Veränderungen.

Was liegt Ihnen noch am Herzen?

Wir haben viele Angebote, die mit Leben erfüllt werden müssen. Dabei ist die Balance zwischen dem Notwendigen und Finanzierbaren zu finden. Ich weiß, dass aktuell der Fußballplatz an der Oberschule etwas saniert wird. Aber das reicht nicht aus. Auf lange Sicht muss er grundlegend erneuert werden. Und dann stört mich an manchen Stellen das Ortsbild. Da gibt es noch viel zu tun, beispielsweise der zugewachsene Bachlauf am Anger. Ich würde gern verschiedene Plätze einladender gestalten, so durch Blumen. Aber auch neue Eigenheimstandorte sollten ausgewiesen werden, damit junge Familien zu uns ziehen.

Und was sagen Sie zu den Plänen einer Eingemeindung?

Dafür gibt es keinen Grund. Wir stehen finanziell sehr gut da. Die Selbstständigkeit ist oberstes Gebot. Man sägt doch nicht am eigenen Stuhl.

Wie schätzen Sie die bisherige Informationspolitik ein?

Da haben wir Nachholebedarf. Schneller sollten Themen, die wir im Gemeinderat vorbesprechen, übers Internet den Bürgern bekanntgemacht werden, damit eine Beteiligung bei der Ideenfindung möglich ist. Das Amtsblatt muss moderner werden. Die Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung muss damit einhergehen.

Wie schätzen Sie das Miteinander im Gemeinderat ein?

Wir ziehen alle an einem Strang, über Parteigrenzen hinweg. Ich kann einschätzen, dass das Wohl der Bürger allen am Herzen liegt. Nie geht es darum, dass eigene Wünsche durchgebracht werden sollen. Nach Diskussionen, manchmal auch kontrovers, setzen sich die besten Ideen durch. Dieses gute Klima wünsche ich mir auch weiterhin.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Ich kann durch eine fundierte Ausbildung, die als Rathauschef wichtig ist, punkten. Außerdem bin ich bodenständig. Von den drei Kandidaten bin ich ein echter Claußnitzer. Das zählt viel bei den Bürgern.

Und wenn es mit der Wahl nicht klappt?

Dann arbeite ich natürlich weiter im Gemeinderat aktiv mit. Und im Chemnitzer Rathaus wird man sich freuen, dass nicht nach einem Nachfolger gesucht werden muss. Aber ich bin natürlich angetreten, um die Wahl zu gewinnen, möglichst im ersten Wahlgang.


Andreas Heinig

Der 31-Jährige ist in Karl-Marx-Stadt geboren und in Claußnitz aufgewachsen. Er wohnt in Claußnitz und hat eine Lebensgefährtin und einen sieben Monate alten Sohn. Nach dem Abitur in Burgstädt und Zivildienst im Evangelisch-lutherischen Pfarramt in Claußnitz ist er zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadtverwaltung Chemnitz ausgebildet worden. Nach mehreren Stationen in der Stadtverwaltung Chemnitz sowie seinem Studium zum Verwaltungsbetriebswirt arbeitet er derzeit als Sachgebietsleiter Personalgewinnung im Hauptamt. Mit seiner Freundin besucht er die Tanzschule, engagiert sich im Schützenverein und im Kirchenvorstand. Seit 2014 sitzt er für die Freie Wählervereinigung Claußnitz im Gemeinderat und ist zweiter Stellvertretender Bürgermeister. (bj)

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...