Die soziale Liberale

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Wahl 2021 Monique Woiton kämpft für die Liberalen um den Einzug in den Bundestag. Ihr geht es vor allem um soziale Gerechtigkeit, aber nicht nur.

Rochlitz/Limbach-O..

August 2017. Christian Lindner ist in der Halle 2 der Chemnitz-Arena. Wahlkampf vor mehr als 400 Zuhörern. Es ging um die Zukunft der Industrie und die digitale Revolution. Auch Monique Woiton war im Publikum. "Seine Art hat mich fasziniert", sagt die 48 Jahre alte Schwarzenbergerin. Was genau der FDP-Chef damals sagte, kann sie zwar nicht mehr berichten. Zu lange her. Aber der Eindruck blieb bei ihr hängen, "Lindner verfolgt ein Ziel und zieht das durch." Das gefiel ihr. Nach diesem einen Abend, ein Schlüsselerlebnis für Monique Woiton, stand für sie fest, sich ebenfalls bei den Liberalen zu engagieren.

"Ich habe Freunde in der FDP. Und politisch interessiert bin ich schon ganz lange", fährt sie fort. "Irgendwann macht man einfach mit." Sie lacht, wirkt glücklich und zufrieden, sich so entschieden zu haben. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl gab sie einen Mitgliedsantrag ab. Nun, vier Jahre später, fährt sie als Direktkandidatin Städte und Gemeinden in einem Wahlkreis ab, der heterogener kaum sein könnte und zu dem neben der Rochlitzer Region Teile des Erzgebirgskreises sowie des Landkreises Zwickau gehören. Sie spricht mit Leuten, hängt Wahlplakate mit einem strahlenden Gesicht von ihr auf und verteilt Flyer. Als sie davon erzählt, schüttelt sie einmal etwas ungläubig den Kopf, so als könnte sie es selbst kaum fassen, jetzt auch im Wahlkampf zu stehen.

Doch warum ist der 48-Jährigen politisches Engagement so wichtig? "Sich aufregen kann jeder, aber etwas machen, das tun nur wenige", hebt sie an. Dann fügt sie als eine, die in der DDR-Diktatur in Annaberg-Buchholz aufwuchs und als Jugendliche die Wende erlebte, an: "Wenn wir schon die Möglichkeiten haben, warum sollen wir die nicht nutzen." Ein Satz, der ihre Einstellung gut widerspiegelt. Im Gespräch mit der "Freien Presse" im Café ihres Parteifreunds, dem Rochlitzer Bäcker Sven Krause, fallen immer wieder Worte wie Demokratie, Freiheit und Selbstverantwortung. "Die FDP ist eine sehr demokratische und liberale Partei. Hier wird das Individuelle und das Freiheitliche stark betont", ist so ein Satz von Woiton, die seit 2020 Vorsitzende des Ortsverbands Stollberg-Zwönitztal ist.

Ein Thema bewegt sie besonders: die Chancengleichheit. "Viele Menschen kämpfen noch immer um ihren Platz in der Gesellschaft", meint Woiton, die in Chemnitz als Angestellte im Bereich Soziales und Menschen mit Behinderung arbeitet. Ihr ist dabei bewusst, dass soziale Wohltaten nur dann möglich sind, wenn der Staat ausreichend Geld zum Verteilen hat. Kleinen und mittelständischen Unternehmen müsse es daher gut gehen. Sie nennt sie eine wichtige Stütze. Was sie wohl auch meint: Sie sind wichtige Steuerzahler.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bildung. "Die Pandemie hat gezeigt, dass hier vieles im Argen liegt. Wir brauchen zukunftsorientierte Lehrpläne. Wir müssen sie entstauben und schauen, was wirklich wichtig ist." Für sie ist außerdem klar, Corona hat die Versäumnisse im digitalen Lernen offenbart. Eine wesentliche Rolle sollten ihrer Meinung nach Praktika spielen. "Wir brauchen mehr praktischen Anteil in der Schule, auch und gerade am Gymnasium." Erneut lacht sie, dann sagt sie: "Lernen beim Tun. Das mache ich jetzt als Kandidatin ja auch."

Neue Wege einschlagen und sich umorientieren, gehörte für Woiton lange Zeit zum Leben dazu. Nach dem Abitur lässt sie sich zur Kauffrau im Eisenbahn- und Straßenverkehr ausbilden, danach geht sie für ein Jahr als Au-Pair in die USA. Nach der Rückkehr arbeitet sie für eine Umzugsspedition zunächst in München, später in Köln. "Der Liebe wegen bin ich nach Schwarzenberg gezogen." Sie heiratet. Ihre Tochter wird geboren. Sie nimmt Elternzeit, macht sich danach mit einem Büro- und Hausmeisterservice selbstständig. Doch 2004 stirbt ihr Mann. Sie kann und will das Risiko mit einem eigenen Geschäft und alleine mit einem dreijährigen Kind nicht tragen. "Ich habe, weil Jobs in der Gegend zu der damaligen Zeit rar waren, als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft gearbeitet." Nachdem die Tochter alt genug ist, wechselt sie nach Chemnitz, wo sie heute noch arbeitet. Erst jetzt, aus dem Kind ist eine 20 Jahre junge Frau geworden, die ihre eigenen Wege geht, legt sie den Nachnamen ihres Mannes ab und führt wieder ihren Mädchennamen. "Das wollte ich schon lange, aber", hält sie inne. "Meine Tochter versteht das jetzt. Früher hätte ich mich immer erklären müssen, warum wir verschiedene Nachnamen haben. Das wollte ich nicht."

Aufgrund des Wahlkampfs, den sie ohne Chancen auf das Direktmandat trotzdem engagiert führt, bleibt keine Zeit für ihre Hobbys. Sie liest gerne - "nicht nur Sachbücher, sondern auch Romane". Sie singt leidenschaftlich - "bis Corona in der Chorgemeinschaft Schwarzenberg". Sie zieht es meist in die Berge.

Nicht zuletzt interessiert sie sich für "Traditionen und altes Handwerk und die technische Entwicklung". Rochlitz sei ein schöner Fleck, sagt sie und betont dabei: "Ich bin ein absoluter Schlösser- und Burgenfan." Der Verzicht auf all das fällt ihr zwar schwer, aber sie scheint an der Politik Blut geleckt zu haben. "Man lernt die Städte, die Gemeinden und ganz viele Menschen kennen."


Biografie

Monique Woiton ist 48 Jahre alt, wuchs in Annaberg-Buchholz auf und lebt in Schwarzenberg. Nach dem Abitur lernte sie Kauffrau im Eisenbahn- und Straßenverkehr und arbeitete in München und Köln. 2000 kehrte sie zurück, heiratete und bekam eine Tochter. Inzwischen arbeitet sie als Angestellte im Bereich Soziales und Menschen mit Behinderung. (acr)


Ein Wahlkreis - Drei Landkreise

Der Wahlkreis 163 erstreckt sich über drei Landkreise. Diese Orte gehören zum Wahlkreis:

Mittelsachsen: Claußnitz, Erlau, Geringswalde, Hartmannsdorf, Königshain-Wiederau, Lichtenau, Lunzenau, Penig, Wechselburg, Burgstädt, Mühlau, Taura, Königsfeld, Rochlitz, Seelitz, Zettlitz;

Zwickau: Callenberg, Gersdorf,

Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Limbach-Oberfrohna, Niederfrohna

Bernsdorf, Lichtenstein, St. Egidien;

Erzgebirge: Hohndorf, Jahnsdorf, Neukirchen, Oelsnitz, Thalheim, Burkhardtsdorf, Auerbach, Gornsdorf, Lugau, Niederwürschnitz, Niederdorf, Stollberg, Zwönitz. (acr)


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