Duelle bei Ortsvorsteher-Wahlen in Pleißa und Wolkenburg

In diesem Monat werden die Ortschefs neu bestimmt. Die Freien Wähler machen der CDU dabei mehrere Posten streitig. Die "Freie Presse" gibt einen Überblick über das Bewerberfeld.

Pleißa: Michael Nessmann(CDU) ist seit 18 Jahren Ortsvorsteher und will dies auch bleiben. "Ich habe mich bewährt und bin im Ort bekannt", sagt der 60-Jährige und verweist auf seine Tätigkeiten als Vorsitzender des Heimatvereins sowie die Organisation von Festen und Veranstaltungen. Aus seiner Sicht habe sich der Ortsteil in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, bilanziert Nessmann. Als Belege nennt der Mitarbeiter des städtischen Bauhofes den Bevölkerungszuwachs und die Zusammenarbeit der Vereine. Deshalb habe er nicht vor, das Amt als Ortsvorsteher kampflos seinem Konkurrenten zu überlassen. Dieser heißt Holger Schmeißer. Der Lehrer hat sich als Präsident des Schwimmsport- und Tauchsportvereins Limbach-Oberfrohna einen Namen gemacht. Schmeißer gehört den Freien Wählern an, die seit der Kommunalwahl vier der sieben Ortschaftsräte stellen. Seine Chancen, Nessmann bei der Wahl im Gremium zu beerben, stehen also nicht schlecht. Schmeißer wollte sich auf Anfrage nicht zu seiner Kandidatur äußern.

Bräunsdorf: Hartmut Reinsberg (FDP) scheidet nach 40Jahren an der Spitze des Ortes - erst als Bürgermeister, dann als Ortsvorsteher - aus dem Amt. Der 74-Jährige will sich künftig mehr seiner Familie und seinen Hobbys wie der Geschichte der Luftschifffahrt widmen. Als Nachfolger hat sich Silvio Pester (CDU) beworben, der als Ortschaftsrat und Leiter der Ortsfeuerwehr bekannt ist. Nach zehn Jahren als stellvertretender Ortsvorsteher fühle er sich für den Posten bereit, sagt der 44-Jährige.


Pester erklärt, er wolle die Bräunsdorfer Identität weiter stärken. Als Vorhaben, für die er sich einsetzen will, nennt er die Verbesserung des Hochwasserschutzes, die Erneuerung der Treppenstufen am Kasperberg und den weiteren Ausbau der Ortsdurchfahrt. "Wenn die Arbeiten am Teich fertig sind, fehlt noch das Stück bis zur Grundschule." Da Pester zumindest bislang der einzige Kandidat ist und seine CDU die Hälfte der sechs Ortschaftsräte stellt, gilt seine Wahl als wahrscheinlich. In diesem Fall würde er seinen Wehrleiter-Posten nach einer Übergangszeit gern abgeben, sagt der gelernte Industriemechaniker.

Wolkenburg-Kaufungen: Wie in Pleißa kommt es in Wolkenburg-Kaufungen zu einem Duell zwischen CDU und Freien Wählern. Amtsinhaber Reinhard Iser (CDU) hat nach eigenen Angaben wegen seines Alters (64 Jahre) lange überlegt, ob er sich noch einmal bewirbt. Dann habe er sich aber doch dafür entschieden. Er wolle die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Fußballvereins Wolkenburg, die 2022 ansteht, mit gestalten und selbst "die 30 Jahre vollmachen", wie Iser es formuliert. Er steht seit 1991 an der Spitze des Ortes, erst als Bürgermeister, seit der Eingemeindung 2000 als Ortsvorsteher. Die 30-Jahre-Marke wäre folglich 2021 erreicht. Wolkenburg habe sich zu einem attraktiven Ausflugsziel entwickelt, stellt Iser fest. Als ein Ziel für die nächsten Jahre nennt er die Reaktivierung der Muldentalbahn. "Zudem habe ich die Gründung einer Grundschule noch nicht aufgegeben."

Diese beiden Punkte spricht auch Annett Groh (Freie Wähler) an, wenn man sie nach ihren Beweggründen für die Kandidatur befragt. "Außerdem will ich die Vereine zusammenführen und so die Dorfgemeinschaft stärken", sagt die Inhaberin des "Marmelädchen"-Geschäftes in Uhlsdorf. Ihr gehe es nicht in erster Linie darum, gegen jemanden anzutreten. "Aber die Wähler wollen offenbar, dass sich etwas ändert", stellt die 49-Jährige fest. Als Belege für ihr ehrenamtliches Engagement führt sie an, dass sie die Kita Kinderland Muldental mitbegründet und die Organisation der 777-Jahr-Feier 2018 maßgeblich vorangetrieben hat. Im neuen Ortschaftsrat entfallen auf die Freien Wähler vier Mandate, auf die CDU nur noch zwei. Kändler: In Kändler geht eine Ära zu Ende. Fast 30 Jahre lang stand Bernd Schobner an der Spitze des Ortes - erst als Bürgermeister, seit der Eingemeindung 1999 als Ortsvorsteher. Doch nun ist Schluss. Mit 64Jahren wolle er andere Schwerpunkte setzen, sagt der Ingenieur für Klimatechnik, der sich heute im Limbach-Oberfrohnaer Rathaus um kulturelle Veranstaltungen kümmert. Er wolle zum Beispiel sein Enkelkind öfter sehen, das nicht in der Region wohne, erklärt Schobner. Mit der Entwicklung des Ortsteils zeigt er sich zufrieden. Kändler punkte mit Gewerbegebieten und guter Infrastruktur. Der scheidende Ortsvorsteher mahnt jedoch an, dass Schäden an der Hauptstraße aus seiner Sicht repariert werden müssten, bevor sie sich ausweiten.

In Kändler gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung nur einen Bewerber um das Ortsvorsteher-Amt. Dieser gehört den Freien Wählern an, wie Vorsitzender Jesko Vogel bestätigt. Den Namen wolle man nach internen Beratungen aber vorerst nicht preisgeben. Die Person gehöre nicht dem neuen Ortschaftsrat an, so Vogel. In diesem verfügen die Freien Wähler mit vier von sechs Sitzen über eine Mehrheit.

Termine der konstituierenden Sitzungen der Ortschaftsräte mit Ortsvorsteher-Wahlen: Pleißa: Mittwoch, 14. August, Rathaus Pleißa. Bräunsdorf: Donnerstag, 15. August, Rathaus Bräunsdorf. Wolkenburg-Kaufungen: Montag, 26. August, Rathaus Wolkenburg. Kändler: Mittwoch, 28. August, Landhotel Goldener Becher. Alle Sitzungen beginnen um 19 Uhr.


Kommentar: BrisanteSituation

Die Entscheidungskompetenz der Ortsvorsteher im politischen Gefüge ist vergleichsweise gering. Aber für die Identität der vier Limbach-Oberfrohnaer Ortsteile sind sie wichtig: Sie organisieren Feste, fungieren als Ansprechpartner für Bürger und Vereine und repräsentieren den Ort nach außen. Nun könnte ein Generationswechsel anstehen. In Bräunsdorf und Kändler wird es in jedem Fall neue Gesichter geben, auch in Pleißa und Wolkenburg-Kaufungen könnte es so kommen.

Die Konstellation ist durchaus brisant: Wenn es schlecht für die CDU läuft, stellt sie künftig nicht mehr drei Ortsvorsteher, sondern nur noch einen - das wäre nach den Stimmeneinbußen bei der Stadtratswahl ein weiterer schwerer Schlag für die Partei. Der Anspruch der Freien Wähler, die Erfolge bei den Ortschaftsratswahlen in weitere Posten umzumünzen, ist nachvollziehbar. Andererseits geht mit dem Abgang altgedienter Ortsvorsteher viel Erfahrung verloren. Die Nachfolger müssen sich erst noch beweisen.

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