Disco-Fox mit Zollstöcken

Auf dem Neumarkt haben Könner Passanten mit Tänzen unterhalten. Dabei haben die Akteure zurzeit große Sorgen.

Viele Passanten zückten Handykameras und spendeten reichlich Beifall. Insgesamt 30 Mitarbeiter, Auszubildende und Chefs der vier größten Chemnitzer Tanzschulen haben am gestrigen Donnerstagvormittag auf dem Neumarkt zu mitreißender Musik Kostproben ihres Könnens im Cha-Cha-Cha, Langsamen Walzer, Macarena und Disco-Fox abgegeben. Nur das rot-weiße Absperrband, die Markierungen auf dem Pflaster, die Masken vor Mund und Nase und vor allem die Zollstöcke, mit denen die Paare beim Disco-Fox zwei Meter Abstand einhielten, deuteten auf den ernsten Hintergrund der Aktion unter dem Motto "Tanzen ist Leben!" hin.

"Wir möchten auf die dramatische Situation der Tanzschulen aufmerksam machen", erklärte Carsten Hetze, Inhaber der Tanzschule Emmerling. "Wir erwarten von der Regierung, dass sie sich um den Erhalt der Tanzschulen bemüht", ergänzte Kay Gottwaldt, Inhaber der Tanzschule Passion life. Denn Tanzschulen seien gleichermaßen Kulturstätten, Fitnessstudios, Gastronomie- und Ausbildungsbetriebe. "Es geht uns nicht um Freizeitvergnügen, sondern um nackte Existenz", sagte Mirko Dreischarf, ebenfalls Inhaber der Tanzschule Emmerling. Alle Tanzlehrer seien zu Hygienevorschriften geschult, die Chemnitzer Tanzflächen zählten bundesweit zu den größten. Zwar habe die sächsische Regierung am Mittwoch die Wiedereröffnung der wegen Corona seit 17. März geschlossenen Tanzschulen im Freistaat für den 18. Mai in Aussicht gestellt, doch die Regularien seien noch unklar. Daher wollen die Beteiligten jetzt jeden Donnerstag mit Aktionen zum Tag des Tanzes machen, bis Klarheit über den Weiterbetrieb bestehe.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.