Dorfgalerie holt Ibug-Künstler ins Chemnitztal

Zwei Grafiker aus Leipzig zeigen ihre Werke in Auerswalde. Bekannt sind sie vor allem unter ihrem Künstlernamen geworden.

Auerswalde.

"Gut unterwegs" heißt die neue Ausstellung in der Dorfgalerie Auerswalde. Mit Elisabeth Wolf und Christoph Steyer haben sich diesmal zwei Großstadtbewohner auf den Weg ins Chemnitztal gemacht. Mit gut zwei Dutzend Arbeiten bringen die Leipziger den Hauch urbanen Geschehens in die eher beschauliche Landatmosphäre.

Dabei gestalten die jungen Leute selbst erstmals eine gemeinsame Ausstellungsreihe und präsentieren Werke, an denen sie zusammen Hand angelegt haben. An jahreszeitbedingt länger werdenden Abenden zauberten die Künstler zur Vernissage den Besuchern ein Lächeln in die Gesichter. Bilden doch die in Mischtechnik, Siebdruck und Acryl gefassten Inhalte in spezieller Weise die aktuelle Lebenswirklichkeit ab.

"Vierecksverkehr" heißt etwa eine der Grafiken, die den nimmermüden Verkehrsstrom einer Metropole nicht nur in kreisrunde Bahnen zu lenken versucht. Elefant, Bartenwal und Giraffe sind als Autofahrer dargestellt. Und wer bedauert nicht den beharrlich mit seinem größten Haken unbekümmert im Boot sitzenden Angler, der den unter der Wasseroberfläche verdutzt dreinschauenden Fischkoloss nicht mitbekommt? Das Bild heißt "Ein Tag am See". Die beiden Künstler bringen aber auch politische Ansichten auf die Leinwand. "Wirr ist das Volk" heißt eine der mit dem Demogeschehen im Kontext stehenden Arbeiten. Eine weitere widmet sich der Frage, wer in Zeiten der Fake News nun wirklich den Durchblick behält und ob man seiner oder anderer Meinungen noch vertrauen darf.

Der künstlerische Werdegang von Elisabeth Wolf und Christoph Steyer begann quasi auf der Straße. "Wir sind Autodidakten, haben uns statt an einer Hochschulbank im Alltagsleben das malerische Rüstzeug angeeignet", so Elisabeth Wolf. Zunächst hatte sie Bauingenieurwesen studiert. Seit frühester Jugend sei sie regelmäßig mit Stift, Pinsel und Spraydose unterwegs gewesen. Seit 2012 arbeitet sie als selbstständige Grafikdesignerin, Malerin und Illustratorin. Beim alljährlichen Festival für urbane Kunst Ibug hat sie manche Industriebrache zum Kunstwerk gestaltet. Zu einem dieser Festivals lernten sich die Ausstellungsmacher kennen. Wolf wurde bekannt unter dem Künstlernamen "lagqaffe", der aus den Anfangsjahren stammt. "Damals übersprühte ich Schablonenarbeiten mit Lack, aus diesem Schaffensprinzip resultiert der Begriff", erzählt sie.

Der sich als freischaffender Illustrator und Fassadenmaler bezeichnende Christoph Steyer sammelte auch als Graffiti-Akteur seine ersten Achtungserfolge. "Indes fühlte ich mich, der gern Figuren malt, in einer zumeist Buchstabenkombinationen sprayenden Szene nicht aufgehoben." Die Nachtaktionen seien ihm auf Dauer zu stressig gewesen, verrät er, der mit Künstlernamen flamat bekannt wurde. In seiner Gang sei das Feuerzeug als flamat bezeichnet worden. Vielmehr entdeckte er die in Leipzig gebotenen Fördermöglichkeiten einer alternativen Kunstszene, begann großflächige Projekte im öffentlichen Raum zu gestalten. "Heute arbeite ich viel mit Kindern und Jugendlichen, schaffe Illustrationen, gestalte Fassadenwände", erläutert Steyer.

Die Ausstellung ist bis 6. Dezember in der Dorfgalerie Auerswalde, Am Erlbach 4, zu sehen. Geöffnet ist nach einer Absprache unter der Telefonnummer 037208 83944.

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